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"Crazy about Chocolate, Serious about People" - Schokolade geht auch fair

 

INTERVIEW | So glücklich ein Stück Schokolade den Konsumenten macht, so dunkel sieht es auf der anderen Seite der Produktionskette in der Kakaoindustrie aus. Wie gelingt es, dass beide Seiten durch die Schokolade profitieren?

 

INTERVIEW | So glücklich ein Stück Schokolade den Konsumenten macht, so dunkel sieht es auf der anderen Seite der Produktionskette in der Kakaoindustrie aus. Wie gelingt es, dass beide Seiten durch die Schokolade profitieren?

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14.09.2020 | Ein Interview geführt von Michelle Tempels

Immer noch arbeiten Millionen von Kinder in der Kakaoindustrie unter Bedingungen, die alles andere als legal und kindesgerecht sind. Besonders in Westafrika ist die Lage kritisch. Allein in Ghana und der Elfenbeinküste liegt die Zahl der arbeitenden Kinder bei über zwei Millionen. Das Paradoxe dabei: Die Hauptursache der Kinderarbeit ist Opfer der extremen Armut der Industrie vor Ort. Der Grund dafür liegt am viel zu niedrigen Kakaopreis, der ein existenzsicheres Einkommen nicht decken kann. Initiativen können so nicht greifen, da schlichtweg das Geld zur Implementierung fehlt. Die Lösung: 100% faire Schokolade mit der Mission, die komplette Schokoladenindustrie sklavenfrei zu machen. Genau diese Mission verfolgt das niederländische Schokoladenunternehmen "Tony´s Chocolonely". Erfahre hier im Interview mit Laura von Tony´s Chocolonely, wie du bei der Operation der schrill verpackten Schokolade helfen kannst.

 

LifeVERDE: Was ist die Mission von Tony’s Chocolonely?

Laura: Sklaverei ist immer noch Realität auf Kakaoplantagen in Westafrika – ein Resultat der ungerechten Kakaoindustrie. Tony’s Chocolonely existiert, um Schokolade 100 % sklavenfrei zu machen. Nicht nur unsere Schokolade, sondern jede Schokolade. Weltweit. Deshalb ist unsere Mission auch: „Gemeinsam machen wir Schokolade 100 % sklavenfrei“. Wir wollen mit gutem Beispiel voran gehen und zeigen, dass leckere Schokolade auch anderes hergestellt werden kann. Anders im Geschmack, Design, und vor allem in der Zusammenarbeit mit den Kakaobauern.

 

In der Schokoladenindustrie arbeiten immer noch über 2 Millionen Kinder. Woran meinst du, liegt das?

Der Grund ist vielsichtig. Die Kakaobohnen-Lieferkette ist wie eine Sanduhr geformt. An einem Ende gibt es Millionen von Bauern, die Kakaobohnen produzieren, in der Mitte gibt es einige wenige multinationale Unternehmen und am anderen Ende sind Milliarden von Konsumenten, die Schokolade genießen wollen. Die Mitte der Lieferkette, also die großen Schokoladenunternehmen haben die gesamte Macht. Sie erhalten den Preis, den sie den Kakaobauern zahlen, unmenschlich niedrig. Auf Grund dessen, leben viele Familien unterhalb der Armutsgrenze. Sie können dieser Armutsfalle aber nicht entkommen und Kinderarbeit und moderne Sklaverei ist das direkte Resultat.

 

Tony’s ist ein Impact-Unternehmen. Was genau bedeutet das?

Wir sehen uns nicht nur als Schokoladenunternehmen, sondern vor allem als ein Impact-Unternehmen, das Schokolade herstellt. Wir machen auf die Ungleichheit in der Schokoladenindustrie aufmerksam und wollen mit gutem Beispiel voran gehen, um andere Unternehmen zu inspirieren, das Gleiche zu tun. Denn jede Schokolade kann und sollte ohne illegale Kinderarbeit und moderne Sklaverei hergestellt werden. Diese Vision liegt allem zugrunde, was Tony’s tut. Wir legen unsere Arbeitsweisen (die 5 Sourcing Prinzipien) komplett offen und laden andere Unternehmen dazu ein, Teil der Tony’s Open Chain zu  werden.

 

Was verbirgt sich hinter Tony’s Chocolonely’s „Rezept aus 5 Zutaten“?

Unser Rezept für sklavenfrei produzierten Kakao basiert auf unseren 5 Sourcing Prinzipien. Wir sind der Meinung, dass alle Schokoladenunternehmen diese Prinzipien in ihrer Lieferkette anwenden sollten, um Sklaverei und Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen in Westafrika zu beenden. Und – das ist sehr wichtig – das Rezept funktioniert nur, wenn man alle Prinzipien zusammen anwendet.

Erste Zutat: rückverfolgbare Bohnen. Tony’s Kakaobohnen sind zu 100 % rückverfolgbar. Das bedeutet, wir beziehen sie direkt von unseren acht Partnerkooperativen in Ghana und der Elfenbeinküste. Deshalb können wir garantieren, dass die Bohnen in unseren Tafeln von einer unserer Partnergenossenschaften stammen. Zweite Zutat: ein höherer Kakaopreis. Wir zahlen eine zusätzliche Prämie für unseren Kakao, und zwar zusätzlich zur Fairtrade Prämie. Dritte Zutat: starke Bauern. Wir investieren in die Partnergenossenschaften und supporten sie, sich stärker zu machen. Vierte Zutat: langfristige Zusammenarbeit. Wir bauen auf langjährige und direkte Partnerschaften. Aus diesem Grund arbeiten wir mindestens 5 Jahre lang mit Kakaobauern zusammen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, langfristig in ihre Kakaoplantagen zu investieren. Fünfte und letzte Zutat: verbesserte Qualität und Produktivität. Wir arbeiten eng mit den Kakaobauern zusammen, um ihr landwirtschaftliches Fachwissen zu verbessern und ihre Erträge zu steigern.

 

Inwiefern profitieren die Kakao-Herkunftsländer von der Zusammenarbeit mit Tony’s?

Durch unsere 5 Sourcing Prinzipien können wir gemeinsam eine systematische Veränderung in der Kakaolieferkette erreichen, die positive Auswirkungen auf viele Bereiche hat. Dank Tony’s Beantracker sind unsere Kakaobohnen rückverfolgbar und wir können direkt mit den Kakaobauern vor Ort kooperieren und sie angemessen bezahlen. Das Bezahlen eines höheren Preises hilft den Kakaobauern, zu einem existenzsichernden Einkommen beizutragen. Außerdem können wir durch unsere direkten und gleichwertigen Geschäftsbeziehungen, die ungerechte Balance aus der Lieferkette nehmen. Durch unsere langjährigen Beziehungen sehen wir, dass den Bauern die Folgen von Kinderarbeit stärker bewusst werden. Mittlerweile gibt es mehrere Projekte, die sich mit Themen wie Kinderarbeit und Bauernrechten befassen – zum Beispiel das „Child Labor Monitoring and Remediation System“ (CLMRS), das die Genossenschaften zur Kinderarbeit befragt und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bauern beiträgt.

Diese und weitere Projekte können auch in unserem jährlichen FAIR-Bericht nachgelesen werden .

 

Wofür steht das „lonely“ in Tony´s Choco”lonely”?

Unser Unternehmen wurde von Teun van de Keuken gegründet, einem niederländischen Journalisten, der in der Verbraucherschau „Keuringsdienst van Waarde“ die Missstände in der Schokoladenindustrie recherchierte. Teun war schockiert, als er entdeckte, dass es in der Kakaoindustrie immer noch Formen von moderner Sklaverei gibt. Er versuchte, das Problem mit verschiedenen Schokoladenherstellern zu diskutieren, aber sie ignorierten ihn. Also entschied er sich, seine eigene, sklavenfreie Schokolade herzustellen und mit einem guten Beispiel voranzugehen. Tony's Chocolonely war geboren.

Und weil sich Teun (Spitzname „Tony“) bei seinem Vorhaben sehr alleine fühlte, nannte er seine Schokolade „Chocolonely“ (lonely = allein).

 

Auch die Schokoladentafel an sich ist anders als eine gewöhnliche „Schachbrettmuster-Tafel“. Steckt da eine Message hinter?

Ja, die ungleichen Schokoladenstückchen sind nicht zufällig so. Für uns macht es keinen Sinn, Schokoladentafeln in gleich große Stücke zu teilen, wenn es doch so viel Ungleichheit in der Schokoladenindustrie gibt. Mit den ungleich großen Stücke unserer Schokoladentafeln wollen wir unsere Schokofreunde daran erinnern, dass die Gewinne in der Schokoladenindustrie ungerecht aufgeteilt sind.  

Und falls es noch nicht aufgefallen ist: der untere Teil unserer Tafel stellt den Äquator dar. Die Stücke darüber zeigen den Golf von Guinea. Dann sieht man von links nach rechts die Elfenbeinküste, Ghana, Togo und Benin (wir mussten sie so kombinieren, um genug Platz für eine Haselnuss zu schaffen.

 

 

Lust auf noch mehr Schokolade bekommen? Lies auch: Für jede Schokoschnute: Naschen geht auch nachhaltig!


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Bilder: Tony´s Chocolonely, unsplash



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