Grüne Wirtschaft

ARYA LAYA: 120 Jahre Naturkosmetik zwischen Tradition, Pflanzenkraft und Innovation

Seit 120 Jahren entwickelt ARYA LAYA Naturkosmetik in Heidelberg. Tradition, Pflanzenwirkstoffe und Innovation prägen die Manufaktur bis heute.

Seit 120 Jahren entwickelt ARYA LAYA Naturkosmetik in Heidelberg. Tradition, Pflanzenwirkstoffe und Innovation prägen die Manufaktur bis heute.

09.09.2026, Interview - Bild: ARYA LAYA

Seit mehr als 120 Jahren steht ARYA LAYA für Naturkosmetik aus Heidelberg. Was 1905 mit dem Heilpraktiker und Gründer Max Eduard Georg Gottlieb begann, wird heute als Familienunternehmen weitergeführt – mit eigenen Rezepturen, einer Produktion in Heidelberg und dem Anspruch, Tradition nicht als Stillstand, sondern als Grundlage für Neues zu verstehen. Dabei verbindet ARYA LAYA langjährige Erfahrung mit modernen Pflanzenwirkstoffen und innovativer Produktentwicklung. Von bewährten Klassikern wie dem Fett-Feucht Balancer bis hin zu Wirkstoffen wie Parakresse, fermentiertem Hafer oder pflanzlichen Retinol-Alternativen zeigt das Unternehmen, wie vielseitig moderne Naturkosmetik sein kann. Gleichzeitig spielen Fragen rund um Nachhaltigkeit, verantwortungsvolle Rohstoffauswahl und langlebige Produkte eine zentrale Rolle. Im Interview erfahren wir, wie ARYA LAYA seine Tradition und Innovationskraft miteinander verbindet, warum Verantwortung für das Familienunternehmen weit über gesetzliche Vorgaben hinausgeht und welche Rolle Forschung, Nachhaltigkeit und die eigene Manufaktur für die Zukunft der Marke spielen.


Bild: ARYA LAYA

LifeVERDE: ARYA LAYA steht seit 120 Jahren für zertifizierte Naturkosmetik aus Heidelberg – ein Name aus dem Sanskrit, ein Schmetterling als Markenzeichen und eine Manufaktur, die bis heute im Familienbesitz ist. Was macht das Haus so besonders, und was verbindet die Geschichte von Gründer Max Eduard Georg Gottlieb mit dem ARYA LAYA von heute?

CHRISTIN LÜDEMANN, Geschäftsführerin von ARYA LAYA: Das Besondere an ARYA LAYA ist diese ungewöhnliche Verbindung aus sehr viel Erfahrung und einer großen Lust auf Neues. 120 Jahre Unternehmensgeschichte können schnell nach Tradition und Bewahren klingen. Für uns bedeutet Tradition aber eher: Wir wissen sehr genau, woher wir kommen und was wir richtig gut finden und können gerade deshalb immer wieder neue Produkte und Aktivitäten entwickeln, die unsere Marke und unser Unternehmen weiterführen.

Max Eduard Georg Gottlieb war als Heilpraktiker für seine Zeit erstaunlich fortschrittlich und eng mit der Natur verbunden. Er beschäftigte sich intensiv mit der Wirkung natürlicher Rohstoffe, entwickelte eigene Rezepturen und stellte vieles infrage, was damals selbstverständlich war. Genau diese Haltung verbindet ihn mit ARYA LAYA heute: nicht einfach machen, was alle machen, sondern genau hinschauen, ausprobieren und einen eigenen Weg gehen.

Dass wir noch immer ein Familienunternehmen sind und alle Produkte in Heidelberg selbst entwickeln und produzieren, prägt uns sehr. Wir denken in langfristigen Linien. Manche unserer Produkte begleiten Kundinnen und Kunden seit Jahrzehnten, gleichzeitig beschäftigen wir uns mit modernen Wirkstoffen wie Pflanzen-Stammzellen, pflanzliche Retinol- oder Botox-Alternativen und weiteren innovativen Pflanzenextrakten. Diese Mischung aus Erfahrung, Neugier und Unabhängigkeit ist wahrscheinlich der rote Faden, den wir bis heute führen.

Ihr Gründer lehnte Tierversuche ab, als diese in der Kosmetikbranche noch völlig normal waren. Wie prägt diese ethische Haltung aus dem Jahr 1905 noch heute die Unternehmenskultur – und wo spüren Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das im Alltag?

Dass unser Gründer bereits 1905 eine klare Haltung zu Tierversuchen hatte, zeigt etwas, das für mich bis heute wichtig ist: Verantwortung beginnt nicht dort, wo der Gesetzgeber sie verlangt. Manchmal muss man eine Entscheidung treffen, weil man selbst davon überzeugt ist. Diese Haltung zieht sich bis heute durch das Unternehmen. Natürlich haben sich die Themen verändert. Heute geht es zusätzlich um die Herkunft von Rohstoffen, um Rezepturen, Verpackungen, Nachhaltigkeit oder die Frage, mit welchen Partnern wir zusammenarbeiten. Wir möchten Produkte herstellen, hinter denen wir auch persönlich stehen können, weil sie eine sicht- oder spürbare Wirkung versprechen.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter merken das vor allem an den kurzen Wegen. Wenn jemand eine Idee hat, oder etwas auffällt, was man besser machen kann, brauchen wir dafür kein betriebliches Vorschlagwesen, das machen wir direkt und schnell. Und ich glaube, genau das gehört zu einem Familienunternehmen: Man trägt nicht nur Verantwortung für Zahlen, sondern auch für Menschen, Produkte und das, was man als Unternehmen hinterlässt.

Die neuform®-Richtlinien, unter denen ARYA LAYA zertifiziert ist, schließen Parabene, Paraffine, Silikone und Mikroplastik aus – eine Positionierung, die viele Wettbewerber scheuen. Wie schwer ist es, diese Standards wirtschaftlich durchzuhalten, und wann haben Sie zuletzt auf einen Rohstoff verzichtet, der kurzfristig verlockend gewesen wäre?

Auf die genannten Rohstoffe zu verzichten, fällt uns nicht schwer. Wir glauben nicht, dass diese einen Nutzen für den Kunden und seine Haut haben. Mit einigen dieser Rohstoffe lassen sich bestimmte Texturen, ein Hautgefühl oder eine sehr einfache Verarbeitung technisch leichter erreichen. Aber sie sind aus unserer Sicht nicht gut für die KundInnen und haben auch keine Wirkung, sie täuschen lediglich ein gutes Hautgefühl vor, weil sich etwas auf die Haut legt.

Die neuform® Richtlinien entsprechen den gängigen Naturkosmetik Standards und gehen dann noch etwas weiter. Z.B. bei der Schadstoffprüfung.  Für uns sind diese Standards keine Einschränkung, die wir widerwillig erfüllen. Sie sind ein Teil unseres Produktversprechens.

Bei Neuentwicklungen erleben wir diese Entscheidung regelmäßig. Ein Rohstoff kann technologisch hochinteressant sein und einen wunderbaren Effekt oder eine außergewöhnliche Sensorik liefern. Wenn er unsere Anforderungen beziehungsweise die neuform®-Richtlinien nicht erfüllt, weil er zum Beispiel synthetisch hergestellt ist oder von einem toten Tier stammt, kommt er natürlich nicht in die Rezeptur.

Der Fett-Feucht Balancer wurde 1984 entwickelt und ist bis heute das meistverkaufte Kosmetikprodukt im Reformhaus. Was verrät dieses Produkt über die Innovationsphilosophie von ARYA LAYA – und wie gelingt es einer 40-köpfigen Manufaktur, mit hochspezialisierten Labors der Großindustrie mitzuhalten?

Der Fett-Feucht Balancer erzählt eigentlich sehr viel über unsere Vorstellung von Innovation. Nämlich, dass Innovationen auch langfristig erfolgreich sind. Die Idee, der Haut Fett und Feuchtigkeit bedarfsgerecht miteinander kombiniert anzubieten, war 1984 außergewöhnlich. Und offensichtlich ist das Bedürfnis heute noch genauso relevant. Dass ein Produkt nach mehr als 40 Jahren noch immer so erfolgreich ist, finde ich beeindruckender als jeden kurzfristigen Trend-Hype. Ich halte es nicht für sinnvoll alle 2 Jahre das Sortiment durchzutauschen. Wir haben Klassiker im Sortiment und wir haben pro Jahr circa sechs bis zehn Neuentwicklungen. Übrigens ist unsere Innovation aus dem Jahr 2023 Hydro Hafer Tag & Nachtpflege mittlerweile auf Platz 1 der meistverkauften Kosmetikprodukte im Reformhaus. Nicht nur von ARYA LAYA, sondern insgesamt.

Unsere Stärke im Vergleich zur Großindustrie ist, dass wir klein, schnell und sehr nah am Produkt und an den KundInnen sind. Wir denken ja in ganz anderen Dimensionen und Mengen, das bietet sehr viel mehr Raum für besondere Produktideen. Unsere Produktentwicklung arbeitet eng mit Rohstoffherstellern, Lieferanten, Produktion, Handel und natürlich mit den Menschen zusammen, die unsere Produkte verwenden.

Und wir haben etwas, das man nicht kaufen kann: sehr viel Erfahrung mit Ölen, Pflanzenwirkstoffen, Emulsionen und insbesondere mit Zwei-Phasen-Produkten. Diese Hautfunktionsöle gehören seit Jahrzehnten zu unserer DNA. Dieses Wissen entwickelt sich von Rezeptur zu Rezeptur weiter. Eine kleine Manufaktur kann deshalb durchaus hochinnovativ sein – manchmal gerade deshalb, weil Entscheidungen nicht erst durch zehn Hierarchieebenen müssen.


Bild: ARYA LAYA

Parakresse, fermentierter Hafer, Hyaluronsäure – Ihre Wirkstoffe klingen zuweilen wie eine Speisekarte der Botanik. Wie entscheidet das Labor, welchem Pflanzenwirkstoff die nächste Serie gehört? Und was war bislang die überraschendste Zutat, die Sie jemals in ein Produkt integriert haben?

Wir starten tatsächlich möglichst nicht mit der Frage: „Welcher Wirkstoff ist gerade angesagt?“ Die erste Frage lautet: „Was möchten wir auf der Haut erreichen?“

Geht es um Feuchtigkeit, eine stabilere Hautbarriere, Elastizität, weniger Rötungen, weniger Fältchen oder um mehr Ausstrahlung? Ein Wirkstoff muss wissenschaftlich und kosmetisch interessant sein, in unsere Naturkosmetik-Philosophie passen, sich sinnvoll formulieren lassen und am Ende auch auf der Haut überzeugen. Besonders spannend finde ich Wirkstoffe, bei denen man zunächst gar nicht vermutet, was in ihnen steckt. Parakresse ist so ein Beispiel. Mit diesem Wirkstoff erzeugt man wirklich eine Botox ähnliche Wirkung.

Aktuell fasziniert mich besonders ein Wirkstoff, der aus dem Harz des Pistazienbaums gewonnen wird und den wir in unserer Hyaluron Miracle Night einsetzen. Es ist eine pflanzliche Retinol-Alternative und damit ein Vitamin A-Booster.  Wer denkt bei einem Baumharz zunächst an moderne Anti-Aging-Kosmetik? Genau solche Entdeckungen liebe ich. Sie zeigen, dass Naturkosmetik längst nicht bedeutet, einfach ein bisschen Pflanzenöl und Kräuter in eine Creme zu geben. Hinter moderner Naturkosmetik steckt heute sehr viel Forschung.

Glas statt Plastik, Bio-Wirkstoffe, recyclingfähige Verpackungen – Nachhaltigkeit ist bei ARYA LAYA kein Trend, sondern Teil der DNA. Wo sehen Sie dennoch die größten blinden Flecken in der Naturkosmetikbranche, und an welcher Stelle müsste ARYA LAYA selbst noch ehrgeiziger werden?

Ein blinder Fleck ist für mich die Annahme, dass „natürlich“ automatisch auch „nachhaltig“ bedeutet. So einfach ist es leider nicht.

Man muss die gesamte Kette betrachten: Wo wächst ein Rohstoff? Wie wird er angebaut und verarbeitet? Wie weit wird er transportiert? Wie energieintensiv ist die Herstellung? Wie viel Verpackung braucht ein Produkt? Wie schwer ist diese Verpackung und wie gut kann sie tatsächlich wiederverwertet werden? Auch Glas ist beispielsweise nicht automatisch in jeder Situation ökologischer als Kunststoff. Nachhaltigkeit bedeutet deshalb für uns zunehmend, nicht in einzelnen Materialien zu denken, sondern den gesamten Lebenszyklus eines Produktes anzuschauen.

Und da können auch wir noch besser werden. Ich würde mir wünschen, dass wir Verpackungen noch konsequenter reduzieren und vereinfachen, aber wir müssen auch so viele Informationen auf den Verpackungen angeben, dass man oft gar nicht auf Faltschachteln verzichten kann. Nachhaltigkeit sollte meiner Meinung nach nie ein Zustand sein, bei dem man irgendwann sagt: Jetzt sind wir fertig. Sobald man genauer hinschaut, findet man den nächsten Punkt, den man verbessern kann. Nachhaltigkeit heißt für mich aber auch, dass unser KundInnen mit unseren Produkten zufrieden sind und diese bis zum letzten Tropfen aufbrauchen. Ich glaube, da sind wir schon ganz gut.

ARYA LAYA ist im stationären Handel exklusiv im Reformhaus zu finden – ein Kanal, den viele Marken zugunsten von Online-Plattformen aufgegeben haben. Ist diese Exklusivität ein Luxus, den Sie sich leisten, oder steckt dahinter eine strategische Überzeugung, die Sie auch in Zukunft verteidigen werden?

Für uns ist das Reformhaus sehr viel mehr als ein Vertriebskanal. ARYA LAYA und das Reformhaus verbindet eine lange gemeinsame Geschichte und vor allem eine ähnliche Vorstellung davon, wie erklärungsbedürftige Produkte verkauft werden sollten. Kosmetik braucht Beratung. Viele Menschen stehen vor einem Regal und wissen gar nicht genau: Was braucht meine Haut eigentlich? Welche Wirkstoffe passen zu mir? Und wie kombiniere ich Produkte sinnvoll? Genau hier hat das Reformhaus eine große Stärke.

Deshalb ist unsere stationäre Exklusivität kein nostalgischer Luxus, sondern eine strategische Entscheidung. Aber unsere Produkte gibt es auch in unserem Online-Shop (www.arya-laya.de), im Reformhaus Online Shop und über unseren Amazon Shop.

Wenn ARYA LAYA in weiteren 120 Jahren noch existiert – welches Produkt sollte es unbedingt noch geben, welcher Grundsatz darf unter keinen Umständen fallen, und was würde der Gründer Gottlieb wohl am meisten staunen lassen, wenn er heute einen Tag in der Manufaktur verbringen könnte?

Der Fett-Feucht Balancer sollte dann unbedingt noch da sein. Schon allein die Vorstellung, dass irgendwann jemand sagen könnte: „Dieses Produkt gibt es seit über 160 Jahren“, gefällt mir sehr. Der Grundsatz, der niemals fallen darf, ist für mich: Wie ist die Sofort-Wirkung des Produktes? Was erreicht es langfristig und wie sind das Hautgefühl und der Duft? Diese Fragen sind essenziell in unserer Produktentwicklung.  Wir sollten niemals einen einfacheren Weg wählen, nur weil er günstiger oder gerade bequemer ist. ARYA LAYA muss glaubwürdig bleiben – bei den Rezepturen genauso wie im Umgang mit Menschen und Umwelt.

Und Max Eduard Georg Gottlieb?

Ich glaube, er würde zunächst staunen, was aus Naturkosmetik geworden ist. Zu Hyaluronsäure, fermentierte Pflanzenwirkstoffe, moderne Extraktionsverfahren, Apfel-Stammzellen hätte er wahrscheinlich sehr viele Fragen.

Am meisten würde ihn aber vielleicht etwas anderes überraschen: Dass in dem Unternehmen, das er 1905 gegründet hat, mehr als 120 Jahre später noch immer in Heidelberg Kosmetik hergestellt wird. Dass seine Haltung zur Natur und zu verantwortungsvoller Herstellung heute moderner ist, denn je. Und dass wir immer noch Hautfunktionsöle herstellen, die seiner Philosophie entsprechen. Vielleicht wird er sich auch wundern, dass wir noch eine Manufaktur sind, wo der Mensch mit Sorgfalt wacht und ein Auge auf die Qualität hat.

Und ich hoffe, dass er nach einem Tag bei uns sagen würde: Vieles hat sich verändert – aber der Kern ist noch derselbe.

ARYA LAYA – Tradition bewahren, Zukunft gestalten

ARYA LAYA zeigt, dass 120 Jahre Unternehmensgeschichte und der Blick nach vorn kein Widerspruch sein müssen. Die Verbindung aus langjähriger Erfahrung, eigener Entwicklung und Produktion in Heidelberg sowie der Offenheit für moderne Pflanzenwirkstoffe prägt das Familienunternehmen bis heute. Dabei wird im Interview deutlich, dass sich ARYA LAYA nicht allein auf seiner Tradition ausruhen möchte. Ob bei Rezepturen, Rohstoffen, Verpackungen oder Nachhaltigkeit – bestehende Lösungen werden immer wieder hinterfragt und weiterentwickelt. Gleichzeitig bleiben bewährte Produkte und grundlegende Überzeugungen erhalten. Genau diese Mischung aus Tradition, Verantwortung und Innovationsfreude macht die Geschichte von ARYA LAYA besonders – und könnte dafür sorgen, dass der Kern des Unternehmens auch in Zukunft derselbe bleibt, selbst wenn sich die Naturkosmetik weiter verändert.

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Redaktioneller Hinweis: Aussagen zu Nachhaltigkeit, Umweltwirkungen sowie Produkten oder Unternehmensmaßnahmen beziehen sich auf die im Beitrag genannten Informationen und Quellen und stellen keine pauschale Nachhaltigkeitsbewertung eines Unternehmens oder seines gesamten Angebots dar. Mehr zur redaktionellen Einordnung →




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