Matcha gilt längst nicht mehr als Trendgetränk, sondern als bewusste Alternative zu Kaffee – mit anhaltender Energie, ruhigem Fokus und jahrhundertealter Tradition. Im Interview erzählt das Gründerteam von Health Bar, wie aus einer persönlichen Suche nach hochwertigem Bio-Matcha eine eigene Marke entstand, warum die Region Uji in Japan als Ursprung besten Matchas gilt und welche Qualitätsmerkmale Verbraucher:innen unbedingt kennen sollten. Zudem geben sie praktische Tipps zur richtigen Matcha-Zubereitung und erklären, weshalb Transparenz, Nachhaltigkeit und direkte Zusammenarbeit mit Teefarmen heute entscheidend sind.
INTERVIEW
LifeVERDE: Health Bar ist aus der Suche nach einer Alternative zu Kaffee entstanden – was hat euch damals an Matcha so begeistert, dass daraus eine eigene Marke wurde?
HEALTH BAR Gründerinnen Stefanie Giesinger und Nancy Tabillion: Ehrlich gesagt war meine erste Matcha-Erfahrung nicht gut. Ich dachte, das ist definitiv nicht mein Getränk. Erst als ich etwas später einen anderen probiert habe, der mich geschmacklich direkt überzeugt hat, wurde mir klar, dass es bei Matcha Qualitäten große Unterschiede gibt. Das war 2018 – Matcha war in Europa noch kaum ein Thema. Was mir recht schnell positiv auffiel war der ruhige, klare Fokus über Stunden, ohne Crash. Genau das, wonach ich gesucht hatte. Beim Kaffee hatte ich oftmals das Gefühl, dass ich noch einen benötige und sehr schnell einen Energieverlust hatte. Je tiefer wir eintauchten, desto klarer wurde aber auch: Die Qualität, die wir suchten, gab es so auf dem Markt einfach nicht: Bio, direkt aus dem Ursprungsland, erste Ernte, mild im Geschmack. Also haben wir uns auf die Suche in Japan begeben. So ist Health Bar entstanden: aus dem Produkt, das wir selbst vergeblich gesucht haben.

Bild: HEALTH BAR Gründerinnnen Stefanie Giesinger und Nancy Tabillion
Euer Bio-Matcha stammt aus Uji in Japan – was macht diese Region und eure Zusammenarbeit mit der familiengeführten Farm so besonders?
Uji gilt als die Wiege des japanischen Matcha, mit über 800 Jahren Teetradition, der Nähe zum Uji-Fluss, hügeligen Lagen und Nebel, der die Blätter besonders aromatisch macht. Allein die Geografie ist schon faszinierend. Was uns aber wirklich berührt hat, war der Besuch vor Ort. Steffi und ich hatten das Privileg, die Familie und ihr Team persönlich kennenzulernen, und was uns geblieben ist, ist diese pure Leidenschaft, mit der dort gearbeitet wird. Matcha ist für sie nicht einfach ein Produkt, sondern Teil einer tiefen Handwerks- und Teekultur. Wenn man bedenkt, dass die Steinmühle für nur 30 Gramm Matcha eine ganze Stunde braucht, versteht man die Philosophie dahinter sofort. Die Menschen produzieren mit so viel Liebe und Dankbarkeit unser Produkt, das wir tagtäglich konsumieren. Das hat uns tzutiefst beeindruckt und emotional berührt! Das ist Handwerk im besten Sinne und genau das wollten wir nach Europa bringen.
Matcha ist längst mehr als ein Trendgetränk – wie schafft ihr es, Qualität und Authentizität in den Mittelpunkt zu stellen?
Uns war wichtig, Matcha langfristiger zu denken – nicht als kurzfristigen Trend, sondern als Produkt mit echter Tradition und Qualität. Authentisch wird das Ganze vor allem dadurch, dass Steffi und ich unsere Produkte selbst täglich trinken. Ich habe zudem eine Entgiftungsstörung und muss auf Qualitätsmerkmale besonders genau achten. Wir würden nichts verkaufen, was wir nicht selbst guten Gewissens jeden Tag konsumieren. Matcha hat unseren Alltag verändert. Die Hoffnung ist, dass wir mit diesem Ritual auch andere Menschen erreichen und inspirieren können.
Ihr legt großen Wert auf Bio-Zertifizierung, Labortests und transparente Herkunft – worauf sollten Verbraucher:innen beim Kauf von Matcha besonders achten?
Für uns ist Bio bei Matcha besonders wichtig, weil das gesamte Blatt vermahlen und mitgetrunken wird.
Worauf wir persönlich achten:
- Herkunft: Je nach Anbauland gibt es große Unterschiede, nicht nur in der Qualität, sondern auch bei den Bio-Standards. Was in einem Land als „bio" gilt, würde in einem anderen die Anforderungen gar nicht erfüllen. Deshalb lohnt sich ein Blick darauf, woher der Matcha wirklich stammt und nach welchen Standards er zertifiziert ist.
- Bio-Siegel und Labortests auf Pestizide und Schwermetalle – seriöse Anbieter kommunizieren das offen.
- Farbe: Ein leuchtendes Grün spricht für sorgfältige Beschattung. Gelbliche oder bräunliche Töne sind ein Warnsignal.
- Vermahlung: Traditionell in der Steinmühle – langsam und schonend.
- Geschmack: Cremig, umami, leicht süßlich. Bitterkeit ist meist ein Qualitäts- oder Zubereitungsproblem, kein Matcha-Problem.
Genau diese Punkte machen wir bei Health Bar bewusst transparent, damit man weiß, was in der Tasse landet.
Viele Menschen finden Matcha spannend, wissen aber nicht, wie sie anfangen sollen – was sind eure Tipps für die perfekte erste Matcha-Zubereitung zu Hause?
Unser wichtigster Tipp: bitte kein kochendes Wasser! Das ist der häufigste Fehler und der schnellste Weg zu bitterem Matcha und bei zu heißem Wasser gehen auch die wertvollen Nährstoffe verloren. Ideal sind 70–80 °C. Auch warmes oder kaltes Wasser funktionieren bei unserem Matcha super.
So gelingt der Einstieg:
- Etwa 1-2 g Matcha (je nach geschmacklicher Präferenz) in eine Schale geben.
- Etwas Wasser bei maximal 80 °C dazugeben.
- Mit dem Bambusbesen in einer schnellen Z-Bewegung aufschlagen, bis sich eine cremige Schaumkrone bildet.
- Pur genießen oder mit beliebiger zum Latte aufgießen.
Ein einfaches Starter-Set reicht für den Anfang völlig. Und falls der erste Versuch nicht gleich begeistert: dranbleiben. Geschmack entwickelt sich, und oft liegt es nur an der Temperatur oder der Dosierung oder auch dem Zusatz. Unseren Okumidori Matcha trinken wir sehr gerne pur, weil er besonders mild im Geschmack ist.
Matcha wird oft mit bewussten Ritualen und Energie im Alltag verbunden – welche Rolle spielt Matcha für euch persönlich?
Matcha ist unser Anker im Tag. Diese paar Minuten Zubereitung sind eine bewusste Pause, bevor der Tag beginnt – als Mutter und Unternehmerin Gold wert. Was wir besonders lieben: Matcha verbindet zwei Dinge, die sich sonst oft ausschließen: Energie und Ruhe. Wach, aber gelassen. Fokussiert, aber nicht aufgedreht.

Neben dem Produkt selbst beschäftigt ihr euch auch mit Nachhaltigkeit – warum ist euch Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette wichtig?
Ich habe selbst Kinder und damit eine sehr konkrete Verantwortung für die Welt, die wir hinterlassen. Das ist für mich kein Marketing-Thema. Ehrlich gesagt: Wer ein Produkt herstellt, ist nie zu hundert Prozent nachhaltig. Aber an jeder Stelle, an der wir Einfluss haben, versuchen wir möglichst ressourcenschonend zu arbeiten. Zusätzlich spenden wir monatlich 2 % unserer Einnahmen an Eden Reforestation Projects, die weltweit Wälder aufforsten und gleichzeitig faire Arbeit vor Ort schaffen. Für uns ein Weg, etwas zurückzugeben.
Wenn jemand zum ersten Mal Health Bar und Bio-Matcha ausprobiert – welches Erlebnis oder Gefühl soll am Ende bleiben?
Beim ersten Schluck soll man sofort schmecken: Das ist Qualität. Cremig, ausgewogen, ohne diese Bitterkeit, die viele mit Matcha verbinden. Und darüber hinaus soll man spüren, wie viel Liebe zum Detail in jedem Schritt steckt von der Farm in Uji bis ins eigene Zuhause.
Lies auch: Interview mit KÄRU Matcha


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