Grüne Wirtschaft

Bikinis und Badeanzüge aus Fischernetzen

INTERVIEW | INASKA steht für nachhaltige Bademode von Frauen für Frauen. Erfahre hier mehr über ihren Ansatz und die Firmenphilosophie.

INTERVIEW | INASKA steht für nachhaltige Bademode von Frauen für Frauen. Erfahre hier mehr über ihren Ansatz und die Firmenphilosophie.

01.12. 2021 | Ein Interview geführt von Anna Huhn und Saphira Conradi | Bild: INASKA

Als Fransiska ihr Unternehmen 2015 gründete waren ihre Grundsätze schon klar: Sie wollte sportlich-funktionale Mode für Frauen jeden Figurtyps entwerfen, die nachhaltig und fair hergestellt wird und dabei schön aussieht. Wie die Reise zu diesem Ziel bisher verlaufen ist und worauf INASKA bei der Produktion besonderen Wert legt, erfährst du im Interview.

Franziska und Elisa, bitte stellt uns INASKA einmal kurz vor.

Fransiska und Elisa: INASKA ist ein Unternehmen von Frauen für Frauen. Wir stellen Bade- und Sportmode aus regeneriertem Nylon her. Das Nylon besteht aus recycelten Fischernetzen und anderem Plastikmüll, das Abfallprobleme in nachhaltige Lösungen umwandelt. Der Treibhauseffekt ist dabei bis zu 80% geringer als bei der Herstellung von Nylon aus Rohöl. Und wir denken Nachhaltigkeit hier immer weiter. Zum Beispiel legen wir unsere Lieferkette radikal transparent offen, wir verlängern den Lebenszyklus unserer Produkte durch unseren 2nd Life Shop und arbeiten an Upcycling-Projekten mit unseren nicht genutzten Artikeln. Zudem stehen wir mit INASKA für ein gesundes und diverses Körperbild ein.

Wie lange befasst ihr euch schon mit dem Thema Nachhaltigkeit? Wie hat eure Reise angefangen?

Franziska hat INASKA 2015 gegründet, um eine Lösung zu schaffen, die es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab: Nicht nur ein gut sitzender Sportbikini, sondern ein Statement in Sachen Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit. Von Anfang an hat sie alles auf grün gesetzt, denn mit der Geburt ihrer Kinder hat sich ihr Blick auf die Bedeutung von Umweltproblemen dramatisch verändert. Sie ist an der Ostsee aufgewachsen, deshalb war und ist ihr das Meer als Lebensgrundlage besonders wichtig. Als Sportlerin wollte sie außerdem Produkte schaffen, die Funktionalität mit Ästhetik vereinen und zudem die Meere von Plastikmüll befreien.

Fischernetz

Die Mode von INASKA wird unter anderem aus alten Fischernetzen gemacht (Bild: INASKA).

Eure Produkte sollen laut eurer Homepage eben nicht nur funktional, sondern auch ökologisch sein. Wie sieht die nachhaltige Produktion bzw. Wertschöpfung bei INASKA aus?

Jedes Jahr gelangen bis zu 12,7 Millionen Tonnen Plastik ins Meer. In Deutschland werden von 5,2 Millionen Tonnen anfallendem Plastikmüll gerade mal 810.000 Tonnen recycelt. Wir verwenden deshalb für unsere Produkte 78% recyceltem Polyamid hergestellt, welches zu 100% aus recyceltem Material wie entsorgten Fischernetzen, Teppichresten und diversem Plastikmüll besteht. Durch eine ressourceneffiziente Herstellung ist zudem der Treibhauseffekt gegenüber herkömmlichem Nylon bis zu 80% geringer. Seit unserer Gründung haben wir so insgesamt 3,1 Tonnen Plastik aus der Umwelt entfernt. Für jedes unserer Produkte zeigen wir auf unserer Website vom Gummi bis zum Nähgarn Herkunft, Hersteller und Produktionsbedingungen auf. So ermöglichen wir es unseren Kund*innen, sich unseren kompletten Herstellungsprozess auf einen Blick anzusehen und natürlich auch in die Tiefe einzutauchen. Jede einzelne Komponente wird dabei erfasst und selbstverständlich mit einem Zertifikat belegt. Kurze Lieferwege und transparente Lieferketten sind für uns der Schlüssel zu einem enkeltauglichen Fashionkonzept. Unsere Produkte sind vom Garn bis zur Verpackung vollständig in Europa hergestellt und legen so kurze Wege zurück. Alle INASKA Artikel sind 100% vegan, frei von Tierversuchen und PETA zertifiziert. Wir möchten Kleidung schaffen, deren Einfluss auf die Umwelt so gering wie möglich ist!

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit?

Wir haben sehr hohe Ansprüche an Nachhaltigkeit und faire Produktionsbedingungen. Verlässliche Partner in Europa zu finden, ist nicht immer leicht. Mittlerweile sind wir sehr zufrieden mit unserer Produktion in Portugal und unserem recycelten Material. Aber auch hier lernen wir immer wieder dazu. Manche Dinge dauern einfach länger und funktionieren dann nicht so, wie wir es gerne hätten. Aktuell suchen wir beispielsweise nach einem absolut nachhaltigen Material für Produkterweiterungen und wollen auf keinen Fall Abstriche machen. Aber entweder ist es nicht komplett Made in Europe oder wir können nicht zu 100% nachverfolgen, welchen Ursprung die Faser hat oder es nicht rasch biologisch abbaubar. Das frustriert dann auch mal.

Corona war und ist natürlich ebenfalls für uns eine sehr große Herausforderung, weil wir von den den Einschränkungen in Reise- und Freizeitaktivitäten mittelbar betroffen sind.

Frauen in olivenen Bikinis

Die Mode von INASKA soll auf jeden Körpertyp passen (Bild: INASKA).

Durch welche Produkteigenschaften würdet ihr sagen, sind eure nachhaltigen Produkte besser als die konventionellen bzw. was sind die Alleinstellungsmerkmale?

Unsere Produkte bauen auf den Dreiklang aus Nachhaltigkeit, Ästhetik und Funktionalität auf. Unser Material ist nicht nur nachhaltig durch das recycelte Nylon, der Stoff ist auch sehr viel stabiler und langlebiger, so dass unsere Produkte lange Freude machen. Unsere Bikinis überzeugen durch die ikonische Trägerführung, das heißt, sie sind individuell an den Körper und die Bedürfnisse anpassbar. Und das ganz ohne Knoten und Verschlüsse, die erstens drücken und zweitens häufig Sollbruchstellen sind. So haben wir keine Verschleißteile. Unsere schlichten, minimalistischen und sportlichen Styles bieten wir im Mix & Match an, so dass verschiedene Farben, Modelle und Größen ganz individuell zusammengestellt werden können.

Welche Bedingungen in der Modebranche würdet ihr gerne ändern, damit alles noch etwas nachhaltiger abläuft?

Wir denken, dass ‚alles noch etwas nachhaltiger‘ absolut nicht ausreicht. Kein Mensch sollte unter unwürdigen und lebensgefährlichen Bedingungen arbeiten. Zudem müssen wir dringend umdenken, um diesen wundervollen Planeten zu erhalten. Wir begrüßen ein Lieferkettengesetz sehr, denken aber, dass dieses noch dringend nachgearbeitet werden sollte. Jedes Produkt sollte transparent und vollständig zurück verfolgbar sein. So können Konsument*innen bewusste Kaufentscheidungen treffen und Firmen ihre eigenen Lieferwege hinterfragen und optimieren. Wir wünschen uns generell einen moralischeren Blick auf Mode. Nachhaltigkeit wird mit diesem schnelllebigen Konsum und der Umsetzung von bis zu 52 Kollektionszyklen im Jahr durch große Modeketten niemals möglich sein, hier müssen wir alle umdenken: die Modefirmen, die Verbraucher*innen und die Werbeindustrie. Aktuell wäre es schon gut, wenn die rechtlichen Richtlinien eingehalten werden würden und Firmen nicht versuchen würden, Schlupflöcher zu finden und über Greenwashing weiterhin umwelt- und menschenschädigende Produkte zu verkaufen.

Vielen Dank für das ausführliche Interview, liebe Fransiska und Elisa!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an INASKA stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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