Gesellschaft

Was uns bewegt im Juli: Unser Regenbogen für den Pride-Month

Es war einmal Juni, es war einmal Pride-Month! Kreativ dekorierte Parties, farbenfrohe Auftritte und Konzerte sowie auffällige Outfits. Der bunteste Monat des Jahres unterhält die ganze Welt. Doch was war im Juni 2020 los?

Es war einmal Juni, es war einmal Pride-Month! Kreativ dekorierte Parties, farbenfrohe Auftritte und Konzerte sowie auffällige Outfits. Der bunteste Monat des Jahres unterhält die ganze Welt. Doch was war im Juni 2020 los?

09.07.2020 | Ein Beitrag von Julie Wego

Auch im Juli hissen wir weiterhin unsere Regenbogenflagge und setzen ein Zeichen für Gleichberechtigung in der Sexualität, freie liebe und eine bunte Gesellschaft.
Denn es ist wichtig, dass das Thema auch nach dem Pride Month weiterhin präsent bleibt. Insbesondere da der Aktivismus dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht so gestaltet werden kann wie üblich. Die bunten Großveranstaltungen müssen abgesagt werden und Abstandsregelungen erschweren Demonstrationen.
So findet der Aktivismus dieses Jahr in der Hauptsache online statt. Farbenfrohe und kunstvolle Bilder erstrahlen auf sozialen Netzwerken, aber auch informierende Posts und IGTVs verbreiten sich, um ein Bewusstsein zu schaffen.

Wir geben euch einen Einblick in den geschichtlichen Hintergrund, die kreativen Alternativen zu den Veranstaltungen, wie effektiv der Pride Month 2020 letztendlich war und wieso dieser Monat auch für Nachhaltigkeit sehr bedeutsam ist.

 

Wieso der Pride Month etwas mit Nachhaltigkeit zu tun hat

Dieser Monat wird der LGBTQ Community gewidmet und es wird vor allem für Gleichberechtigung in der Sexualität demonstriert.
Mit dem Titel “Pride” wird besonders auf den selbstbewussten und stolzen Umgang mit der eigenen Sexualität aufmerksam gemacht.
Der Stonewall-Aufstand markiert hierbei einen historischen Wendepunkt und ist somit zentral.

Mit unterhaltenden Demonstrationen und kreativen Beiträgen auf sozialen Netzwerken kämpfen die Mitglieder der Bewegung für eine bunte Zukunft.

Diskriminierung und Homophobie dürfen keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft finden. Denn im Hinblick auf zukünftige Krisen ist es für uns alle von großer Bedeutung zusammen zu halten. Gemeinsam stark zu sein. Denn eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.
Bei Krise denkt man vor allem jetzt womöglich erst einmal an Covid-19 und die wirtschaftlichen Folgen. Aber eine zentrale Krise, wird uns weiterhin noch viel länger und vor allem stärker beschäftigen und gesellschaftlichen Zusammenhalt benötigen. Die Klima-Krise. Ja, sie existiert.

Je eher wir also verschiedene Lebensstile anerkennen und aufhören, verschiedene Gruppen auszuschließen, desto eher wachsen wir zu einer starken, bunten Gesellschaft heran.
Für eine nachhaltige und klimafreundliche Zukunft ist es wichtig, dass wir zusammenhalten und füreinander einstehen. Dass wir banalen, hasserfüllten Ansichten keinen Raum mehr geben, um uns auf die Zukunft zu konzentrieren. Jedes Glied unserer Kette ist wichtig, um uns für einen nachhaltigeren Lebensstil und zu mobilisieren und letztlich keine Form der Diskriminierung mehr zuzulassen.

Darüber hinaus setzt sich die LGBTQ+ Community mit gutem Beispiel voran und setzt sich für mehr Nachhaltigkeit in der Modeindustrie ein. Unser Portal Nachhaltige Mode hat ein Statement dazu abgegeben:  

„Weltweit war die Modeindustrie schon immer eng mit der LGBTQIA+ Community verbunden. Drag Queens sind heutzutage nicht mehr nur in der Untergrundszene unterwegs, sondern wahre Fashion Icons. Drag ist vielseitig und erfordert daher auch ständig neue Looks. Thrift Shopping und Upcycling gehören also zum Tagesgeschäft der Drags, so werden Ressourcen und der Geldbeutel geschont.“ – Nachhaltige Mode

 

Historischer Hintergrund – Wo kommt Pride eigentlich her?

28.06.1969.

Dieser Tag ist für die Bewegung von ganz besonderer Bedeutung. An diesem Tag fanden gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Polizeibeamten und Homo- sowie Transsexuellen während der Durchführung einer Razzia statt.
Bereits zuvor führte die New Yorker Polizei einige Razzien in unterschiedlichen Lokalen durch, um Homosexuelle aufzuspüren. Die betroffenen wurden festgenommen und wegen “anstößigen Verhaltens” verklagt.
Als eine solche Razzia nun wiederholt im Stonewall Inn stattfand, ließen sich die Beteiligten nicht mehr verhaften und widersetzten sich.
Der Kampf für Gleichberechtigung und Anerkennung hatte somit begonnen.

Jedes Jahr wird dieses Ereignis am Christopher Street Day gefeiert. Das Stonewall-Inn-Lokal hatte seinen Sitz in der Christopher Street in New York, die dem bekannten Feiertag seinen Namen verliehen hat.

Erst seit 1994 sind gleichgeschlechtliche Beziehungen in Deutschland erlaubt und erst seit 2017 sind gleichgeschlechtliche Ehen hierzulande möglich. Leider hat die Entwicklung zur gesetzlichen Anerkennung seit dem Stonewall-Aufstand noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Nach wie vor ist Homosexualität in 37 Staaten verboten - in den arabischen Emiraten kann dafür sogar die Todesstrafe verhängt werden.
Lasst uns also stolz und laut weiterkämpfen, bis endlich jedes Land Homosexualität legalisiert und die letzte Ungerechtigkeit, in der Gesellschaft sowie gesetzlich, endlich aus dem Weg geräumt wird!

 

Die Regenbogenflagge – Was bedeuten die Farben des Regenbogens?

Die Fahne gilt als Symbol der Initiative. Sie steht für eine friedliche Welt mit einer Vielfalt an Lebensformen, die toleriert und akzeptiert werden. Zum Anlass des Gay Freedom Days 1978, entwarf der amerikanische Künstler Gilbert Baker die Flagge speziell für die Lesben- und Schwulenbewegung.

Für einige Bewegungen dient die Flagge als Symbol: Bauernkriege, Greenpeace oder die PACE-Bewegung sind nur einige Beispiele, die die Regenbogenflagge symbolisch nutzen. Alle verbindet dasselbe Ziel: Veränderung.

Veränderung ist genau das, woran die zahlreichen Bewegungen und Demonstrationen während dieses Monats appellieren. Wie im Regenbogen, soll auch in unserer Gesellschaft Vielfalt an erster Stelle stehen. Denn am Ende des Tages sind wir alle Menschen.

 

Der Pride Month 2020 – top oder flop?

Wie bereits erwähnt, litt auch die Regenbogen-Bewegung unter der Corona-Krise.
Abstands- und Kontaktbeschränkungen machten die sonst sehr auffälligen Veranstaltungen unmöglich. Für die LGBTQ+ Community ein großer Verlust. Jährlich kommt die Community in Städten zusammen, wo sie gemeinsam ihren Stolz feiern und teilen ­– ein „Come together“ ist dabei üblicherweise an erster Stelle.
Doch lassen sich die Mitglieder nicht unterkriegen: Mit kreativen Ideen wird die Bewegung auf soziale Netzwerke verlagert. Insbesondere Instagram bietet hierbei eine ideale Plattform um laut zu werden und seinen Beitrag mit anderen zu teilen.

„Aber Global Pride hat sich zum Ziel gesetzt, uns alle zusammenzubringen. Dich, mich und die ganze Welt. Hunderte von Pride Paraden und Festivals wurden wegen Covid-19 gecancelt. Gerade sehr viele jüngere Mitglieder der LGBTQ Community mussten die letzten drei Monate in der Quarantäne mit ihren Familien verbringen. Viele hoffen, dass das Global Pride Event uns alle daran erinnern wird, dass die LGBTQ Community immer für uns da sein wird.“ Derek Meyer - Queerpride


Und das ist sie: Insbesondere Make-up Artists, Musiker, Künstler, etc. fallen mit ihren fantasievollen Beiträgen auf.

Der Influencer Matt Bernstein ist besonders auffällig und macht mit verschiedenen Make-up Designs auf das Thema aufmerksam und informiert seine Follower gleichzeitig über aktuelle Konflikte dazu.

Auch Musiker mobilisieren sich. Mit Songs wie „Rainbow Dragon“ von Keiynan Lonsdale oder „Pick Me“ von Wafia wird auf Intersexualität, Identitätsfindung und liebe aufmerksam gemacht. Lonsdale geht sogar weiter und behaupte, jeder sei „gay“ sogar Gott.


Der Regenbogen ist dieses Jahr etwas verdeckt. Reichen diese Beiträge, damit seine Strahlen durchkommen?
Leider ist die LGBTQ+ Community in diesem Jahr auf sich selbst gestellt, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Durch fehlende Großveranstaltungen, Konzerte, Demonstrationen, etc. gibt es keine Berichterstattungen auf anderen Medien, wie beispielsweise dem Fernsehen oder Radio. Dadurch fällt eine große Zielgruppe weg: die Personen, die sich nicht auf sozialen Netzwerken bewegen. Vor allem bestimmte Altersgruppen werden dadurch vielleicht nicht erreicht. Somit liegt der Fokus nur auf einer Zielgruppe, die vor allem junge Menschen mit einschließt, andere Altersgruppen jedoch teilweise außen vorlässt. Der Pride Month/ Regenbogen ist also nur für die sichtbar, die sich auf dieser Plattform befinden oder sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass das Thema von jedem nach außen getragen wird und dass der Aktivismus nicht mit dem 30. Des Monats endet.

„Man ertappt sich immer wieder selbst dabei, dass man doch nicht ganz frei von Vorurteilen anderen Menschen und Kulturen gegenüber ist.
Egal wie sehr man sich bemüht, man ist manchmal doch schon ganz schön vorbelastet. Das ist auch okay, solange man sich dessen bewusst ist und daran arbeitet, dass sich das eigene Denken ändert und solange man offen bleibt für andere Meinungen und Gefühle. Wer noch nicht so vorbelastet ist, sind Kinder. Hier ist es unsere Aufgabe, mit gutem Beispiel voranzugehen und möglichst vorurteilsfrei aufzuklären, wenn Fragen aufkommen. Denn egal, wie abgedroschen der folgende Satz klingt, er stimmt: Kinder sind unsere Zukunft. Und wenn wir uns eine Zukunft ohne Hass wünschen, müssen wir der nächsten Generation die richtigen Werte mit auf den Weg geben.“ –
GreenKIDZ

 

Kann jeder an der Pride Bewegung teilnehmen?

Natürlich! Die Veranstaltungen und Demonstrationen sind nicht ausschließlich für Homosexuelle oder Transgender organisiert. Jeder, der ein offenes Herz hat und gerne feiert ist eingeladen, daran teilzunehmen. Eine zahlreiche Teilnahme ist sogar erwünscht: auch wenn die bunten Veranstaltungen nach wilden Partys aussehen, bleiben sie im Kern eine Demonstration, die für mehr Gerechtigkeit appelliert. Somit zählt jede weitere Stimme.
Je größer die Demonstrationen werden, je mehr Anhänger sich auf der Welt anschließen, desto aussagekräftiger werden die Proteste. Desto eher wird Veränderung geschaffen.

Du bist selbst nicht betroffen? Sieh dich um. Hast du Menschen in deinem Bekanntenkreis, die homosexuell oder transgender sind? Dann betrifft es dich doch. Setz dich für die Menschen in deinem Umfeld ein!

Drei Tipps, wie du dich für die LGBTQ+ Community einsetzen kannst:

  1. Werde auf sozialen Netzwerken aktiv! Teile Beiträge zum Beispiel in deiner Story, damit auch dein Umfeld auf das Thema aufmerksam wird. Je mehr Menschen das Thema aktiv teilen, desto eher erreicht es auch andere Interessengruppen auf dieser Plattform.
  2. Informiere dich stets weiter, um die Hintergründe und die Umstände mit denen es die Community zu tun hat, kennenzulernen.
  3. Sprich das Thema aktiv in deinem Umfeld an, um dein Bewusstsein und deine neu erlernten Fakten weiterzugeben.

Um einen Anfang zu machen, kannst du verschiedenen Persönlichkeiten auf Instagram folgen, die das Thema ganz offen ansprechen und deutlich machen.

@Pride 

@Itgetsbetter

@Lgbt_history

@Peta

@Greenpeace

@Veganistungesund

@Hetrickmartin

@Erklaermirmal

Darunter befinden sich auch beispielsweise NGO’s wie Peta oder Greenpeace, die sich ebenfalls stark für die LGBTQ+ Bewegung aussprechen. Auch die bekannte Instagram-Seite „veganistungesund“ haben ihre Follower während des Pride Months mit bunten Beispielen aus der LGBTQ+ Community sowie wissenswerten Informationen versorgt.

Wichtig ist, dass du das Thema weiterhin kommunizierst und dich selbst informierst. Zum Beispiel auf der Seite Queerpride. Hier werden aktuelle Geschehnisse und News zu dem Thema veröffentlicht und es gibt sogar einen „Gay Lexikon“, indem Begriffe und Themengebiete genauer und vertiefend erklärt werden.

 

Gleichberechtigung für eine starke Gesellschaft

Es ist wichtig, dass wir uns weiterhin für Vielfalt einsetzen, selbst wenn wir denken, dass es uns augenscheinlich nicht betrifft. Am Ende des Tages betrifft es uns sehr wohl. Wir leben gemeinsam in einer Gesellschaft und müssen diese Gemeinschaft fortwährend stärken.

Diskriminierung darf kein Raum mehr gegeben werden. Egal welche Hautfarbe, welche Sexualität, welches Geschlecht man hat oder welcher Spezies man angehört. Wir alle leben auf diesem Planeten und haben das Recht auf Anerkennung, Toleranz und Nächstenliebe.

Denn wenn wir zu einer Kette werden, in der ein Glied das andere stützt, können wir gemeinsam für eine erfolgreiche und nachhaltige Zukunft kämpfen, uns gegen eine klimabelastende Wirtschaft aussprechen und innovativ werden.

 

Lies auch: Was uns bewegt im Juni: Weltweite antirassistische Demos und gegenseitiges Verständnis

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Bilder: Unsplash, Instagram: @mattxiv; @vi.little_; @bedmar_makeupart



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