Von der Kartoffel zur Pommes
Gesellschaft

Von der Kartoffel zur Pommes

Unser Konsum von Lebensmitteln hat weitreichende Folgen auf Erzeugung, Angebot und Nachfrage. Und jeder Kauf ist eine Entscheidung für die Welt, in der wir leben wollen. Doch was hat achtsame Ernährung mit unserer Zukunft zu tun?

Unser Konsum von Lebensmitteln hat weitreichende Folgen auf Erzeugung, Angebot und Nachfrage. Und jeder Kauf ist eine Entscheidung für die Welt, in der wir leben wollen. Doch was hat achtsame Ernährung mit unserer Zukunft zu tun?

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28.02.2017 - Gastbeitrag von Larissa Gleich, Bild © www.pixabay.com

Wie oft schlingen wir etwas in uns hinein, von dem wir vielleicht nur eine kurze Sekunde wahrnehmen, wie es schmeckt und von dem wir überhaupt nicht wissen, was drin ist. Doch macht man sich bewusst, was für eine Reise dieser Bissen hinter sich hat, verändert sich unsere Wahrnehmung.

Nehmen wir das Beispiel einer Portion Pommes aus dem Supermarkt mit Ketchup. Die Basis sind Kartoffeln. Diese wurden irgendwo - vielleicht in Deutschland - angebaut. Das heißt, jemand hat Saatgut säen müssen. Daraus entstanden Jungpflanzen, welche gepflegt wurden mit Wasser, vielleicht zusätzlichen Nährstoffen, Sonne, Wind und Wetter. Nach Wochen und Monaten wuchs daraus eine Pflanze, die Früchte trug. Man hat die gewachsenen Kartoffeln dann geerntet, gewaschen und sortiert. Sie wurden verpackt sowie verladen und noch einmal sortiert – wieder durch einen Menschen oder durch eine Maschine. Geliefert wurden die Kartoffeln dann zu einem Großhändler und dann wiederum zu einem Produktionsbetrieb. Die Ware wurde ausgeladen, in die Fabrik gebracht und hier verarbeitet. Die Kartoffeln wurden durch Mitarbeiter der Fabrik noch einmal kontrolliert und gewogen. Es wird geschnitten und Gewürze und Öle aus aller Welt werden und vieles mehr hinzugefügt. Wenn die „Pommes“ dann fertig sind, werden sie verpackt und erneut transportiert. Vielleicht werden sie zu einem anderen Großhändler gefahren oder direkt in einen Supermarkt. Dann heißt es hier auch wieder für jemanden auspacken, sortieren und einlagern bis die Packung Pommes Frites von einem Konsumenten aus dem Regal genommen, gekauft und zu Hause zubereitet wird. Einen ähnlichen Weg hat die Tomate hinter sich, die später zu Ketchup verarbeitet wurde.
Es sind so viele Menschen und Arbeitsschritte notwendig, um uns unsere Lebensmittel bereit zu stellen. Und an so vielen Stellen werden Entscheidung getroffen, die uns Menschen und unsere Umwelt beeinflussen: Anbau mit oder ohne Pestizide? Saatgut genetisch verändert oder nicht? Faire Bezahlung oder Preiskampf und Schwarzarbeit? Abbaubare Verpackung oder herkömmliches Plastik?

Mit Bedacht in die Zukunft

Wer mit Bedacht einkauft und sich für das interessiert, was er konsumiert, also bewusste Kaufentscheidungen trifft, der beeinflusst damit jedes Mal auch jeden einzelnen der oben genannten Schritte, wie und wo unsere Lebensmittel also hergestellt werden. Kaufe ich beispielsweise Produkte mit deutschem Bio-Siegel, weiß ich, dass keine gentechnisch veränderten Organismen genutzt, keine synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden und keine Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Farbstoffe und Emulgatoren enthalten sind. Das ist nicht nur für mich als Konsument positiv, das bedeutet auch, dass die Menschen, die mit den Pflanzen arbeiten, keine giftigen Dämpfe einatmen mussten. Und das bedeutet auch, dass weniger künstliche Pestizide ins Grundwasser gelangt sind.
Mit jedem Kauf entscheide ich also über all diese Menschen und Umweltanteile der Produktionskette – und über mich selbst. Denn ganz direkt und unmittelbar führe ich mir diese Produkte zu. Und wie sehr sich schlechte Ernährung auf den Körper auswirkt, wurde bereits in unzähligen Studien bewiesen.

Ich investiere mit dem Kauf also nicht nur in mich selbst, sondern auch in die Welt, in der ich leben will. Jeder einzelne Arbeitsschritt wird davon beeinflusst, jedes Stück Land, jedes einzelne Tier. Wir zahlen auf den ersten Blick erstmal mehr, denn herkömmliche Produkte sind oftmals billiger. Aber eben nur kurzfristig und auf den ersten Blick: Kosten für Krankheiten, die aus der „konventionellen“ Ernährung herrühren, sind gar nicht zu überblicken. Genauso wenig wie die Kosten der künstlichen und oft hochgiftigen Pestizide im Grundwasser oder der täglichen fußballfeldgroßen Rodung des Regenwaldes. Unternehmen kommen dafür nicht auf. Sondern die Menschen, „die Steuerzahler“ und vor allem die Umwelt.

Indem wir also auch mal mehr bezahlen, dafür aber um einiges besser essen, tun wir etwas für uns selbst, für die Natur und für unsere Nachkommen. Denn sie werden auf dem Planeten leben müssen, den wir ihnen hinterlassen. Und damit investieren wir in die Zukunft, wenn wir achtsamer essen und einkaufen. „Qualität statt Quantität“ gilt auch für die Ernährung.  

Zur Person:

Larissa Gleich ist freiberufliche Beraterin für Einkauf, Handel und Nachhaltigkeit. Sie unterstützt Unternehmen und Gründer dabei, Abläufe nachhaltiger zu gestalten und besser einzukaufen. Ihr Leitsatz „Nachhaltigkeit zahlt sich immer aus“ hat sich in der Praxis bisher bewährt – für das eigene Unternehmen und Mensch und Natur. Mehr unter: www.larissa-gleich.de



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