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AfB - Die social & green IT

Bei AfB arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung an IT-Produkten und Dienstleistungen. Geschäftsführerin Yvonne Cvilak verrät im Interview, was das gemeinnützige Unternehmen der IT-Branche ausmacht. 

Bei AfB arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung an IT-Produkten und Dienstleistungen. Geschäftsführerin Yvonne Cvilak verrät im Interview, was das gemeinnützige Unternehmen der IT-Branche ausmacht. 

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03.03.2020 I © AfB gGmbH

LIFEVERDE: Frau Cvilak, das Unternehmen AfB hat sich seit 15 Jahren auf die Datenvernichtung und Aufarbeitung gebrauchter Business-Hardware spezialisiert. Das Besondere bei Ihnen ist, dass die Arbeit von Menschen mit Behinderung ausgeführt wird. Machen Sie doch mal ein Fazit nach 15 Jahren.

FRAU CVILAK: Mein Vater hat AfB vor 15 Jahren gegründet und hätte damals nicht gedacht, dass dieses Unternehmen so ein Erfolg wird. Heute bin ich eine von drei Geschäftsführern von Europas größtem gemeinnützigen IT-Unternehmen: Bei uns arbeiten 440 Mitarbeiter an 19 Standorten in fünf Ländern, 45% davon mit Behinderung.

Unser Inklusionskonzept von Menschen mit Schwerbehinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt ist nach wie vor einzigartig. Wir müssen hoch professionell arbeiten und viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten, da wir nach wie vor Vorurteilen begegnen. Aber die Mühe lohnt sich: Heute kooperieren wir mit 1.000 Partnerunternehmen, Banken, Versicherungen und öffentlichen Einrichtungen, die uns ihre gebrauchte Firmenhardware zur Datenvernichtung und Aufarbeitung anvertrauen – in erster Linie, weil wir professionell sind und wirtschaftlich arbeiten. Aber auch weil sich das öffentliche Bewusstsein ändert: Die Bedeutung von ökologischen und sozialen Belangen nimmt zu. Wir können es uns nicht mehr leisten, auf Kosten der Zukunft zu wirtschaften. Hier ist AfB Vorbild und zeigt, dass ein die Kombination aus Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Sozialem Erfolg haben kann.

Wie gelingt in der Praxis die Arbeit mit Ihren Mitarbeitern, die ein körperliches Handicap haben und was sind die größten Herausforderungen hierbei?

Für uns ist es wichtig herauszufinden, was ein Mitarbeiter kann, worin seine Stärken liegen und diese entsprechend einzusetzen. Räume und Arbeitsschritte sind bei AfB barrierefrei oder wenigstens barrierearm, da wir in gemischten Teams arbeiten. Wir versuchen, in jedem Bereich Menschen mit und ohne Behinderung einzusetzen, ob Verwaltung, Produktion, Akquise oder Versand. Es gibt so viele unterschiedliche Behinderungen, wie es Menschen gibt. Bei uns arbeiten Kollegen mit körperlichen, psychischen oder seelisch-geistigen Erkrankungen. Es kommt aber zumeist nicht auf die Behinderung an, sondern auf die Fähigkeiten, die die Kollegin oder der Kollege mitbringt und auf das Unternehmen selbst, für jeden Einzelnen den richtigen Platz im Unternehmen zu finden.

Durch unsere unterschiedlichen Aufgabengebiete finden wir für fast jeden einen Platz. Bei uns arbeiten beispielsweise hörbehinderte Kollegen in der Datenlöschung, gehbehinderte Menschen im eCommerce und Kundenservice. Manche Mitarbeiter mit bestimmten Krankheitsbildern brauchen die Sicherheit eines gleichförmigen Arbeitsablaufs und wachsen dann über sich hinaus. Ein schönes Beispiel ist ein Kollege aus Berlin mit einer Lernbehinderung, der heute selbst neue Kollegen und Praktikanten anleitet.

Wer lässt bei Ihnen seine IT wieder aufbereiten und in welcher Menge findet das Refurbishing bei der AfB statt?

Zu unseren Partnern gehören große Banken und Versicherungen, z.B. ErgoDirekt oder die Sparkassen Versicherung, aber auch große Unternehmen und Dax-Konzerne wie die Otto Group, Bertrandt, HeidelbergCement, Telefónica, Siemens, Vattenfall, Pfizer oder Boehringer Ingelheim. Wir holen ihre gebrauchte Firmen-Hardware mit Sicherheitstransport ab, erfassen die Geräte und löschen die Daten in einem zertifizierten Prozess. Danach werden die Geräte gereinigt, auf Herz und Nieren getestet, bei Bedarf repariert oder aufgerüstet und mit neuer Software bespielt. Da wir von Unternehmen häufig größere einheitliche Chargen bekommen, können wir eine gute Wiedervermarktungsquote erzielen. 2019 haben wir 475.000 Geräte mit einem Gesamtgewicht von 3.100 Tonnen bearbeitet und konnten 65% davon wieder vermarkten.

 Was sind die größten wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile, die durch IT-Refurbishing entstehen?

Wir haben uns von der TU Berlin eine Berechnungsgrundlage erstellen lassen, welche ökologische Wirkung wir durch unseren Aufarbeitungsprozess erzielen. Die Ressourceneinsparungen durch die IT-Wiedervermarktung 2019 können sich sehen lassen:

  • 17.000 Tonnen CO2
  • 52.300 MWh Energie
  • 22.900 Tonnen Rohstoffe

Für jedes Notebook, PC, Smartphone und Tablet, das generalüberholt wiederverwendet werden kann, müssen keine Ressourcen abgebaut werden. Und für die Aufarbeitung werden deutlich weniger Treibhausgase emittiert als für die Neuproduktion. In den vergangenen 15 Jahren hat AfB mehr als 2 Millionen generalüberholte Geräte verkauft. Das sind 2 Millionen Geräte, die nicht neu produziert werden mussten. Alleine die Rohstoffe wie Metalle und Mineralien, die dadurch nicht abgebaut werden mussten, summieren sich auf 132.100.000 kg. Hinzu kommen Einsparungen von Treibhausgasemissionen von 87.270.000 kg.

Unsere Partner leisten hier natürlich einen wesentlichen Beitrag, indem sie ihre ausgemusterte Hardware nicht verschrotten, sondern uns zur Aufarbeitung übergeben. Ebenso unsere Kunden, die der Qualität unserer refurbished Produkte vertrauen. Business-Hardware ist hochwertig. Deswegen gewähren wir auf unsere Produkte mindestens 12 Monate Garantie. Viele unserer Kunden schätzen neben dem günstigen Preis auch die gute Qualität. Zu guter Letzt schonen sie mit ihrem Kauf bei uns die Umwelt und unterstützen uns dabei, Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung zu schaffen.

Wie und wo rekrutieren Sie Ihre Mitarbeiter und worauf kommt es Ihnen beim Einstellungsprozess an?

Wir rekrutieren neben den bekannten Online-Plattformen, der Jobbörse und über Social Media. Zudem nutzen wir die Zusammenarbeit mit den Integrationsfachdiensten. Unser Ziel ist es den passenden Mitarbeiter für die Stelle zu finden. In den Bewerbungsunterlagen darf man gerne den Schwerbehindertenausweis zeigen, keine Scheu.

Wer Lust hat, ein nachhaltiges IT-Unternehmen mit weiterzuentwickeln, egal ob mit oder ohne Behinderung, die und der ist bei AfB richtig.

Wie wird es mit der AfB in den nächsten Jahren weitergehen? Haben Sie noch neue Themen auf der Agenda oder möchten Sie zukünftig gar nicht so vieles anders machen?

Aktuell sind viele unserer deutschen Mitarbeiter noch dabei, sich einzuleben, da wir im Januar in unsere neue Unternehmenszentrale mit angeschlossenem neuen Logistikzentrum gezogen sind. Außerdem ist ein weiterer AfB Standort in Straßburg geplant.

Beides eine große Investition, die aber sein muss, da nur so weiteres Wachstum möglich ist. Unser Ziel ist es, europaweit 500 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass wir mindestens 1.000 Arbeitsplätze schaffen müssen. Um dieses Ziel zu erreichen arbeiten wir an der Weiterentwicklung unserer IT-Dienstleistungen, an unseren Produkten und Prozessen und vor allem an uns selbst. Stillstand können wir uns nicht erlauben. Wollen wir aber auch gar nicht.



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