Torfabbau zerstört wertvolle Moore – und damit einen der wichtigsten CO₂-Speicher unseres Planeten. Das junge Unternehmen bionero hat sich deshalb von Anfang an einer klaren Mission verschrieben: Erde herzustellen, die nicht nur Pflanzen stärkt, sondern aktiv zum Klimaschutz beiträgt. Im Interview erklärt das bionero-Team, warum torffreie Bio-Erde längst keine Nische mehr ist, wie das Terra-Preta-Prinzip funktioniert und weshalb nachhaltiges Gärtnern nicht Verzicht bedeutet, sondern Zukunft.

Bild: bionero
LifeVERDE: Warum habt ihr euch entschieden, eine komplett torffreie Bio‑Blumenerde zu entwickeln — und was war der Auslöser für bionero, diesen Weg einzuschlagen?
bionero: Ganz ehrlich: Wir haben uns nie gefragt, ob wir torffrei arbeiten wollen – sondern nur, wie wir's richtig machen. Torfabbau zerstört seit Jahrzehnten Moore, und damit genau das, was eigentlich unser wichtigster CO₂-Speicher ist. Da war für uns klar: Wenn wir Erde verkaufen, dann bitte so, dass sie dem Klima nicht schadet, sondern hilft.
Mit bionero wollen wir zeigen, dass nachhaltiges Gärtnern nicht Verzicht heißt – sondern Zukunft. Und, dass gute Erde heute anders gemacht wird: mit Pflanzenkohle, regionalen Rohstoffen und viel Leidenschaft für gesunde Böden. Lustigerweise wurde der Grundstein für bionero auf dem Reiterhof meiner Mutter gelegt. Dort hatten wir das Problem, dass zu viel Mist angefallen ist und wir nach Möglichkeiten gesucht haben, wie man solche biogenen Reststoffe sinnvoll „entsorgen kann". Dadurch sind wir auf die Themen Pyrolyse, Pflanzenkohle und Terra Preta aufmerksam geworden. Wir sagen immer ganz salopp: „Und dann kam eins zum andern" – heute ist bionero Marktentwickler und -führer in der kleinen, aber feinen Terra Preta Nische und war das erste Unternehmen Deutschlands, dass zertifiziert klimapositiv arbeitet.
Eure Erde basiert auf dem sogenannten „Terra‑Preta‑Prinzip" und kommt ohne Torf aus. Könnt ihr uns erläutern, welche nachhaltigen Rohstoffe ihr stattdessen verwendet und wie diese verarbeitet werden?
Unsere Erden basieren auf dem Terra-Preta-Prinzip – also auf einer jahrhundertealten Idee, die wir mit moderner Technik neu gedacht haben. Wesentlicher Wirk- und Inhaltsstoff ist sog. „Pflanzenkohle"
Früher haben wir dafür Pferdemist pyrolysiert – ein unglaublich starker Rohstoff, weil daraus eine besonders hochwertige Pflanzenkohle entsteht. Leider dürfen wir ihn heute wegen der Düngemittelverordnung nicht mehr einsetzen.
Aber: Wir haben großartige Alternativen gefunden. Heute stammt unsere Pflanzenkohle aus Holzresten umliegender Forst- und Landwirtschaftsbetriebe – also aus Material, das sonst ungenutzt bliebe.
In der Pflanzenkohle siedeln sich dank unseres speziellen Veredelungsverfahrens Milliarden von Mikroorganismen an – sie sind das eigentliche Wunder dieser Erde. Durch ihre Stoffwechselprozesse entstehen immer wieder neue Pflanzennährstoffe, die das Substrat dauerhaft fruchtbar halten. So sparen sich unsere Kundinnen und Kunden Dünger und müssen das Substrat viel seltener austauschen.
Zur Pflanzenkohle kommen dann je nach Anwendungsbereich noch weitere Rohstoffe wie Grünschnittkompost, Holzfasern, Gesteinsmehl, usw.
Grundsätzlich setzen wir bei der Rohstoffauswahl auf Regionalität, Wirkung und Nachhaltigkeit. Neben Torf verzichten wir bewusst auch auf Kokosfasern, Mineraldünger und alle anderen CO₂-intensiven Materialien. Denn wir sind überzeugt: Gute Erde muss aus regionalen Roh- und Reststoffen entstehen – und der Natur mehr zurückgeben, als sie nimmt.

Bild: bionero
Welche konkreten Umweltvorteile seht ihr in eurer torffreien Bio‑Erde — etwa im Hinblick auf Moor‑ und Torfabbau, CO₂‑Bindung oder regionalen Materialeinsatz?
Der größte Unterschied liegt darin, dass wir mit unserer Erde nicht nur Pflanzen stärken, sondern aktiv etwas fürs Klima tun.
Torfabbau zerstört Moore – und damit eine der wichtigsten CO₂-Senken unseres Planeten. Wir verzichten konsequent auf Torf und setzen stattdessen auf regionale Rohstoffe und unsere eigene Pflanzenkohle.
Diese Pflanzenkohle ist im Grunde ein dauerhafter Kohlenstoffspeicher. Ihr Herstellungsprozess die „Pyrolyse" entfernt aktiv CO₂ aus der Atmosphäre – das heißt: jeder verkaufte Sack Erde speichert aktiv Kohlenstoff statt ihn freizusetzen.
Dazu kommt: Durch die regionale Rohstoffbeschaffung und kurze Transportwege reduzieren wir unseren ökologischen Fußabdruck zusätzlich.
Unterm Strich verbessern wir mit jeder Tonne bionero-Erde nicht nur die Bodenqualität, sondern auch die Klimabilanz. Genau das verstehen wir unter moderner Nachhaltigkeit – nicht reden, sondern Wirkung zeigen.
Oft wird gefragt: Leistet torffreie Erde genauso gute Arbeit wie klassische Erde mit Torf? Welche Qualitätsmerkmale (z. Wasserspeicherung, Nährstoffversorgung, Pflanzenwachstum) kann eure Erde vorweisen?
Unsere Erden stehen Torferden in nichts nach – im Gegenteil.
Dank aktivierter Pflanzenkohle und lebendiger Mikrobiologie speichern sie mehr Wasser, halten Nährstoffe länger und fördern ein gesundes Wurzelwachstum.
Die Wirkung ist wissenschaftlich belegt: In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Bruno Glaser und durch begleitete Pflanzversuche konnten wir zeigen, dass Pflanzen in bionero-Erde messbar stärker und widerstandsfähiger wachsen.
Wie sprecht ihr Garten‑, Balkon‑ oder Hochbeet‑Nutzer*innen am besten an, wenn es um das Thema „umweltfreundliche Erde" geht? Welche Rückmeldungen bekommt ihr bisher?
Wir sprechen mit Leichtigkeit über Nachhaltigkeit.
Statt mit erhobenem Zeigefinger zu erklären, zeigen wir mit Humor und Haltung, dass bewussteres Gärtnern Spaß machen kann.
Unsere Kundinnen und Kunden lieben genau das – sie fühlen sich verstanden, inspiriert und sagen oft: „Endlich jemand, der das Thema Boden lebendig macht"

Bild: bionero
Was sind eure nächsten Schritte mit Blick auf Produktentwicklung und Nachhaltigkeit? Gibt es neue Materialien, Verpackungskonzepte oder Kooperationen, die ihr plant?
Bei bionero geht's immer darum, das große Ganze im Blick zu behalten: gesunde Pflanzen, gesunde Böden und ein gesunder Planet.
Unsere nächsten Schritte drehen sich genau darum. Wir arbeiten an neuen Rezepturen, die noch stärker auf natürliche Kreisläufe setzen und unsere eigene Produktionstiefe ausbauen – also Rohstoffe, die aus der Region stammen und im besten Fall sogar Abfallströme in wertvolle Produkte verwandeln.
Ein großes Thema ist aktuell die Weiterentwicklung unserer Pflanzenkohletechnologie und - Produktion, um noch mehr CO₂ dauerhaft im Boden zu binden. Bionero errichtet aktuell die ersten weiteren Standorte zur dezentralen Pflanzenkohleproduktion. Wir setzen unser Wissen über Pyrolyse und Pflanzenkohle dort ein, wo biogene Reststoffe anfallen und sinnvoll weiterverwendet werden sollen.
Unser Sortiment werden wir sicher nicht künstlich aufblähen. Wir decken schon einen sehr großen Teil aller gärtnerischen Ansprüche ab. Hier und da wird sicher noch ein tolles Produkt entstehen, allerdings wollen wir die Dinge auch simpel halten und unsere Kundinnen und Kunden nicht verwirren.
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