Echter Luxus ist grün
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Echter Luxus ist grün

"Nachhaltigkeit wird gerne als "die Welt ein bisschen besser machen" gesehen und Visionäre als "Gutmenschen" tituliert. Für uns ist und bleibt Nachhaltigkeit gerade aus ökonomischer Sicht ein Muss um für die Zukunft gewappnet zu sein," so Tina Kammer von InteriorPark.

"Nachhaltigkeit wird gerne als "die Welt ein bisschen besser machen" gesehen und Visionäre als "Gutmenschen" tituliert. Für uns ist und bleibt Nachhaltigkeit gerade aus ökonomischer Sicht ein Muss um für die Zukunft gewappnet zu sein," so Tina Kammer von InteriorPark.

10.06.2015

UMWELTHAUPTSTADT.de: Frau Kammer, Sie sind Geschäftsführerin von InteriorPark. Was ist Ihr Kerngeschäft und an wen richtet sich Ihr Angebot konkret?

TINA KAMMER: InteriorPark, führt in einem ganzheitlichen Konzept europaweit die Bereiche Design, Architektur und Kommunikation zusammen. Verteilt auf die beiden Geschäftsbereiche Handel und Dienstleistung fungiert Nachhaltigkeit als Basis. Mit einer kuratierten Auswahl an hochwertigen Design Möbeln und Wohnaccessoires hat sich InteriorPark. als führende Plattform für nachhaltiges Design in ganz Europa einen Namen gemacht. Unsere Dienstleistungen umfassen Beratung und Planungsowohl für Unternehmen wie auch Privatkunden.Bei der Konzeption und Planung von nachhaltigen Innenräumen liegt unser Fokus auf gesundem Raumklima. Unternehmen beraten wir zu Nachhaltigkeitsmanagement und -kommunikation. Wir sind Jurymitglied zu nachhaltigen Design-Awards, halten Vorträge und Workshops.

Welches sind aktuell die größten Themen und Herausforderungen Ihrer Branche?

Nachhaltiges Bauen wird vornehmlich über energieeffizientes Bauen definiert. Hierfür wurden technologisch große Fortschritte erzielt. Die Auswirkungen der immer dichter werdenden Gebäudehüllen auf den Innenraum und das Wohlbefinden der Nutzer wurde hierbei außer Acht gelassen. So erlebt der Nutzer nachhaltiges Bauen nicht als Fortschritt und Gewinn, sondern als notwendiges Übel. Fenster gelten z.B. heute als nahezu undurchlässig. Der daraus resultierende mangelnde Luftaustausch wirkt sich negativ auf das Raumklima aus. Umweltstoffe aus unterschiedlichen Quellen reichern sich in der Raumluft an und können Risiken für die Gesundheit darstellen. Müdigkeit und Kopfschmerzen, bis hin zu gebäudebezogenen Krankheiten können die Folge sein und damit auch einen ökonomischen Schaden verursachen.

Und wie geht Ihr Unternehmen damit um?

Die Komplexität von Innenräumen lässt keine einfachen Lösungen zu. Viele Komponenten bestimmen den Raum und weiche Faktoren wie Wohlbefinden und Inspiration lassen sich schwer errechnen. Daher haben wir uns zur Aufgabe gemacht Nachhaltigkeit im Innenraum als sinnhafte Erfahrung erlebbar zu machen. Das zeichnet sich durch die Wahl der Materialien und Ausstattung aus. Wir setzen nur Produkte ein, die keine giftigen flüchtigen Verbindungen freisetzen.

Auf welche betrieblichen Bereiche hat sich Ihre nachhaltige Ausrichtung besonders niedergeschlagen?

Da es keine bindende Definition von Nachhaltigkeit gibt, haben wir für unsere Arbeit eigene, klare Kriterien definiert. Diese Eco Icons gewährleisten größtmögliche Transparenz für unsere Kunden und für uns intern als Diskussionsgrundlage bei der Auswahl. Sie sind in acht Themen aufgeteilt und spiegeln die Hintergründe, Herstellungsprozesse und verwendeten Materialien wider. Unser Sortiment ist handverlesen und wir kennen alle Designer und Hersteller und pflegen persönlich Kontakt. Bei der Auswahl unserer Produkte machen wir keinen Unterschied zwischen jungen, aufstrebenden Designlabels, Traditionsunternehmen oder etablierten Marken. Wir prüfen die Qualität der Produkte und deren Herstellungsprozesse. Bei jedem unserer Produkte werden Ihnen die zutreffenden Eco Icons angezeigt. Diese Arbeitsweise hat sich bewährt und wir setzen sie auch für unsere Dienstleistungen und architektonische Planungen ein. Für uns als Unternehmen ist es selbstverständlich, dass wir diesen ethischen und umweltverträglichen Voraussetzungen gerecht werden.

Welche Themen, Informationen und Netzwerke waren nötig, um sich nachhaltiger auszurichten?

Die Idee aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Design ein Geschäftsmodell zu entwickeln, entstand aus unser beider Lebensläufe heraus. Es gab für uns hier keine Vorbilder oder Quellen aus denen wir schöpfen konnten. Es war vielmehr die Überzeugung, dass Nachhaltigkeit und Design zusammen gehören, denn alles was uns umgibt wurde designt. Wir gestalten unser Umfeld von morgen und wir sind überzeugt, dass zukunftsorientiertes Gestalten ohne stimmigen Nachhaltigkeitsansatz nicht geht. Gerade in den letzten Jahren gibt es in den Bereichen Architektur und Design viele innovative Entwicklungen und der Mehrwert wird der breiten Öffentlichkeit mehr und mehr verständlich.

Inwiefern wird Ihre nachhaltige Ausrichtung von den Kunden honoriert und lässt sich das messen?

Das ist eine gute Frage, die wir uns auch immer wieder stellen. Dadurch, dass unsere Produkte und Dienstleistungen auch für sich funktionieren, ist nicht immer klar, welchen Anteil explizit das Thema Nachhaltigkeit für unsere Kunden ausmacht. Sowohl außergewöhnliche Produkte, wie auch individuelle Räume erzählen interessante Geschichten, die sich in unserem Fall schwer der Thematik entziehen, da die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema letztendlich der Gestaltung zugrunde liegt.

Verraten Sie uns, welche Innovationen wir in der nächsten Zeit von Ihrem Unternehmen erwarten dürfen?

Wir betreiben seit 5 Jahren europaweit unseren Online Shop und seit September letzten Jahres einen Store in Stuttgart. Wir haben hier viele Veranstaltungen, Vorträge und Workshops für Endverbraucher und Fachkunden zum Thema Nachhaltiges Bauen und Design durchgeführt. Ab September beziehen wir einen größeren Laden in bestem Umfeld und bauen diese Bereiche weiter aus. Unser Beratungs- und Planungsbereich wächst und wir haben hierfür erfahrene Berater gewinnen können. Neben Unternehmen und Bauherren nehmen verstärkt Architekten diese Dienstleistungen in Anspruch.

Stichwort Unternehmensstandort Deutschland: An welchen Stellschrauben würden Sie gerne drehen, um die Rahmenbedingungen für Ihre Branche zu verbessern?

Die Unternehmensgründung mit einem Businessmodel, das für viele noch weit in der Zukunft lag, war für uns beide nicht immer einfach. Nachhaltigkeit wird gerne als "die Welt ein bisschen besser machen" gesehen und Visionäre als "Gutmenschen" tituliert. Für uns ist und bleibt Nachhaltigkeit gerade aus ökonomischer Sicht ein Muss um für die Zukunft gewappnet zu sein. Wir müssen uns doch heute die Frage stellen mit was wir morgen unser Geld verdienen können und da wir alle wissen, dass wir so nicht weiter wirtschaften können, sollten wir uns schnellstens auf neue Weg gegeben. Solange aber Unternehmen, die nicht nachhaltig produzieren ihre Waren zu Schleuderpreisen auf den Markt werfen können und durch ihre enormen Margen gigantisches Marketing betreiben können, werden es Unternehmen, die sich der Verantwortung der Zukunft stellen und nachhaltig agieren, schwer haben. Wünschenswert wäre, dass die Politik Unternehmen an den Folgekosten ihrer Produktion beteiligt und damit die Kosten erhöht. Da gerade in Deutschland der Preis nach wie vor die Kaufentscheidung stark bestimmt, hätten nachhaltig hergestellte Produkte, die zwangsläufig kein Preisdumping betreiben können, mehr Chancen.

Ihr Nachhaltigkeitsleitspruch lautet?

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