Demand Response: Stabile Stromnetze dank flexibler Nachfrage
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Demand Response: Stabile Stromnetze dank flexibler Nachfrage

Dr. Sabine Erlinghagen, Director Global Services bei EnerNOC, einem führenden Anbieter von Energieintelligenz-Software spricht mit uns über die Herausforderungen eines effizienten Energie-Versorgungs-Systems.

Dr. Sabine Erlinghagen, Director Global Services bei EnerNOC, einem führenden Anbieter von Energieintelligenz-Software spricht mit uns über die Herausforderungen eines effizienten Energie-Versorgungs-Systems.

27.06.2016

UMWELTHAUPTSTADT.de: Frau Dr. Erlinghagen, was bedeutet die Zunahme der nachhaltigen Energieversorgung für das Stromnetz in Deutschland?

SABINE ERLINGHAGEN: Mit den wachsenden Anteilen von erneuerbaren und dezentralen Energiequellen entstehen erhebliche Herausforderungen für das heutige Energiesystem mit seinem zentralisierten und hierarchischen Ansatz. Die Energie wird von grossen Erzeugern an viele kleine Verbraucher verteilt und das Angebot folgt stets dem Verbrauch. So ist das System weder auf die fluktuierende Erzeugung aus Solar- und Windkraftanlagen, noch auf die direkte Einspeisung ins Verteilnetz ausreichend vorbereitet.

Wie kann die Stabilität des Stromnetzes gewährleistet werden?

Mit konventionellem Netzausbau kann man diesen Herausforderungen nur bedingt begegnen. Es braucht ein System, das ein Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Stromnachfrage herstellen kann. Der Schlüssel zu einem stabilen und effizienten Energiesystem ist demnach Flexibilität auf der Produktions- wie auf der Nachfrageseite. Diese Flexibilität erlaubt es, die schwankende Einspeisung auszugleichen, die z.B. durch Wind- oder Sonnenenergie entsteht.

Wie kann diese angesprochene Flexibilität geschaffen werden und was hat EnerNOC damit zu tun?

Die benötigte Flexibilität kann durch Demand Response bereitgestellt werden. Demand Response ermöglicht eine Reaktion der Nachfrageseite, also des Verbrauchs, auf Preissignale oder auf Veränderungen der Netzauslastung. Sind die Preise hoch bzw. herrscht Unterfrequenz, werden Verbraucher wie Wärmepumpen abgeschaltet, während im gegenteiligen Fall Lasten angeschaltet werden. EnerNOC als Demand Response Anbieter übernimmt dabei das Bündeln von Lasten und Erzeugern und schafft so die Möglichkeit, die gewonnene Flexibilität an Märkten anzubieten, etwa für Regelreserve.

Was sind die Vorteile von Demand Response für Ihre Kunden?

Die teilnehmenden Unternehmen werden für ihre Flexibilität im Energieverbrauch entlohnt. Wir unterstützen sie dabei, einen möglichst hohen finanziellen Vorteil aus ihrer Teilnahme zu ziehen. Das eröffnet ihnen die Möglichkeit, Stillstandzeiten zu nutzen und damit den Betrieb ganz ohne neue Investitionen effizienter gestalten zu können.

Die Unternehmen leisten mit ihrer Teilnahme ausserdem einen wesentlichen Beitrag zu einem stabilen Stromnetz in der Region, was der Gesellschaft zugutekommt. Die Nutzung vorhandener Ressourcen wie z.B. bestehender Stromverbraucher in der Industrie und dezentraler Kraftwerke ist wesentlich kosteneffektiver als der alternativ notwendige Zubau weiterer Spitzenlastkraftwerke und Stromtrassen. Da so auch umweltverschmutzende Gas- und Kohlekraftwerke eingespart werden können, ist die Nutzung von Demand Response ein ökologisches Aushängeschild für Unternehmen.  

Die Unternehmen, die Gesellschaft und die Umwelt profitieren, es ist eine Win-Win-Situation für alle.

Hat eine Reduzierung des Energieverbrauchs auf Abruf bei den Unternehmen negative Auswirkungen auf die Produktion?

Nein, jeder Teilnehmer kann selbst entscheiden, an welchen Tagen, Wochen oder Monaten er welche seiner Anlagen zur Verfügung stellen will und hat immer die volle Kontrolle darüber, was in seinem Betrieb geschieht. Er hat die Möglichkeit, Schaltanfragen von EnerNOC anzunehmen oder abzulehnen, der operative Betrieb wird demzufolge nie beeinträchtigt. EnerNOC stellt dabei jeweils sicher, dass im Falle einer Ablehnung ein Ersatz bereitsteht, die Industrie muss kein Ausfallrisiko tragen.

Wer kann bei Demand Response teilnehmen?

Jedes Unternehmen, das elektrische Lasten oder Generatoren mit einer flexiblen Leistung von mehr als 500 kW bereitstellen kann, ist in der Regel ein guter Kandidat. Ideal sind Prozesse mit Zwischen- oder Endspeichern, welche es vor oder nachgelagerten Anlagen ermöglichen, flexibel zu produzieren. Unsere Kunden kommen zum Beispiel aus der Metall- und Aluminiumindustrie, Zementproduktion, Industriegasherstellung, Papier- und Holzverarbeitung, Grundstoff- und Spezialchemie oder Nahrungsmittelherstellung.

Setzen Sie sich mit EnerNOC für eine fortschrittliche Energiepolitik ein?

Ja, wir sehen uns in der Verantwortung, uns mit unserem fachlichen Wissen in die Debatte zum Strommarkt 2.0 einzubringen. Darum beteiligten wir uns massgeblich an der Diskussion zum Strommarktgesetz und zu den im Weißbuch beschriebenen Maßnahmen. Dabei geht es uns insbesondere darum, dem Verbraucher und seiner Flexibilität Zugang zu den bestehenden Märkten zu eröffnen, und ihm die Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Dienstleistern zu ermöglichen. Auch auf Europäischer Ebene sind wir im engen Austausch mit den Entscheidungsträgern, um europaweit für eine weitere Öffnung der Märkte für nachfrageseitige Flexibilität zu werben.


KONTAKT

Anfragen bitte an:

EnerNOC Schweiz

Pascal Stöckli

pascal.stoeckli@enernoc.com



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