Grüne Wirtschaft

BLOCKHÜTTE: Von der Garage zur langlebigen Edelstahl-Brotdose

BLOCKHÜTTE will Plastik aus unserem Alltag verbannen. Im Interview erzählen die Gründer, wie aus Fastfood-Frust eine Edelstahl-Mission wurde.

BLOCKHÜTTE will Plastik aus unserem Alltag verbannen. Im Interview erzählen die Gründer, wie aus Fastfood-Frust eine Edelstahl-Mission wurde.

31.08.2026, Interview - Bild: BLOCKHÜTTE

Was haben Fastfood, eine dreistellige Zahl auf der Waage und ein undichter Brotdosendeckel miteinander zu tun? Im Fall von BLOCKHÜTTE ziemlich viel. Die Kindergartenfreunde NILS und MALTE wollten ihr Essen unterwegs häufiger selbst mitnehmen – fanden aber keine Brotdose, die ihren Vorstellungen von Langlebigkeit, Design und möglichst wenig Plastik entsprach. Also begannen sie, selbst zu tüfteln. Aus zahlreichen Prototypen in der Garage von NILS Eltern entstand schließlich eine Edelstahl-Brotdose – und 2019 BLOCKHÜTTE. Heute entwickelt das Hamburger Unternehmen neben Brotdosen auch Trinkflaschen, Thermobehälter und Thermobecher aus Edelstahl. Ein wichtiger Teil der Idee: Produkte sollen möglichst lange bleiben. Deshalb lassen sich einzelne Teile wie Deckel, Dichtungen oder Verschlüsse nachkaufen, statt das gesamte Produkt ersetzen zu müssen. Im Interview erzählen die Gründer, warum Fehlversuche für sie zum Gründen dazugehören, weshalb sie bewusst ohne Investoren wachsen und was eine verbeulte Brotdose mit ihrer Vorstellung von Nachhaltigkeit zu tun hat.


Bild: BLOCKHÜTTE

LifeVERDE: Zwei Kindergartenfreunde, eine Garage in Paderborn und eine Brotdose, die niemand kaufen wollte, weil es sie schlicht nicht gab. So fängt die Geschichte von Blockhütte an. Wie würdet ihr das Unternehmen heute jemandem erklären, der noch nie davon gehört hat?

Gründer von BLOCKHÜTTE NILS und MALTE: Hast du gewusst, dass Forscher 2025 rund sieben Gramm Mikroplastik in menschlichem Gehirngewebe gefunden haben? Das ist das Gewicht eines Plastiklöffels. Nachzulesen im Fachmagazin Nature Medicine. Genau hier setzen wir an. BLOCKHÜTTE ist die spielend leichte Antwort auf dieses Problem. Und die Antwort heißt Edelstahl.

Unsere Mission ist es, Menschen dabei zu unterstützen, diese Plastikrückstände drastisch zu reduzieren. Der Weg dorthin: Wir helfen so vielen Menschen wie möglich, den alltäglichen Plastikkonsum Schritt für Schritt aus ihrem Leben zu verbannen. Und das Geniale daran: Was dem eigenen Körper guttut, hilft gleichzeitig der Umwelt.

Wie wir das schaffen? Mit extrem langlebigen Alternativen aus rostfreiem Edelstahl 304, die den Plastik-Ersatz zu einem echten Upgrade für den Alltag machen. Unser Sortiment umfasst:

  • Edelstahl-Brotdosen mit Trennwänden, auslaufsicher und spülmaschinenfest
  • isolierte Edelstahl-Trinkflaschen, 25 Stunden eiskalt und 13 Stunden heiß
  • Thermobehälter und Thermo-Lunchboxen für warmes Essen ohne Mikrowelle
  • Thermobecher für Kaffee und Tee, 8 Stunden heiß

Alles aus Edelstahl. Alles gravierbar. Und jedes Verschleißteil einzeln nachkaufbar.

NILS war beruflich quer durch die Welt unterwegs, Malte quer durch die Republik, und am Ende beider Reisen stand offenbar dasselbe Gericht: Fastfood. Wann genau war der Punkt erreicht, an dem klar war, so geht es nicht weiter?

Ehrlich gesagt war das kein plötzlicher Geistesblitz, sondern ein schleichender Prozess. Bis das Maß irgendwann voll war. Der Wendepunkt kam mit einem harten Weckruf: Die Waage zeigte plötzlich eine dreistellige Zahl. Wir hatten keine Ausdauer mehr und fühlten uns nur noch müde und ausgelaugt. Da war für uns beide klar: Jetzt ziehen wir die Reißleine.

Das Kernproblem war unsere Ernährung. Wenn man beruflich so viel unterwegs ist wie NILS und ich, greift man aus Zeitmangel ständig zum schnellen Fastfood. Um den Teufelskreis zu durchbrechen, gab es nur eine Lösung: Wir mussten unser eigenes Essen von zu Hause mitnehmen. Nur gab es damals nichts, das langlebig, plastikfrei und gut aussehend zugleich war. Alles war aus Plastik oder fiel nach einem halben Jahr auseinander. Also haben wir es selbst gebaut. Und genau daraus entstand die Edelstahl-Brotdose, wie man sie heute von BLOCKHÜTTE kennt.


Bild: BLOCKHÜTTE

Bis der Deckel eurer ersten Dose richtig saß, habt ihr zwanzig Muster gebaut. Wie sah so ein typischer Abend in der Garage von NILS' Eltern aus, wenn wieder eine Version nicht funktioniert hat?

NILS und ich sind bei der Produktentwicklung extrem datenbasiert und absolute Perfektionisten. Wenn ein Deckel in der Garage also mal wieder nicht richtig saß, gab es bei uns keine miese Stimmung. Im Gegenteil. Unser Mindset an diesen Abenden war immer: Hat nicht funktioniert? Gut!

Für uns war jeder Fehlversuch ein Gewinn. Das hieß nämlich, dass wir wieder etwas gelernt oder die Ursache für ein Problem gefunden hatten. Und beim Deckel steckt die ganze Wahrheit im Detail: Sitzt die Dichtung nicht perfekt, ist die Brotdose nicht auslaufsicher. Und dann kannst du sie nicht in den Rucksack legen. Je mehr Deckel scheiterten, desto durchdachter wurde am Ende unsere Edelstahl-Brotdose. Genau deshalb waren diese Abende in der Garage eigentlich super. Wir wussten: Jeder Rückschlag bringt uns näher ans Ziel. Wir haben so lange getüftelt, bis sie wirklich dicht war.

2019 ging es los, 2022 seid ihr nach Hamburg gezogen, wie ihr selbst sagt, als zwei Dorfkinder in der Großstadt. Was hat sich zwischen diesen beiden Jahren am meisten verändert, außer der Postleitzahl?

Eigentlich hat sich alles verändert. Wir sind komplett aus unserer Komfortzone raus. Wir kannten niemanden und hatten plötzlich ganz andere finanzielle Risiken. In Paderborn haben wir beide noch zu Hause gewohnt. In Hamburg hieß es dann: eigene Wohnung, höhere Lebenshaltungskosten. Heute sitzt die BLOCKHÜTTE GmbH in Hamburg. Hier entwickeln wir unsere Produkte, graviert wird per Laser in Bremen. Und nein, wir bauen keine Holzhäuser. Die Frage kommt öfter, als man denkt. Der Name kommt von der Hütte als Ort: Schutz, Wärme, selbst gebaut.

Aber genau diese Großstadt hat uns auch gezeigt, was alles möglich ist. Man trifft ständig Menschen, die völlig anders denken. Das hat uns unfassbar viele frische Impulse gegeben und das Geschäft nach vorne gebracht.


Bild: BLOCKHÜTTE

Ihr betont, dass hinter Blockhütte keine Investoren und kein Konzern stehen. Was bedeutet das für Tempo und Spielraum, wenn ihr wachsen wollt, aber jede Entscheidung allein finanzieren müsst?

Ja, das stimmt zu 100 %. Wir haben von Anfang an alles aus eigener Kraft finanziert und sind stolz darauf, dass wir bis heute jede Entscheidung selbst treffen. Wir müssen niemanden um Erlaubnis fragen, und das gibt uns enormes Tempo. Klar, Kapital ist immer ein Thema, egal ob man Investoren an Bord hat oder alles selbst finanziert. Man sagt ja nicht umsonst: Wachstum frisst Geld. Das ist eine Grundregel im Geschäft.

Wir haben unser Wachstum aber immer aus der eigenen Profitabilität gestemmt und das mit Bankkrediten kombiniert. Das geht nur, weil die Produkte halten, was sie versprechen: über 4.700 Shop-Bewertungen mit 4,8 Sternen, und Kunden, die nach Jahren wiederkommen. Für die zweite Größe, für ein Geschenk, für das Kind.

Deckel, Dichtungen, Trenner, Bügel, sogar der Flaschenkörper – bei euch bekommt man jedes Teil einzeln nachbestellt. Warum war es euch wichtiger, eine alte Dose zu retten, als eine neue zu verkaufen?

Absolut, da hast du recht. Rein wirtschaftlich wäre es lukrativer, immer wieder neue Produkte an Bestandskunden zu verkaufen. Aber das passt nicht zu unserer Mission. Wir wollen verhindern, dass noch mehr Plastik in deinen Körper oder in die Umwelt gelangt. Unsere Kunden, oder besser gesagt unsere Fans, sollen ihre BLOCKHÜTTE-Produkte so lange nutzen wie irgend möglich. Ein Deckel geht mal verloren? Passiert. Bei uns kaufst du dann keinen Grund für eine neue Dose. Du kaufst einen neuen Deckel. Jede Dichtung, jeder Verschluss steht einzeln im Shop.

Dazu geben wir drei Jahre Garantie und 60 Tage zum risikofreien Testen. Und die DEKRA prüft jedes Jahr, dass unser Edelstahl lebensmittelecht und bleifrei ist. Das Zertifikat ist öffentlich einsehbar. Wer über Schadstoffe redet, sollte das belegen können. Genau deshalb gravieren wir auch. Niemand graviert Wegwerfware. Wenn der Name deines Kindes auf der Brotdose steht, ist sie nicht mehr ersetzbar. Sie gehört jemandem.

Unser Ziel ist, dass du deine Edelstahl-Brotdose, deine Edelstahl-Trinkflasche und deinen Thermobehälter im besten Fall an deine Enkel vererbst. Nur durch maximale Lebensdauer sparen wir maximal viel Plastik. Und genau das hat den längsten Effekt: für deinen Körper und für den Planeten.


Bild: BLOCKHÜTTE

NILS kümmert sich um Zahlen und Warenplanung, MALTE um Produkt und Design. Wie habt ihr diese Aufteilung gefunden, und was passiert, wenn ihr beide anderer Meinung seid?

Das hat sich am Anfang komplett organisch ergeben. Ich bin eher der kreative Typ, NILS ist der absolute Zahlenmensch. Er liebt es, sich in Algorithmen und mittlerweile sogar ins Programmieren reinzufuchsen. Da ich schon Erfahrung mit Produzenten und Vertrieb mitgebracht habe, war die Aufteilung wie füreinander gemacht.

Dabei ist es bis heute geblieben. Ich übernehme Produktentwicklung, Einkauf, Qualität und Vertrieb, also alles, was am Ende in Edelstahl aus der Fertigung kommt. NILS hält uns im Online-Handel und bei den Zahlen den Rücken frei und baut unsere Technik.

NILS benutzt eigenen Angaben zufolge noch immer seine allererste Dose, mit Dellen und neuer Dichtung. Wenn ihr in zehn Jahren auf BLOCKHÜTTE zurückblickt, worauf hofft ihr dann stolz zu sein?

Ja, das stimmt. Diese Dose ist mittlerweile so etwas wie sein Maskottchen.

Und in der Zukunft? Da hoffen wir, auf sehr vieles stolz sein zu können. Wirtschaftlich wollen wir bis dahin die 100-Millionen-Umsatz-Marke geknackt haben. Um das zu erreichen, gehen wir massiv in den stationären Einzelhandel. Wir wollen bei den führenden Händlern fest im Regal stehen. Dazu eigene Flagship-Stores in allen Ländern, in denen wir heute online verkaufen. Bisher findet man uns vor allem auf blockhuette.net.

Ein großes Ziel für die nächsten Jahre ist außerdem der südostasiatische Markt. Dort ist der Plastikkonsum noch unfassbar hoch. Die Menschen essen im Alltag quasi durchgehend von oder mit Plastik: aus Plastikschüsseln, mit Plastikgabeln, mit Plastikstrohhalmen. Genau dort können wir mit Edelstahl einen gigantischen Unterschied machen. Ein einziger Thermobecher ersetzt über 450 To-go-Becher in drei Jahren. Rechne das mal auf eine Region mit 600 Millionen Menschen hoch. Genau dort sehen wir BLOCKHÜTTE in Zukunft.


Bild: BLOCKHÜTTE

Fazit: Eine Dose fürs Leben statt für die Saison

BLOCKHÜTTE zeigt, dass weniger Plastik im Alltag nicht automatisch Verzicht bedeuten muss. Besonders spannend ist dabei der konsequente Blick auf die Lebensdauer: Ersatzteile, robuste Materialien und reparierbare beziehungsweise ergänzbare Produkte sollen dafür sorgen, dass eine Brotdose eben nicht nach kurzer Zeit ersetzt werden muss. Was mit einer selbst entwickelten Dose in Paderborn begann, ist inzwischen zu einer deutlich größeren Mission geworden. NILS und MALTE wollen BLOCKHÜTTE international ausbauen – ohne dabei die Idee aus den Augen zu verlieren, mit der alles angefangen hat: Alltagsprodukte zu schaffen, die möglichst lange bleiben dürfen.

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