Grüne Wirtschaft

Im Interview: Inka Bihler-Schwarz, Pressesprecherin von Dr. Hauschka Kosmetik

Dr. Hauschka Kosmetik ist eine Pionierin im Bereich der Nachhaltigkeit. Was unterscheidet sie von anderen Kosmetikunternehmen?

Dr. Hauschka Kosmetik ist eine Pionierin im Bereich der Nachhaltigkeit. Was unterscheidet sie von anderen Kosmetikunternehmen?

Das Interview führte Annkathrin Meenken, Bildquellen: © WALA Heilmittel GmbH

Umwelthauptstadt.de: Die Firma Wala Heilmittel GmbH ist ein Stiftungsunternehmen. Welche Vorteile hat diese Unternehmensform?

Inka Bihler- Schwarz: Die WALA Heilmittel GmbH, Herstellerin der WALA Arzneimittel und der Dr. Hauschka Kosmetik, gehört zu 100 Prozent der nicht gemeinnützigen WALA Stiftung. Alle Gewinne der GmbH fließen an die Stiftung. Diese reinvestiert einen Teil in das Unternehmen, der Rest wird an die Mitarbeiter ausgeschüttet. Es gibt keine Aktionäre oder Inhaber, an die Geld fließt oder deren Partikularinteressen berücksichtigt werden müssten. Besonders schön für uns Mitarbeiter: Die WALA Heilmittel GmbH kann nicht verkauft oder vererbt werden.

Umwelthauptstadt.de: WALA ist ein traditionell nachhaltiges Unternehmen und verfolgt den anthroposophischen Gedanken. Welche Aspekte sind für Ihr Konzept besonders wichtig?

Inka Bihler- Schwarz: Lange bevor der Begriff Nachhaltigkeit bekannt war, hat sich die WALA an seiner Bedeutung orientiert. Denn natürliche Kreisläufe und die Kraft vitaler, unbelasteter Rohstoffe bilden die Basis für alle Dr. Hauschka Produkte und die WALA Arzneimittel. Nachhaltigkeit ist unverzichtbarer Bestandteil unserer Produktqualität und somit ein alltäglicher Anspruch. Unsere Rohstoffe beziehen wir fast ausschließlich aus kontrolliert-biologischem Anbau, möglichst in Demeter-Qualität und aus fairem Handel. Wir denken und arbeiten in Stoffkreisläufen – zum Beispiel bei der hauseigenen Wasseraufbereitung, bei leicht zu recycelnden Verpackungsmaterialien, bei der Kompostierung von Abfällen aus der Produktion. Wir sparen Ressourcen, wo immer es geht: Wir beziehen seit Jahren zu 100 Prozent zertifizierten Ökostrom, nutzen Wärmerückgewinnung und die Erdtemperatur zur Klimatisierung, wir bieten Dienstfahrräder an und unterstützen Arbeitswege mit der Bahn oder mit Fahrgemeinschaften. Nachhaltigkeit fördern wir auch mit unseren ökologisch und sozial angelegten Partnerschaften. Sheabutter beispielsweise beziehen wir aus einem biologisch zertifzierten Sammelgebiet in Burkina Faso, das kostbare Öl der Damaszenerrose unter anderem aus Afghanistan, wo wir in Kooperation mit der Welthungerhilfe rund 400 inzwischen biologisch wirtschaftenden Bauern eine Alternative zum Opiumanbau bieten.

Das Unternehmen ist im ständigen Wachstum und bereits international bekannt und beliebt. Daraus folgt natürlich auch, dass die Rohstoffe für die Produkte nicht mehr allein in den eigenen Gärten angebaut werden könnten, sondern Sie auch auf Lieferanten angewiesen sind. Wie überprüfen Sie, dass dennoch die hohen Qualitätsstandards eingehalten werden?

Inka Bihler- Schwarz: In unserem Heilpflanzengarten bauen wir rund 150 Pflanzen an – die meisten allerdings für die Arzneimittel. Ein Teil davon wird auch für die Kosmetik verwendet. Die deutlich größeren Mengen für die Kosmetik stammen von unserem Demeter-Bauernhof, der gerade einen Kilometer entfernt liegt. Wir kennen viele unserer Lieferanten und die Bedingungen vor Ort persönlich. Trotzdem prüfen wir in unserem Labor für Analytik und Mikrobiologie alle eingehenden Rohstoffe auf ihre Qualität und Rückstandsfreiheit. Nur wenn das Ergebnis einwandfrei ist, nehmen wir die Rohstoffe an und verarbeiten sie weiter.

2007 hat WALA zusammen mit anderen führenden Firmen für Naturkosmetik ein neues Zertifikat namens „NaTrue“ begründet. Wodurch hebt sich „NaTrue“ von den anderen Siegeln ab?

Inka Bihler- Schwarz: WALA hat zusammen mit anderen führenden Naturkosmetikunternehmen den NATRUE-Verband gegründet und einen internationalen Zertifizierungsstandard für Natur- und Biokosmetik definiert.

Unterschiede zu anderen Standards bzw. Labeln: NATRUE hat als erster zwischen Natur- und Biokosmetik unterschieden und dafür drei Zertifizierungsstufen definiert: 1. Stufe: Naturkosmetik, 2. Stufe: Naturkosmetik mit Bioanteil (70 %) und der 3. Stufe: Biokosmetik (95% Bio). Der NATRUE-Standard war von Anfang an international ausgelegt und folgt nicht wie die meisten Label oder Standards davor nationalen Richtlinien. NATRUE ist komplett transparent und arbeitet nicht gewinnorientiert.

Der Markt für Naturkosmetik hat starken Zuwachs gefunden. Discounter wie dm  oder Rossmann haben bereits eigene Marken, über die sie Naturkosmetika billiger verkaufen. Wie stark wird Ihr Unternehmen durch diese Art der Konkurrenz beeinflusst?

Inka Bihler- Schwarz: Wir freuen uns über das zunehmende Interesse an Natur- und Biokosmetik. Mit zu diesem Erfolg tragen ganz klar Produkte aus dem Drogeriemarkt bei. Die Drogerie-Eigenmarken sind häufig der Einstieg in die Naturkosmetik.

Durch welche wesentlichen Aspekte  unterscheidet sich Dr. Hauschka von den zertifizierten Billigmarken?

Inka Bihler- Schwarz: Bei Dr.Hauschka wird von jedem Rezepturbestandteil ein Beitrag zur Wirkung erwartet und die Haut mit komplexen Kompositionen unterstützt; bei uns werden keine Standardrezepturen mit einzelnen Wirkstoffen angereichert. Am Anfang der Entwicklung eines neuen Dr.Hauschka Präparats steht immer die Frage „Was benötigt der ganze Körper, um an der Haut das momentane Hautbild zu normalisieren oder zu verbessern.“

Auf die stoffliche Qualität der Rezeptur bezogen, können wir nur sagen: „Qualität hat immer ihren Preis.“ Und wir wollen den Kunden die bestmöglichen Produkte liefern. So verzichten wir beispielsweise auf die vom BDIH und von NATRUE erlaubten Konservierungsstoffe. Auch kommen unsere Inhaltsstoffe, wenn nur irgend möglich aus biologisch-dynamischem oder kontrolliert-biologischem (kbA) Anbau oder aus kontrollierter Wildsammlung. Selbst Alkohol oder Glycerin werden bei uns nur in Bioqualität eingesetzt, und viele Pflanzen bauen wir selbst an. Auch verwenden wir, wo immer möglich, direkt gewonnene Öle wie Mandel- oder Olivenöl und keine umgeesterten Fette und entsprechende Emulgatoren. Die Pflanzenauszüge stellen wir selbst nach einem speziellen, aufwändigen Verfahren her. Wir setzen keine fertigen Duftmischungen ein, sondern leisten uns einen eigenen Parfümeur, der ausschließlich aus natürlichen ätherischen Ölen Düfte für jedes einzelne Produkt kreiert. Und nicht zu vergessen unsere vielschichtigen, strengen Qualitätskontrollen. Als Arzneimittelhersteller produzieren wir die Dr.Hauschka Präparate unter demselben hohen Standard wie die Arzneimittel.

Welche Zukunftsvisionen hat die WALA?

Inka Bihler- Schwarz: Wir sind ständig dran, den Bioanbau weltweit auszubauen. Denn je größer die landwirtschaftliche Fläche ist, die nach den Kriterien des Biolandbaus bewirtschaftet wird, desto mehr reduziert sich der Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden. Davon profitieren Natur und Mensch gleichermaßen und zwar auf der ganzen Welt. Ein weiteres Unternehmensziel ist die kontinuierliche Entkoppelung von Umsatzwachstum und Ressourcenverbrauch.



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