In einer Zeit, in der industrielle Massenproduktion den Lebensmittelmarkt dominiert, setzt das DOMBERGER BROT-WERK bewusst auf einen anderen Weg: traditionelles Bäckerhandwerk, kombiniert mit modernen Qualitätsstandards und einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit. Dabei geht es nicht nur um gutes Brot, sondern um ein ganzheitliches Verständnis von Ernährung, Wertschöpfung und Zusammenarbeit. Im Interview wird deutlich, warum Handwerk, Teamkultur und bewusster Ressourceneinsatz heute wichtiger sind denn je.
LifeVERDE: Was macht das DOMBERGER BROT-WERK aus Ihrer Sicht besonders und wie definieren Sie gutes Brot heute?
Besonders ist das DOMBERGER BROT-WERK, weil es rein handwerklich arbeitet und auf jegliche Zusätze im Brot verzichtet. Für ein gutes Sauerteigbrot braucht es nur Mehl, Wasser und Salz, sowie erfahrene Bäckerinnen und Bäcker. Diese bilden wir zum Großteil selbst aus, da viele Leute zu uns kommen, die einen Karrierewechsel anstreben. Wir arbeiten mit Quereinsteigenden zusammen, die ihrer Passion für Brot nachgehen wollen und sich für Sauerteig begeistern.

Bild: DOMBERGER BROT-WERK
LifeVERDE: Welche konkreten Maßnahmen setzen Sie im DOMBERGER BROT-WERK um, um Ihre Produktion möglichst nachhaltig und ressourcenschonend zu gestalten?
Wir verwenden nur grünen Strom, kaufen, wenn möglich, Geräte aus zweiter Hand, wie Kneter, Öfen und sonstige Maschinen, liefern mit dem Lastenfahrrad aus, wenn es die Menge zulässt, und schmeißen keine übrig gebliebene Ware weg. Diese spenden wir an verschiedene Einrichtungen. Wir versuchen, die Öfen so energieeffizient wie möglich zu bedienen. Das heißt: die Herde voll machen, zügig hintereinander backen, damit der Ofen schnell wieder ausgeschaltet werden kann, die entstehende Resthitze für das Rösten von Kernen oder auch das Backen von Keksen zu nutzen.
LifeVERDE: Welche Rolle spielen regionale und biologische Zutaten im DOMBERGER BROT-WERK und wie wählen Sie Ihre Lieferantinnen und Lieferanten aus?
Wir haben keine Bio-Zertifizierung, deswegen dürfen wir damit nicht werben. Selbstverständlich aber achten wir genau auf die Auswahl unserer Rohstoffe und legen Wert auf Regionalität und Saisonalität beim Obst. Wichtig ist für uns die Zusammenarbeit mit den Lieferanten – wir achten auf ein kollegiales und kooperatives Miteinander, Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit auf beiden Seiten.
LifeVERDE: Sie verbinden im DOMBERGER BROT-WERK traditionelles Bäckerhandwerk mit modernen Ansprüchen. Wie gelingt Ihnen dieser Spagat?
Wir haben Glück, dass traditionelles Backhandwerk heute wieder so „angesagt“ ist. Tatsächlich handelt es sich nicht um einen Spagat, sondern viel eher um eine Weiterentwicklung von uralten Methoden, die als Basis dienen. Die Modernität besteht darin, auf die Auswahl der Zutaten zu achten, internationale Techniken miteinzubinden und die Qualität der Produkte dank verbesserter Temperaturüberwachung, pH-Messgeräten und anderer Technologien konstant hoch zu halten.

Bild: DOMBERGER BROT-WERK
LifeVERDE: Welche Werte prägen Ihre Zusammenarbeit im Team des DOMBERGER BROT-WERKS und wie schaffen Sie es, Mitarbeitende langfristig zu begeistern und zu binden?
Die Freude an der körperlichen Arbeit spielt sicherlich eine zentrale Rolle im Handwerk. Prozesse täglich zu wiederholen und daran persönlich zu wachsen, hat für viele bei uns eine beinahe meditative Wirkung. Entscheidend ist auch die Begeisterung für gute Lebensmittel, allen voran Brot. Unsere Mitarbeitenden bleiben häufig lange, weil sie viele Möglichkeiten der Weiterentwicklung sehen. Durch unser dezentrales Arbeiten – mehrere unabhängige Bäckereien, die alles vor Ort herstellen – gibt es früh die Chance, Verantwortung zu übernehmen und ein eigenes Team zu führen.
LifeVERDE: Welche Rolle sehen Sie für das DOMBERGER BROT-WERK und andere handwerkliche Bäckereien in einer nachhaltigeren Ernährungszukunft?
Die Zunahme handwerklicher Bäckereien ist eine erfreuliche Entwicklung für die Ernährungszukunft. Denn so kann eine stärkere Wertschätzung für Lebensmittel entstehen und ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, was es für die Herstellung eines Brotes alles braucht. Handwerkliches Brot beginnt beim Rohstoff und endet beim bewussten Genuss – dadurch wird die gesamte Wertschöpfungskette sichtbar.
Statt auf industrielle Massenfertigung zu setzen, bieten handwerkliche Bäckereien die Chance, wieder lokaler, kooperativer und ressourcenschonender zu wirtschaften. Ein Umdenken in diese Richtung kann für unsere Gesellschaft langfristig sehr wertvoll sein.

Bild: DOMBERGER BROT-WERK
Fazit: Warum handwerkliches Brot mehr ist als nur ein Lebensmittel
Das DOMBERGER BROT-WERK zeigt eindrucksvoll, dass echtes Bäckerhandwerk weit über die Herstellung von Brot hinausgeht. Es steht für Qualität, Verantwortung und ein neues Bewusstsein im Umgang mit Lebensmitteln. Durch nachhaltige Produktion, starke Teamkultur und den Fokus auf Langlebigkeit wird deutlich: Die Zukunft der Ernährung kann regionaler, bewusster und handwerklicher sein – und genau darin liegt eine große Chance.
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