Wie nachhaltig sind Kreuzfahrten
Gesellschaft

Wie nachhaltig sind Kreuzfahrten?

Nachhaltige Kreuzfahrten gibt es (noch) nicht, das sagt zumindest das Kreuzfahrt-Ranking des NABU. Woran das liegt und ob das so wirklich stimmt, erklären wir euch in diesem Artikel.

Nachhaltige Kreuzfahrten gibt es (noch) nicht, das sagt zumindest das Kreuzfahrt-Ranking des NABU. Woran das liegt und ob das so wirklich stimmt, erklären wir euch in diesem Artikel.

23.01.2018| Ein Beitrag von Bianca Schillinger

Der jährliche Bericht des NABU zur Umweltbelastung durch Kreuzfahrtschiffe ist keine leichte Kost. Keines der getesteten Schiffe ist aus Umweltsicht uneingeschränkt empfehlenswert und
auch die Erstplatzierten können keineswegs als Vorbilder angesehen werden. Auslöser für diese alarmierenden Zustände sind die Vorschriften auf hoher See. Anders als an Land gelten auf den Meeren nämlich keine so strengen Vorschriften für Rußpartikelfilter und Katalysatoren, weswegen viele Kreuzfahrtschiffe ihre Abgase nahezu ungefiltert in den Himmel pusten.

Zahlen bitte

Auf einer 6-tägigen Kreuzfahrt fallen laut atmosfair pro Person rund 1.350 kg CO2 an – zum Vergleich: Ein Jahr Autofahren (12.000 km) berechnet die Seite mit 2.000 kg CO2. Unabhängig davon steigt die Zahl der Europäer, die ihren Jahresurlaub gerne auf offener See verbringen wollen kontinuierlich. Im Jahr 2007 waren es noch 3,73 Millionen, 10 Jahre später schon 6,11 Millionen Passagiere, alleine aus Europa. Wenn dann zur Kreuzfahrt noch ein oder sogar zwei Flüge zum jeweiligen Hafen hinzukommen, ist das eine beachtliche Menge CO2 für ein paar Tage Urlaub.

Das Müll-Problem

Ein Kreuzfahrtschiff ist ein schwimmendes Hotel, das rund um die Uhr tausende von Gästen versorgt. Diese Gäste produzieren Müll, verbrauchen Strom und produzieren Abwasser. Da die Schiffe nur bedingt Lagerplatz besitzen, werden diese Abfallprodukte entweder noch an Bord verwertet oder bei Zwischenstopps an den Häfen entsorgt. Lebensmittelabfälle dürfen ins Meer geworfen werden, sobald sie geschreddert wurden. Auf einem Passagierschiff mit 3.500 Gästen ist das pro Woche ungefähr eine LKW-Ladung voll. Das ist zwar völlig legal, doch laut NABU alles andere als umweltverträglich. Der restliche Müll wird getrennt gesammelt und entweder noch auf dem Schiff verbrannt oder an Land entsorgt. Je nach angelaufenem Hafen sind  die Mengen aber schier zu groß – Malta zum Beispiel hat sicher schon genug mit dem eigenen Müll zu kämpfen. Also doch einfach verbrennen und rauf damit auf die CO2-Bilanz.

Abwasser im Meer

Die riesigen Mengen seien einfach zu viel für das Ökosystem, das damit auf Dauer nicht fertig wird. Noch verheerender dürfte das ebenso legal abgeleitete „Grauwasser“ - Abwasser aus Dusche und Waschbecken - für die Meere sein. Schließlich nutzen vermutlich die wenigsten Passagiere biologisch abbaubare Shampoos und Seifen. Die Abwässer werden zwar von der Schiffs-eigenen Kläranlage gereinigt, könnten aber genau darum auch wieder zu Trinkwasser aufbereitet werden. Doch das liest sich in der Broschüre scheinbar nicht so appetitlich, weswegen darauf verzichtet wird.

Abgase schaden Passagieren und Umwelt

In den vergangenen Jahren deckten mehrere Messungen von deutschen und französischen Journalisten auf, dass selbst moderne Kreuzfahrtschiffe, die als nachhaltig und umweltschonend beworben werden, enorm die Luft verpesten. Laut den Messungen der ARD-Journalisten seien die Passagiere und Besatzungsmitglieder auf Deck einem Feinstaubwert ausgesetzt, der den an einer vielbefahrenen Straßenkreuzung um ein vielfaches übersteige. Und das an einem Ort, an dem man eigentlich die frische Seeluft genießen sollte. Woher stammen diese enormen Rußpartikel-Mengen? Das Problem ist der Treibstoff. Der Großteil der Schiffe (egal ob Container- oder Kreuzfahrtschiff) fährt mit Schweröl. An Land muss das als Sondermüll entsorgt werden – auf dem Meer wird es einfach verbrannt. Nachhaltigere Alternativen sind der sogenannte „Marinediesel“ (der zwar für weniger Feinstaub sorgt, deswegen aber noch lange nicht umweltfreundlich ist) und der Umstieg auf das Flüssiggas LNG. Letzteres wäre erheblich umweltverträglicher und würde bei einem Unfall auch nicht mehr für eine Ölpest sorgen.

Lösungsansätze: umweltfreundliche Kreuzfahrtschiffe

Einige Anbieter haben scheinbar erkannt, dass Handlungsbedarf besteht. TUI wirbt beispielsweise mit seiner Flotte namens „Mein Schiff“, die auch das diesjährige NABU-Kreuzfahrtrank anführen. Laut eigenen Angaben verbrauchen diese Schiffe rund 30% weniger Energie als vergleichbare Kreuzer. Auch die Klimaanlagen und die Abgasreinigung seien vorbildlich gelöst und auf dem modernsten Stand der Technik. Den eingesetzten Stickoxydkatalysator und die Bemühungen, den an Bord anfallenden Müll zu reduzieren, belohnte der NABU mit dem ersten Platz im Ranking.

Die Ergebnisse des NABU Kreuzfahrt-Rankings

Den ersten Platz teilen sich TUI Cruises ("Mein Schiff 3" bis "Mein Schiff 6") und Hapag-Lloyd Cruises ("Europa 2"). Die im Vorjahr noch führenden Anbieter AIDA und Costa Cruises mussten die Spitzenplätze räumen, weil sie die versprochenen Verbesserungen nicht einhielten. Die letzten Plätze belegen die bekannten Namen Costa, MSC und Royal Caribbean, die laut NABU „keinerlei relevante Aktivitäten zum Schutz von Umwelt und Gesundheit erkennen lassen“.
Nachhaltigere Kreuzfahrten versprechen nur die geplanten Neubauten, die mit Flüssiggas anstatt Schweröl betrieben werden. Doch bis diese Entwicklung tatsächlich im CO2-Ausstoß zu Buche schlägt, wird es Jahre dauern. Denn die alten Flotten werden noch lange auf See unterwegs sein, bis sie komplett von neuen Schiffen abgelöst werden.

Kreuzfahrten umweltfreundlicher gestalten

Wer trotzdem nicht auf seinen Traum einer Kreuzfahrt verzichten möchte, kann seinen ökologischen Fußabdruck zumindest etwas eingrenzen. Die entstandenen Treibhausgase lassen sich ganz einfach kompensieren, zum Beispiel über Anbieter wie atmosfair. Damit diese Treibhausgase so gering wie möglich ausfallen, sollte man sich am jährlichen NABU-Ranking orientieren. Außerdem sollte man bei der Buchung darauf achten, dass die Start- und Ziel-Häfen mit Zug, Bus oder Auto erreichbar sind. Denn wenn zur Kreuzfahrt auch noch Flugreisen hinzukommen, ist es endgültig vorbei mit einem nachhaltigen Urlaub.

Auch interessant: Unser LifeVERDE-Artikel Nachhaltiger Urlaub – So finden Sie grüne Unterkünfte

Der NABU veröffentlicht jedes Jahr sein Kreuzfahrt-Ranking.
Nachhaltiger werden Kreuzfahrten mit dem CO2-Ausgleich von atmosfair.
Die Feinstaubwerte an Deck der Schiffe hat z.B. die Das Erste gemessen.
Hier findest du Statistiken, wie viele Europäer ihren Urlaub auf hoher See verbringen.

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