Die Wärmewende muss in den Fokus der öffentlichen Debatte
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Die Wärmewende muss in den Fokus der öffentlichen Debatte

"Ein Blick auf den Energieverbrauch in Deutschland zeigt, dass der Wärmebereich mit über 50 Prozent der größte ist. In der öffentlichen Debatte sollten wir uns also mehr auf die Wärmewende fokussieren" so Dieter Berndt, vorsitzender Geschäftsführer der QUNDIS GmbH.

"Ein Blick auf den Energieverbrauch in Deutschland zeigt, dass der Wärmebereich mit über 50 Prozent der größte ist. In der öffentlichen Debatte sollten wir uns also mehr auf die Wärmewende fokussieren" so Dieter Berndt, vorsitzender Geschäftsführer der QUNDIS GmbH.

18.12.2016 - Bild: Qundis

LifeVERDE: Herr Berndt, was macht die QUNDIS GmbH?

DIETER BERNDT: QUNDIS ist ein Anbieter von Messgeräten und -systemen für die verbrauchsabhängige Erfassung und Abrechnung von Wasser und Wärme. Wir produzieren in unserer Smart Factory in Erfurt unter anderem Heizkostenverteiler, Wasserzähler, Wärmezähler sowie Kommunikationstechnik und Softwareprodukte für die Zählerfernauslesung. Aktuell beschäftigen wir am Hauptstandort sowie in unseren Auslandsvertretungen in Paris, Moskau, Mailand und Istanbul insgesamt rund 300 Mitarbeiter.

Richtet sich Ihr Angebot eher an gewerbliche Kunden oder auch an Privatkunden?

Zu unseren Kunden gehören Messdienstunternehmen, OEM-Partner und die Wohnungswirtschaft – und somit der gewerbliche Bereich. In Deutschland zählen wir zu den erfolgreichsten Anbietern der Branche. Unsere Systemlösungen kommen in mehr als sechs Millionen Wohnungen in über 30 Ländern zum Einsatz. Trotz der B2B-Ausrichtung haben wir aber auch die Endkunden im Blick: Unsere Messsysteme schaffen Transparenz, wodurch Verbraucher einfacher und mehr Energie sparen können.

Kosten sparen möchte jeder, auch beim Energieverbrauch. Was gibt es hier zu beachten, besonders bei der Messung und Analyse des Verbrauchs?

Derzeit wird vor allem der Verbrauch gemessen, eine Analyse findet nicht statt. Im Bundesgebiet sind noch über 20 Mio. Verdunster im Einsatz – also die Zähler mit den kleinen Röhrchen. Und die meisten Bürger erhalten lediglich einmal im Jahr einen Überblick ihres Verbrauchs mit der Heizkostenabrechnung. Diese einmalige Information genügt nicht für eine Analyse. Deshalb heben wir die Systemlandschaft auf eine neue Plattform, um den Verbrauch transparent und öfter verfügbar zu machen. Unsere Messsysteme sind heute schon so weit, das Sie sehen können: Ich habe gestern das Fenster im Badezimmer offengelassen und habe heute einen Fünfer mehr auf dem Zähler. Gerade diese Transparenz ist die notwendige Voraussetzung, um überhaupt erfolgreich Energie sparen zu können.

Über Ihre Messgeräte haben Mieter und Eigentümer den Energieverbrauch also jederzeit im Blick. Wie stark wirkt sich die Transparenz auf den Verbrauch aus – sozusagen im Vorher-Nachher-Vergleich?

Aktuelle Studien der EU-Kommission, an denen wir ebenfalls beteiligt waren, zeigen, dass ein transparenter Überblick über den Verbrauch ein enormes Bewusstsein hervorruft. Daraufhin erhöhen sich Einsparaktivitäten und der Energieverbrauch kann um bis zu 30 Prozent gesenkt werden. Das ist nicht nur gut für den Geldbeutel, sondern bringt auch viel für die Umwelt. Allein durch den Einsatz unserer Funksysteme werden jedes Jahr rund 4,5 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden. Das entspricht dem jährlichen CO2-Ausstoß einer Großstadt mit etwa 500.000 Einwohnern.

QUNDIS wurde 2016 auf dem Deutschen Mittelstands-Summit als „Innovator des Jahres“ ausgezeichnet. Was macht ihre Innovationskraft aus?

Innovation ist ein fester Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Rund 15 Prozent unserer Belegschaft sind in der Forschung und Entwicklung tätig. Um dabei erfolgreich zu sein, beziehen wir unsere Mitarbeiter, Kunden sowie Hochschulen und Technologiepartner immer mit ein. Über ein Vorschlagssystem sammeln wir Ideen aus der Belegschaft, prüfen diese und setzen sie um. Bei der Entwicklung neuer Produkte oder Services arbeiten wir zum Beispiel mit den Universitäten aus Ilmenau (Thüringen) und Maribor (Slowenien) zusammen. Zuletzt schufen wir in Kooperation mit dem IT-Spezialisten IBM eine cloudbasierte Smart Metering Plattform, die einen vollautomatisierten, unmittelbaren Zugriff auf Verbrauchsdaten erlaubt. Unsere Produktneuheiten und Innovationen, die wir in den vergangenen zwei Jahren entwickelt haben, sind für rund 95 Prozent des Umsatzes verantwortlich.

Die von der Europäischen Union beschlossene Europäische Energieeffizienzrichtlinie (EED) hat das Ziel, bis zum Jahr 2020 20 Prozent Energie einzusparen. Was muss passieren, damit dieses Ziel erreicht wird?

Derzeit stehen vor allem der Umbau der Stromversorgung hin zu erneuerbaren Energien und das Stromsparen im Fokus. Ein Blick auf den Energieverbrauch in Deutschland zeigt jedoch, dass der Wärmebereich mit über 50 Prozent der größte ist. In der öffentlichen Debatte sollten wir uns also mehr auf die Wärmewende fokussieren. Im Rahmen der Energiewende ist es enorm wichtig, den Wärmeverbrauch deutlich zu senken, wenn wir die gesteckten Ziele erreichen wollen. Und genau da setzen auch wir mit unseren Messsystemen an. Wir wollen den Verbrauch transparent machen und damit Effizienz und Einsparaktivitäten fördern.

Welche innovativen Ideen, mit denen Sie die Welt nachhaltiger machen können, liegen bei Ihnen noch in der Schublade?

Nachhaltiges und verantwortliches Handeln sind wesentliche Aspekte unseres Geschäftsmodells. Was genau wir dafür produktseitig in der Schublade haben, kann ich natürlich noch nicht konkret verraten. Doch nicht nur unsere Produkte tragen zur Nachhaltigkeit bei. QUNDIS engagiert sich darüber hinaus auch in anderer Weise auf diesem Gebiet: Im Jahr 2015 legten wir mit unserem Rücknahmesystem von Altgeräten inklusive fachgerechter Entsorgung und dem Siegel für geprüftes Umweltmanagement der Europäischen Union (EMAS) zwei wichtige Meilensteine in Sachen Nachhaltigkeit. Seit 2016 unterstützen wir zudem die international bekannte Umwelt-Initiative Plant-for-the-Planet.



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