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Biologisch dynamische Landwirtschaft: Wie man der Natur mehr zurückgibt, als man ihr nimmt

Weg von herkömmlicher Landwirtschaft. Wir erklären dir wie biologisch dynamische Landwirtschaft sorgsam mit natürlichen Ressourcen umgeht und die Landschaft bewusst und nachhaltig gestaltet.

Biologisch dynamische Landwirtschaft
Designelement

Weg von herkömmlicher Landwirtschaft. Wir erklären dir wie biologisch dynamische Landwirtschaft sorgsam mit natürlichen Ressourcen umgeht und die Landschaft bewusst und nachhaltig gestaltet.

12.06.2020 | Ein Beitrag von Vera Kluck | Symbolbild: Unsplash

Die industrielle Landwirtschaft erzeugt zwar reichlich billige Nahrung, verbraucht und verschmutzt jedoch auch große Mengen an Wasser, ist von fossilen Brennstoffen abhängig, zerstört Böden und bringt deren natürlichen Kreislauf durcheinander – nachhaltig ist anders. Klar, dem gegenüber gibt es die ökologische Landwirtschaft, die zwar um einiges umweltschonender, aber auch nicht perfekt ist. Damit die Klimaziele der Politik erreicht werden können, muss sich etwas ändern. Hast du in diesem Zug schon einmal von biodynamischer Landwirtschaft gehört? Im Idealfall handelt es sich hierbei um eine Kreislaufwirtschaft. Es werden so viele Tiere gehalten, wie ein Bauer mit seinem Land ernähren kann. Der Dung der Tiere sorgt wiederum für Bodenfruchtbarkeit.


Wie funktioniert biodynamische Landwirtschaft?

Bei der biodynamischen Landwirtschaft wird der Hof als einzigartiger Organismus angesehen, in dem jedes Organ das andere braucht. Mensch, Pflanze, Tier und Boden wirken zusammen. Ziel ist es die besten Lebensmittel für den Menschen zu erzeugen und einen fruchtbaren Boden zu erhalten. Die natürlichen Prozesse werden durch den Erzeuger mithilfe von biodynamischen Präparaten geordnet. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf den lokalen Nährstoffkreislauf gelegt. Das bedeutet, dass zum Beispiel eine gemischte Landwirtschaft betrieben wird, naturbelassene Areale innerhalb des genutzten Gebietes gefördert werden, oder dass die charakteristischen Eigenschaften von Pflanzen, Tieren und Menschen geachtet werden. Die Natur ist hier ein wichtiger Teil der Landwirtschaft und die erzeugten Produkte haben einen sehr starken regionalen Bezug.

 

Biologisch dynamische Präparate

Wer sich als biodynamischer Landwirt*in zertifizieren möchte, ist zur Anwendung von biodynamischen Präparaten verpflichtet. Sie gelten als Heilmittel und Homöopathie für die Erde und sollen sowohl das Wachstum und die Qualität der Pflanzen als auch die Tiergesundheit fördern. Es werden pflanzliche, mineralische und tierische Substanzen kombiniert und in veränderter Form in geringen Mengen und in einem bestimmten Rhythmus der Natur wieder zugeführt. Man kann zwischen zwei verschiedenen Präparaten unterscheiden.

  1. Kompostpräparate: Bestehen aus Heilpflanzen wie Schafgabe, Kamille, Brennnessel oder Baldrian und werden natürlichen Düngern wie Mist, Pflanzenkompost und Gülle hinzugegeben.
  2. Spritzpräparate: Diese werden rhythmisch im Wasser verrührt und anschließend auf den Feldern verspritzt


Woher kommt die Idee der biodynamischen Landwirtschaft?

Die biodynamische Landwirtschaft entstand in den 1920er Jahren und basiert auf den Ideen des österreichischen Philosophen Rudolf Steiner. Dieser sorgte sich aufgrund der wachsenden industriellen Landwirtschaft und dem steigenden Einsatz von Stickstoff Dünger. Seine eher theoretischen Ideen wurden dann von mehreren Menschen praktisch umgesetzt, unter anderem von Ehrenfried Pfeiffer. Er wurde in den Niederlanden Geschäftsführer einer der ersten biodynamischen Betriebe der Welt. Sein Buch „Bio-dynamic Farming and Gardening“, welches er 1938 veröffentlichte, dient noch heute als Informationsquelle für Landwirte. Seitdem wird biodynamische Landwirtschaft immer gefragter. Aufgrund des steigenden Bewusstseins für Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Tierwohl stellen die Konsumenten immer höhere Ansprüche an die Qualität und die Herstellung von Lebensmitteln. Mittlerweile gibt es eine große Produktpalette von Obst und Gemüse über Molkereiprodukte bis hin zu Teigwaren, Brotaufstrichen, Wein und vieles mehr. Und das nicht nur in Bio-Läden, sondern auch in herkömmlichen Supermärkten wie Edeka oder Kaufland.


Das Demeter Siegel

Wer sich mit biodynamischer Landwirtschaft beschäftigt, stößt schnell auf den Namen Demeter. Der Demeter e.V. ist Deutschlands ältester Bioverband und kennzeichnet seither durch sein Label biodynamische Landwirte*innen oder Lebensmittel. Träger des Labels entsprechen gleichzeitig den Standards der ökologischen Landwirtschaft, also auch dem EU-Bio-Siegel, gehen jedoch noch über die EU-Öko-Verordnung hinaus. In Deutschland gibt es aktuell 93.000 Hektar Land und 1.695 Höfe die biodynamisch betrieben werden (Stand 2020). Seit 1997 ist Demeter weltweit vertreten.

 

Wie ernähre ich mich biodynamisch?

Wie bereits erwähnt, gibt es biodynamische Produkte sowohl in Bio-Märkten als auch in ausgewählten herkömmlichen Supermärkten. Am einfachsten ist es hier auf das Demeter Siegel zu achten. Natürlich gibt es auch noch andere biodynamische Landwirtschaftsbetriebe, jedoch ist Demeter am verbreitetsten. In der folgenden Liste findest du eine Auswahl an Marken, die Demeter zertifizierte Produkte anbieten:

  • Alnatura
  • Campo-verde
  • Voelkel
  • Spielberger Mühle
  • Bauck Hof
  • Schrozberger Milchbauern
  • Naturata
  • Sommer
  • Erdmann-Hauser
  • Holle


Wer jetzt nicht gleich seinen ganzen Einkauf auf biodynamische Produkte umstellen möchte, kann mit den Bereichen anfangen, bei denen die Qualitätsunterschiede am deutlichsten herausstechen. Obst und Gemüse werden möglichst reif geerntet und haben im besten Fall kurze Transportwege hinter sich. Das wirkt sich sowohl auf den Geschmack als auch auf den Nährstoffgehalt und die Umweltfreundlichkeit aus. Auch Demeter Weine gelten als besonders qualitativ hochwertig. Durch die Vermeidung von Monokulturen und den Verzicht von chemischen Pflanzenschutzmitteln entsteht ein „lebendiger“ Boden, der den Wein authentisch macht und ihm einen eignen Charakter gibt. Tierische Produkte weisen ebenfalls große Qualitätsunterschiede auf. Molkereiprodukte werden schonend verarbeitet, es werden auf künstliche Zusatzstoffe verzichtet und die Tiere werden artgerecht gehalten. Jedes Tier wird als Individuum gesehen, genießt freien Auslauf mit wesensgemäßen Beschäftigungen und auf die Fütterung von Antibiotika wird gänzlich verzichtet. Daher sollte man auch vor allem bei Fleisch- und Wurstwaren auf ihre Biodynamik achten.

 

Bio war gestern – biodynamisch ist heute

Während staatliche Bio-Siegel und Verordnungen ein Mindestmaß für Lebensmittel setzen, gehen biodynamische Landwirte einen Schritt weiter und leisten mehr, als die EU-Bio-Verordnung vorgibt. So kann eine nachhaltige Form der Landwirtschaft entstehen, die einen natürlichen Kreislauf fördert und der Natur nicht nur nichts wegnimmt, sondern ihr sogar etwas zurückgibt. Wer diese nachhaltige Form der Landwirtschaft unterstützen möchte, sollte also beim nächsten Einkauf bei dem ein oder anderen Produkt auf das Demeter Siegel achten und sich von der hochwertigen Qualität überzeugen lassen.

 

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