Grüne Wirtschaft

Deine nachhaltige Einkaufshilfe: Saisonkalender aus Graspapier

INTERVIEW | Du willst ohne große Mühen wissen, wann welches Gemüse und Obst bei uns wächst? Der nachhaltige Saisonkalender von Ackermann hilft dir dabei und bringt nebenbei schöne Motive an deine Wand.

INTERVIEW | Du willst ohne große Mühen wissen, wann welches Gemüse und Obst bei uns wächst? Der nachhaltige Saisonkalender von Ackermann hilft dir dabei und bringt nebenbei schöne Motive an deine Wand.

19.05.2021 | Ein Interview geführt von Deborah Iber | Bilder: Ackermann Verlag


Ohne das gewisse Know-how kann das Vorhaben, regional und saisonal einzukaufen, in der Umsetzung sehr lange dauern – denn es gilt erstmal herauszufinden, welche Gemüse- und Obstsorten gerade Saison haben. Schneller geht das Ganze mit einem Saisonkalender, der auf einen Blick zeigt, was gerade aktuell ist. Wie zum Beispiel der Saisonkalender vom Ackermann Kunstverlag. Dieser hilft dir nicht nur nachhaltig zu sein, er selbst ist es auch: Er besteht nämlich aus Graspapier und wird umweltfreundlich in Deutschland produziert.

Was ist eigentlich Graspapier und warum ist es umweltfreundlicher als konventionelles Papier? Und was macht den Ackermann Verlag noch so nachhaltig? Diese und weitere spannende Infos gibt´s im Interview mit Julia Redemann.

 

LifeVERDE: Den Ackermann Kunstverlag gibt es bereits seit über 400 Jahren. Wofür stand der Verlag damals und welche Mission verfolgt ihr heute?

JULIA REDEMANN: 1597 wurde der Ackermann Kunstverlag in München gegründet und ist damit einer der ältesten Verlage in Deutschland. Damals noch als Hof-Buch- und Kunsthandlung, hat sich der Verlag von Anfang an anspruchsvollen Themen und höchster Qualität verschrieben. Dies brachte ihm dann 1879 die Ernennung zum „Königlich Bayerischen Hoflieferanten“ durch Ludwig II. ein.

An diesem hohen Anspruch hat sich bis heute nichts geändert, wobei wir heutzutage neben der klassischen Kunst vor allem Landschafts- und Naturfotografie im Programm haben, neben ausgefalleneren Titeln zu Design und Zeitgeist. Dabei hat neben dem fotografischen und gestalterischen Niveau und der hohen Produktqualität auch der Nachhaltigkeitsaspekt eine immer zentralere Rolle eingenommen. Gerade mit Blick auf die Klimakrise geht unserer Meinung nach ein gewisser Qualitätsanspruch stets auch mit der Verantwortung einher, die Produkte so umweltneutral und nachhaltig wie möglich zu produzieren.
 

Neben Gestaltung und Qualität steht bei Ackermann wie du sagtest ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Umwelt an erster Stelle. Wie setzt ihr diese Verantwortung um?

Wir haben im Lauf der Jahre eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen, die jeweils einen Beitrag dazu geleistet haben, den ökologischen Fußabdruck unserer Kalender sukzessive zu reduzieren. Ganz konkret werden alle unsere Kalender bereits seit 2012 auf Papier aus FSC-zertifizierter Forstwirtschaft gedruckt. Schon 2013 haben wir zudem den gesamten Druckprozess auf klimaneutral umgestellt. Und seit jeher lassen wir unsere Kalender ausschließlich in Deutschland produzieren, was dabei hilft, unnötig weite Transportwege zu vermeiden.

Zudem haben wir mit unserem Partner natureOffice, über den wir auch die Klimakompensation für den Druck abwickeln, im letzten Jahr den „Ackermann-Wald“ ins Leben gerufen. Seit der Edition 2021 pflanzen wir im Rahmen der Initiative „Project Togo“ in Westafrika für jeden Baum, der für die Produktion unseres Kalenderpapiers benötigt wird, einen Baum nach. Dabei rechnen wir die Holzmenge in eine entsprechend größere Anzahl der kleineren heimischen Baumarten um. So entstehen jedes Jahr etwa 3,5 Hektar „Ackermann-Wald“, der mit jeder neuen Edition weiterwachsen wird. Weitere Infos und Updates dazu auf www.ackermann-wald.de.

Natürlich treibt uns auch die „Plastikfrage“ um, da wir bei unseren großformatigen Kalendern leider nicht auf eine schützende Verpackung verzichten können. Deshalb sind wir froh, seit diesem Jahr unsere Kalender in Folienbeutel aus 100% recycelten Industrieabfällen liefern zu können. Wie unsere bisherigen Folienbeutel (deren Restbestände wir natürlich erst aufbrauchen) bestehen diese aus einem Kunststoff, das gut recycelt werden kann und bei dem selbst im Fall der thermischen Verwertung nur Wasser und Kohlenstoff entstehen.

Und übrigens, falls sich jemand schonmal diese Frage gestellt haben sollte: Die bei einem Produkt mit „Verfallsdatum“ unvermeidlichen Restbestände spenden wir am Ende der Saison in größtmöglichem Umfang an gemeinnützige Organisationen, Krankenhäuser und Schulen. Auch unseren Buchhandels-Kunden bieten wir die Möglichkeit, unverkaufte Ware direkt in ihrer Region für gute Zwecke zu spenden und schreiben die Ware dann in vollem Umfang gut.
 

Zu eurem Sortiment zählt auch ein besonders nachhaltiger Saisonkalender aus Graspapier. Was macht Graspapier so nachhaltig?

Wir haben nach dem Erfolg unseres Saisonkalenders, der Illustrationen von heimischen Obst- und Gemüsesorten mit einem praktischen Saisonkalender als Einkaufshilfe verbindet, noch einen weiteren Kalender aus Graspapier entwickelt: den Wildwuchs-Kalender mit botanischen Illustrationen von Wildkräutern und -blumen.

Das revolutionäre Graspapier besteht zu 40% aus Gras. Die Nutzung von Gras als Frischfasermaterial sorgt für einen drastisch reduzierten Wasserbedarf (nur 2 Liter pro Tonne Heu, verglichen mit 6.000 Litern pro Tonne Holzzellstoff) und eine massive Energieersparnis von über 95%. Außerdem kann komplett auf Prozesschemikalien verzichtet werden. Der Rohstoff wird dabei aus einem mehrmals jährlich nachwachsenden Rohstoff gewonnen. Insgesamt wird so im Produktionsprozess eine CO²-Reduzierung von bis zu 75% erreicht.

Das ist eine beachtliche Menge! Wie funktioniert denn die Herstellung von Graspapier?

Das zu Heu getrocknete Gras wird zu kurzen Fasern gemahlen, die ungefähr der Faserlänge entsprechen, welche konventionelle Faserstoffe aufweisen, die bei der Papierproduktion benötigt werden. Der so entstandene Grundstoff kann dann im Produktionskreislauf der Papierfabrik bis zu einem Anteil von 50% anstelle von Frischfasern aus Holz oder Recyclingpapier eingesetzt wird.

Das Gras stammt übrigens überwiegend von sonst ungenutzten Ausgleichsflächen, die als Biotope erst sehr spät gemäht werden dürfen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Gras schon so hochgewachsen, dass es für Tierfutter nicht mehr verwendet werden kann. Das späte Mähen der kräuter- und blumenreichen Wildwiesen sorgt zudem für die Erhaltung der Biodiversität und schützt den Lebensraum unserer Bienen.
 

Weiter im Produktionsprozess eurer Saisonkalender: Wer designt diesen, wo und wie wird er hergestellt?

Für die Gestaltung unserer Kalender ist unser Art-Director Stephan Schlieker zuständig. Das Bildmaterial als solches beziehen wir von einer Bildagentur, mit der wir zusammenarbeiten. Bei der Motivauswahl ist entscheidend, dass aufgrund der etwas gröberen Struktur keine hochauflösenden Fotografien auf diesem Papier funktionieren. Außerdem sollte das Motiv natürlich zum Gesamteindruck und der Haptik des Papiers passen. Hierfür eignen sich die farbstarken Illustrationen des Saisonkalenders wie auch die rustikalen Pflanzenbilder des Wildwuchs-Kalender ganz hervorragend.

Das Graspapier kann grundsätzlich in jeder normalen Offset-Druckerei verarbeitet werden. Natürlich erfordert das außergewöhnliche Material ein gewisses Know-how sowie die ein oder andere Abweichung vom Standardprozess – deshalb sind wir froh, auf erfahrene Druckpartner zurückgreifen zu können, mit denen wir seit vielen Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten.
 

Kleiner Vorgeschmack: Welches Obst oder Gemüse hat im Mai seine Erntezeit?

Ganz wichtig hierzulande ist natürlich der Spargel zu erwähnen, aber auch der Kohlrabi sowie Mangold und Spinat werden nun reif. Wer Radieschen mag, sollte nun zugreifen und aus dem frischen Löwenzahn von Wiesen und aus Gärten können bereits tolle Salate und andere Köstlichkeiten gezaubert werden. Die Obstsaison wird so richtig erst im Juni eröffnet, aber der Rhabarber tröstet bis dahin ein wenig über das Warten hinweg.

Was sind eure künftigen Ziele für den Ackermann Verlag?

Wir wollen unseren Qualitätsanspruch auf jeden Fall halten und weiterhin eher der „kleine, aber besondere Verlag“ bleiben. Der Ackermann-Wald wird mit jeder Edition an Fläche dazu gewinnen und wir hoffen in diesem Zuge auch noch mehr für die Bevölkerung vor Ort sowie den nachhaltigen Naturschutz in Togo tun zu können.

Grundsätzlich werden wir in Bezug auf Umweltfragen weiterhin alle Entwicklungen im Auge behalten – und gute Ideen wenn möglich für unsere Produktion und unsere Kalender übernehmen!

 

Vielen herzlichen Dank für das Interview, liebe Julia!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an den Ackermann Verlag stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare. Wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

_________________________________

Auch interessant: Microgreens erobern als Superfood die Fensterbänke

Folge uns auf Instagram, um keine nachhaltige Alternative mehr zu verpassen: LifeVERDE



Kommentar erstellen

Name *
E-Mail *
URL
Kommentar *


Grüne Unternehmen