Die Triodos Bank: Ein Interview zu den Themen Nachhaltigkeit, Transparenz und Verantwortung
Grüne Wirtschaft

Die Triodos Bank: Ein Interview zu den Themen Nachhaltigkeit, Transparenz und Verantwortung

Die Triodos Bank sieht sich als Bank in der Verantwortung, eine positiven Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft zu haben. Wir haben sie gefragt worin sie sich zu anderen Banken unterscheidet und was Nachhaltigkeit für sie bedeutet.

Die Triodos Bank sieht sich als Bank in der Verantwortung, eine positiven Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft zu haben. Wir haben sie gefragt worin sie sich zu anderen Banken unterscheidet und was Nachhaltigkeit für sie bedeutet.

09.04.2019 - Interview

LifeVERDE: Die Triodos Bank legt einen CO2-Fußabdruck von Krediten und Investments offen. Wie muss man sich das vorstellen?

FLORIAN KOSS (Head of Marketing & Communication der Triodos Bank Deutschland): Es gibt bereits einige Unternehmen, die die Klimawirkung ihrer Kerngeschäftstätigkeit messen und durch Vermeidung und Kompensation zu einem möglichst klimaneutralen Unternehmen werden. Die Triodos Bank ist schon lange ein komplett CO2-neutrales Unternehmen, indem z.B. alle Druckerzeugnisse sowie alle Dienstreisen und die Arbeitswege von Mitarbeitern kompensiert werden. Aber die Wirkung von Banken ist noch viel größer, denn durch die Vergabe von Krediten und Investments an Unternehmen haben sie eine enorme indirekte Wirkung. Als Nachhaltigkeitsbank berichten wir schon seit jeher transparent über jeden Kredit, den wir vergeben und investieren ausschließlich in Unternehmen, die eine positive Wirkung für Mensch und Umwelt haben. Seit diesem Jahr gehen wir als erste Bank in Deutschland noch einen Schritt weiter und veröffentlichen unsere Wirkung mit Blick auf den Klimawandel. Konkret heißt das: Wir haben berechnet, an welchen Stellen unsere Kredite oder Investments CO2 verursachen, wo Klimagase eingespart werden können und wo CO2 sogar wieder absorbiert werden konnte.

Insgesamt haben unsere Kredite und Investments eine positive Wirkung auf das Klima gehabt, wir haben damit beigetragen, dass mehr CO2 vermieden und absorbiert wurde als ausgestoßen.

Florian Koss

 

Wie beschreibt die Triodos Bank ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt?

Als Bank haben wir eine große Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft. Wir lenken Geld in nachhaltige Wirtschaftsbereiche und tragen somit dazu bei, dass Unternehmen mit positiver Wirkung auf die Gesellschaft wachsen können. Wir sprechen hier von sozial-ökologischer Rendite, dem Mehrwert für Umwelt und Mensch, den unsere Kredite und Investments erzeugen. 

Welche Banken-Geschäfte sind klimaschädlich und was macht die Triodos Bank anders als beispielsweise die Großbanken?

Großbanken haben laut des kürzlich veröffentlichten „Banking on Climate Change“ Berichts seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 1,9 Billionen Dollar in klimaschädliche Wirtschaftssektoren gesteckt – und damit die Ziele der Weltgemeinschaft konterkariert. Nach wie vor finanzieren konventionelle Banken beispielsweise die Kohleindustrie, klimaschädliche Agrarbetriebe oder die Flugbranche – die Triodos Bank macht dies wie andere Nachhaltigkeitsbanken dagegen nicht. Stattdessen gehen wir bei unserer Kreditvergabe und bei unseren Investments anders vor: Wir finanzieren nur Wirtschaftsbereiche und Unternehmen, die eine positive Wirkung für unser Klima haben. 

In Zusammenarbeit mit elf niederländischen Finanzinstituten, Versicherungen und Pensionsfonds hat die Triodos Bank in den Jahren nach dem Pariser Klimaabkommen die Platform for Carbon Accounting Financials (PCAF) ins Leben gerufen und eine offene Methodik zur CO2-Bilanzierung entwickelt. Was ist das Ziel dieser Plattform und was kann sie?

PCAF hat – und das ist uns wichtig – eine offene Methode entwickelt, mit deren Hilfe Banken und andere Finanzinstitutionen den CO2-Fußabdruck ihrer Investments und Kredite messen können. Jede und jeder der möchte, kann auf die Methodik zurückgreifen und sie für ihr/sein Institut verwenden. Banken zeigen dadurch auf der einen Seite ihren Stakeholdern transparent, wie sich ihr Geschäft auf den Klimawandel auswirkt und lernen auf der anderen Seite viel über sich selbst: Welche Geschäfte sind besonders klimaschädlich, welche haben einen positiven Impact. Heute ist dieses Wissen in vielen Häusern noch kaum verfügbar.

Im März haben sich 28 Banken der „Global Alliance for Banking on Values“ verpflichtet in den nächsten drei Jahren ebenfalls Ihre Klimabilanz zu veröffentlichen. Wir hoffen, dass viele Banken unserem Beispiel folgen und ihren CO2-Fußabdruck veröffentlichen.

Stellen Sie in der Gesellschaft aktuell ein Umdenken fest, was den Klimawandel anbelangt? Machen sich die Menschen auch Gedanken um das Klima, wenn es um das Thema Geld geht?

Ich denke, dass der Klimawandel in den Köpfen vieler Menschen angekommen ist – das zeigen nicht zuletzt die #fridaysforfuture-Kundgebungen. Beim Thema Geld und Klima sieht es allerdings noch anders aus. Viele Menschen beschäftigen sich nicht damit, welche sozial-ökologischen Auswirkungen die Geschäfte ihrer Hausbank haben. Doch auch hier merken wir einen langsamen Wandel, nicht zuletzt zeigt sich dies auch darin, dass wir schon seit Jahren kräftig wachsen.

Was denken Sie wo beim durchschnittlichen Anleger noch Wissenslücken sind, was das Thema nachhaltige Investments anbelangt und wie können Sie hier für mehr Transparenz und Wissenstransfer sorgen?

Es ist immer noch so, dass sich viele Anlegerinnen und Anleger zwar grundsätzlich für nachhaltige Anlagen interessieren, aber das Wissen fehlt wie man solche Angebote findet und gerade bei konventionellen Anbietern oft passende Angebote fehlen. Außerdem hält sich das Gerücht, dass man entweder eine gute Rendite haben oder etwas Gutes mit seinem Geld erreichen kann, dabei ist das wissenschaftlich schon längst widerlegt. Deshalb ist in meinen Augen weiterhin Basisarbeit gefordert. Aber: Es tut sich etwas, das Thema hat an Fahrt aufgenommen.

Was die Transparenz betrifft, hat das EU-Parlament erst kürzlich eine einheitliche Definition für nachhaltige Geldanlagen beschlossen. Künftig wird es für schwarze Schafen unter den „grünen“ Angeboten schwieriger nicht aufzufallen. Das ist ein erster wichtiger Schritt für mehr Transparenz in der gesamten Branche und zeigt, dass die Politik sich der Bedeutung von nachhaltigen Investments bewusst geworden ist.

Welche CO2-Bilanz hatten die Kredite und Investments der Triodos Bank 2018?

Durch unsere Kreditvergabe an nachhaltige Unternehmen und unsere nachhaltigen Investments konnten wir insgesamt deutlich mehr CO2 vermeiden, als dadurch ausgestoßen wurde: Knapp 1000 Kilotonnen Treibhausgas wurden – beispielsweise durch Erneuerbare-Energie-Projekte – vermieden, rund 50 Kilotonnen CO2 konnten der Atmosphäre wieder entzogen werden (z.B. durch Aufforstungsprojekte) und knapp 200 Kilotonnen haben unsere Finanzierungen verursacht. Genauere Informationen gibt es hier: https://diefarbedesgeldes.de/triodos-bank-legt-co2-fussabdruck-von-krediten-und-investments-offen/

Was sind Ihre Klima-Ziele für die nächsten fünf Jahre?

Wir haben diese Methode das erste Mal angewendet und sind noch nicht fertig. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir die Messungen noch weiter verfeinern und einen noch größeren Teil unserer Bilanz auswerten. Für knapp 70 Prozent unserer Aktivitäten im Jahr 2018 konnten wir einen CO2-Fußabdruck ermitteln – künftig soll die Prozentzahl noch steigen. Außerdem wollen wir die Ergebnisse anhand der sogenannten „science-based targets“ vergleichen. Das bedeutet, dass wir analysieren, inwieweit diese Ergebnisse mit dem Ziel des Pariser Klimaabkommens in Einklang stehen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken.

 

Mehr zum Unternehmen: https://www.lifeverde.de/gruene-unternehmen/nachhaltige-banken-und-finanzen/triodos-bank-deutschland

 

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