Grüne Wirtschaft

AUPING: Wie kreislauffähige Matratzen wertvolle Rohstoffe im Umlauf halten

Millionen Matratzen werden jedes Jahr in Europa entsorgt und größtenteils verbrannt. AUPING verfolgt einen anderen Ansatz: Das Unternehmen entwickelt Matratzen, die sich nach ihrer Nutzung zerlegen und als Rohstoff für neue Produkte einsetzen lassen. 

Millionen Matratzen werden jedes Jahr in Europa entsorgt und größtenteils verbrannt. AUPING verfolgt einen anderen Ansatz: Das Unternehmen entwickelt Matratzen, die sich nach ihrer Nutzung zerlegen und als Rohstoff für neue Produkte einsetzen lassen. 

27.07.2026, das Interview führte: Louisa Becker - Bild: AUPING

Matratzen bestehen meist aus mehreren fest miteinander verbundenen Materialien. Das macht ihre Wiederverwertung schwierig und führt dazu, dass ein großer Teil der ausrangierten Matratzen verbrannt wird. Dabei enthalten sie Rohstoffe, die grundsätzlich erneut genutzt werden könnten. AUPING setzt deshalb bereits bei der Produktentwicklung an. Die Matratzen des Unternehmens bestehen überwiegend aus Polyester und Stahl und werden mithilfe eines lösbaren Klebers zusammengefügt. So lassen sich die einzelnen Bestandteile am Ende der Nutzungsdauer wieder voneinander trennen. Ergänzt wird dieser Ansatz durch eine auftragsbezogene Produktion in der „Grünen Fabrik“ in Deventer und ein Rücknahmesystem, das in den Niederlanden bereits eingesetzt wird. Im Interview spricht AUPING darüber, wie kreislauffähige Matratzen konstruiert werden, welche Herausforderungen bei ihrer Rückführung bestehen und wie sich die Bettenbranche künftig verändern könnte.

LifeVERDE: AUPING gilt als Vorreiter im Bereich kreislauffähiger Matratzen. Was war die ursprüngliche Motivation, eine Matratze zu entwickeln, die nach ihrer Nutzung wieder als Rohstoff für neue Produkte dienen kann?

AUPING: Jährlich werden in Europa rund 35 Millionen Matratzen entsorgt. Etwa zwei Drittel davon werden verbrannt, obwohl sie wertvolle Materialien enthalten, die wiederverwendet werden könnten. Für uns war genau das der Anstoß, eine Matratze neu zu denken.

Seit unserer Gründung verfolgen wir das Ziel, Menschen dabei zu helfen, ausgeruht und gesund zu leben – und gleichzeitig Verantwortung für die Welt von morgen zu übernehmen. Deshalb haben wir uns gefragt, warum ein Produkt, das viele Jahre genutzt wird, am Ende seines Lebenszyklus zu einem Abfallprodukt werden soll. Die Antwort darauf war die Entwicklung einer vollständig kreislauffähigen Matratze.

Als erster Hersteller weltweit haben wir eine Matratze entwickelt, deren Materialien nach der Nutzung wieder als Rohstoffe für neue Matratzen eingesetzt werden können. Auch das erste vollständig recycelbare Bett stammt von Auping. Unser Ziel ist es, wertvolle Ressourcen im Kreislauf zu halten und zu zeigen, dass hoher Schlafkomfort und nachhaltiges Design funktionieren.

Nachhaltigkeit endet nicht beim Produkt. Welche Rolle spielt Ihre „Grüne Fabrik“ in Deventer für die Nachhaltigkeitsstrategie von AUPING?

Nachhaltigkeit betrachten wir ganzheitlich. Deshalb konzentrieren wir uns nicht nur auf die Entwicklung kreislauffähiger Produkte, sondern auch auf deren Herstellung. In unserer „Grünen Fabrik“ in Deventer greifen Produktentwicklung, Materialstrategie und Energieversorgung eng ineinander.

Wir setzen dort konsequent auf eine ressourcenschonende Produktion und nutzen unter anderem selbst erzeugte Solarenergie, um den ökologischen Fußabdruck unserer Fertigung kontinuierlich zu senken. Gleichzeitig produzieren wir an einem zentralen Standort, wodurch Prozesse effizient gestaltet und Transportwege minimiert werden können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass wir erst nach Auftragseingang produzieren. Jedes Bett und jede Matratze wird individuell nach Bestelleingang gefertigt. Dadurch vermeiden wir Überproduktion und reduzieren den Bedarf an Lagerbeständen. Es werden ausschließlich die Produkte hergestellt, die tatsächlich benötigt werden - ein wichtiger Beitrag zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen.

Unser Anspruch ist es, Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verankern – von der Materialauswahl über die Produktion bis hin zur Rücknahme und Wiederverwertung unserer Produkte. Unsere Grüne Fabrik ist deshalb ein wichtiger Baustein auf unserem Weg zu einer vollständig zirkulären Zukunft.


Bild: AUPING

Was unterscheidet eine vollständig recycelbare Matratze von herkömmlichen Matratzen in Bezug auf Materialien, Konstruktion und Herstellung?

Der wesentliche Unterschied liegt im Design und in der Materialauswahl. Herkömmliche Matratzen bestehen häufig aus vielen verschiedenen Materialschichten, die dauerhaft miteinander verbunden sind. Dadurch lassen sie sich am Ende ihrer Lebensdauer nur schwer recyceln.

Unsere kreislauffähigen Matratzen wurden von Anfang an so entwickelt, dass alle Bestandteile wieder voneinander getrennt werden können. Dafür verwenden wir hauptsächlich Polyester und Stahl sowie einen speziellen lösbaren Kleber. Diese Konstruktion ermöglicht es, die Materialien nach der Nutzung zurückzugewinnen und erneut als Rohstoffe einzusetzen.

Das Besondere ist, dass die spätere Wiederverwertung bereits Teil des Entwicklungsprozesses ist. Das Ende des Lebenszyklus wird also schon beim Design der Matratze mitgedacht.

Wie funktioniert der Recyclingprozess Ihrer Matratzen konkret, wenn diese das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben, und welche Herausforderungen mussten dabei gelöst werden?

Die größte Herausforderung besteht heute  weniger im Recycling selbst als in der Rückführung der Matratzen. Damit Kreislaufwirtschaft funktioniert, müssen gebrauchte Matratzen gesammelt und dem Recyclingprozess zugeführt werden, anstatt verbrannt zu werden.

In den Niederlanden haben wir bereits ein funktionierendes Rücknahmesystem etabliert. Jede kreislauffähige Auping Matratze erhält ein digitales Identifikationslabel. Wird die Matratze am Ende ihrer Nutzungsdauer zurückgegeben, kann dieses Label gescannt und die Matratze dem Recyclingprozess zugeordnet werden.

In unserer Produktionsstätte in Deventer werden die Matratzen anschließend vollständig zerlegt. Die einzelnen Materialien werden getrennt und als Rohstoffe für neue Produkte genutzt. Dieser Prozess ist möglich, weil wir bewusst nur wenige, klar definierte Materialien einsetzen und auf einen lösbaren Kleber setzen.

Unser Ziel ist es, solche Rücknahmesysteme künftig auch in weiteren Märkten zu etablieren und so den Materialkreislauf immer weiter zu schließen.


Bild: AUPING

Welche Rolle spielen CO₂-Reduktion, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft in Ihrer langfristigen Unternehmensstrategie, und wie tragen Ihre Matratzen dazu bei?

CO₂-Reduktion, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft gehören zu den zentralen Säulen unserer Unternehmensstrategie. Unser Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, die möglichst lange genutzt werden können und deren Materialien anschließend in den Kreislauf zurückkehren.

Für die Herstellung unserer Matratzen setzen wir bereits auf recycelte Materialien. Dadurch werden weniger neue Rohstoffe benötigt und CO₂-Emissionen reduziert. Gleichzeitig produzieren wir in unserer Grünen Fabrik in Deventer, die unter anderem mit selbst erzeugter Solarenergie arbeitet.

Unsere kreislauffähigen Matratzen zeigen, wie Ressourcenschonung und hoher Schlafkomfort miteinander verbunden werden können. Jeder Rohstoff, der wiederverwendet wird, ist ein Rohstoff, der nicht neu gewonnen werden muss. So leisten unsere Produkte einen konkreten Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft.

Wie sieht die Zukunft der Matratzen- und Bettenbranche aus und welche Entwicklungen dürfen Verbraucher*innen von AUPING erwarten?

Wir sind überzeugt, dass die Zukunft der Matratzen- und Bettenbranche in der Kreislaufwirtschaft liegt. Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten zunehmend Transparenz, langlebige Produkte und nachhaltige Lösungen. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass Produkte nicht nur gut hergestellt, sondern auch verantwortungsvoll wiederverwertet werden sollten.

Für die Branche bedeutet das einen Wandel vom linearen zum zirkulären Wirtschaften. Materialien werden künftig stärker im Kreislauf gehalten, Rücknahmesysteme gewinnen an Bedeutung und die Wiederverwendung von Rohstoffen wird zunehmend zum Standard.

Auping wird diesen Wandel weiterhin aktiv mitgestalten. Wir arbeiten kontinuierlich daran, den Anteil recycelter Materialien zu erhöhen, unsere Produkte noch kreislauffähiger zu gestalten und funktionierende Rücknahmesysteme in weiteren Ländern aufzubauen. Unser langfristiges Ziel ist eine Branche, in der hochwertige Betten und Matratzen nicht mehr als Abfallprodukt enden, sondern dauerhaft Teil eines geschlossenen Materialkreislaufs bleiben.


Bild: AUPING

Fazit: Kreislauffähigkeit beginnt beim Produktdesign

Das Beispiel AUPING zeigt, dass das Recycling einer Matratze nicht erst bei ihrer Entsorgung beginnt. Entscheidend ist, bereits bei der Entwicklung auf wenige, trennbare Materialien und eine Konstruktion zu setzen, die deren spätere Wiederverwendung ermöglicht. Damit daraus ein geschlossener Materialkreislauf entsteht, braucht es jedoch neben recycelbaren Produkten auch funktionierende Rücknahmesysteme. Erst wenn gebrauchte Matratzen tatsächlich gesammelt, zerlegt und erneut verarbeitet werden, können ihre Rohstoffe langfristig im Umlauf bleiben. Die Verbindung aus kreislauffähigem Design, ressourcenschonender Produktion und organisierter Rückführung kann daher zu einem wichtigen Modell für die Zukunft der Matratzen- und Bettenbranche werden.

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