Tollwood Festival: Die Kultur und Umweltveranstaltung im Olympiapark
Gesellschaft

Tollwood Festival: Die Kultur- und Umweltveranstaltung im Olympiapark

INTERVIEW | "Für uns gehören Kulturgenuss, Lebensfreude und Engagement für Umwelt und eine gerechte Welt zusammen." Ein Interview mit Christiane Stenzel, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tollwood GmbH.

INTERVIEW | "Für uns gehören Kulturgenuss, Lebensfreude und Engagement für Umwelt und eine gerechte Welt zusammen." Ein Interview mit Christiane Stenzel, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tollwood GmbH.

09.05.2017

LifeVERDE: Frau Stenzel, seit wann gibt es das Tollwood Festival?

Christiane Stenzel: Seine Geburtsstunde hatte das Tollwood Festival 1988 in der Münchner Kleinkunstszene. Damals entstand die Idee, Kleinkunst in einem anderen Rahmen zu versuchen, und – vor einem ökologischen Hintergrund – eine kulturelle Vielfalt lebendig werden zu lassen. So entstand das erste Tollwood Festival im Münchner Olympiapark: Es dauerte elf Tage, vom 1. bis zum 11. Juli 1988, und wartete mit Künstlern wie Konstantin Wecker oder Georg Ringsgwandl auf.

Im Laufe der Jahre hat sich aus dem kleinen Festival mit nur einem Zelt und rund 20.000 Besuchern ein international bekanntes Kulturfestival über die Grenzen Europas hinaus entwickelt. Die Grundidee ist dieselbe geblieben: Damals wie heute schafft das Festival für seine Besucher eine multikulturelle Vielfalt aus Musik, Theater, Kabarett und Kunst sowie den „Markt der Ideen“ mit internationalem Kunsthandwerk und der (seit 2003) bio-zertifizierten Festivalgastronomie aus Ländern rund um den Erdball.

Wann findet das Tollwood Festival dieses Jahr statt und wie viele Besucher werden erwartet?

Das Sommerfestival findet vom 21. Juni bis zum 16. Juli 2017 statt. Im Sommer haben wir i.d.R. ca. 800.000 Besucher. Das Winterfestival findet von Ende November bis 31. Dezember 2017 statt. Hier sind es ca. 600.000 Besucher.

Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit bei den Vorbereitungen?

Das Thema Nachhaltigkeit ist untrennbar mit der Tollwood-Philosophie verbunden – und das seit den Anfängen, bzw. mit dem ersten Festival. Für uns gehören Kulturgenuss, Lebensfreude und das Engagement für Umwelt und eine gerechte Welt zusammen. In diesem Sinne sehen wir Tollwood als ein Kultur- und Umweltfestival. Auch über die Grenzen des Festivals hinaus, sei es mit der Gemeinschaftsinitiative „Bio für Kinder“ oder dem Aktionsbündnis „Artgerechtes München“, versuchen wir uns dafür einzusetzen. Das Thema Nachhaltigkeit – um die Fragen zu beantworten – gehört für uns immer dazu.

Während des Festivals stellen Sie beispielsweise Menschenrechtsorganisationen 150 Quadratmeter Standfläche umsonst zur Verfügung, um sich vorzustellen und um aufzuklären. Wie kommt das bei den Besuchern an?

Wir machen das bereits seit einigen Festivals und denken, dass es gut angenommen wird – und wir finden es auch einfach wichtig. Es gibt so viele tolle Organisationen – und dahinter stehen so viele Menschen, die sich engagieren, mit viel Herzblut, Tatkraft und Zeit. Das verdient einfach großen Respekt. Wir möchten auf Tollwood einen Raum bieten, wo diese Menschen sich und Arbeit vorstellen können – und sich die Tollwood-Besucher darüber informieren können.

Wie alt sind Ihre Besucher im Durchschnitt und welche Altersgruppe ist Ihrer Meinung nach für solche Themen sensibilisiert?

Die Tollwood-Besucher sind so bunt gemischt wie unser Programm. Wir bieten Konzerte für Jung und Alt, Nouveau Cirque, Walk-Acts und Performances, wir haben ein Kinderzelt und ein separates Jugendprogramm – und 70 Prozent aller Veranstaltungen (im Sommer ca. 500) finden bei freiem Eintritt statt. Der Tollwood-Besucher interessiert sich grds. für „grüne Themen.“ Aber besonders in den letzten Jahren lässt sich feststellen, dass immer mehr jüngere Menschen für nachhaltige Themen sensibilisiert sind – sei es für gesunde Ernährung (unsere Gastronomie ist ja seit 2003 bio-zertifiziert) oder für nachhaltiges Kunsthandwerk auf dem „Markt der Ideen“. Das ist natürlich toll!

Wie wird während des Festivals außerdem Nachhaltigkeit gelebt?

Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze: Zum einen betrifft das die Logistik des Festivals: wir versuchen, das Festival so nachhaltig wie möglich zu organisieren. Das fängt an beim Thema Ökostrom, geht weiter zur Mülltrennung, zur bio-zertifizierten Gastronomie oder einem energieeffizienten Beleuchtungssystem. Um nur einige Beispiele zu nennen.
Zum anderen ist da natürlich die programmatische Gestaltung: Wir können nachhaltige Themen auf dem Festival auf ganz vielfältige Weise inszenieren – sei es in Kunstwerken auf dem Gelände (letzten Sommer zum Beispiel mit einer Ausstellung von Skeleton Sea, die Müll /Strandgut zu Kunst gemacht haben), im Weltsalon (unser Zelt im Winter für ökologische und gesellschaftliche Themen, u.a. mit multimedialen Installationen, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Kabarett, etc.). Hier gibt es ganz viele Möglichkeiten.

Wer stellt seine Kunst bei Ihnen aus und wie kann Kunst dabei helfen, das Thema Nachhaltigkeit zu verarbeiten?

Kunst kann sehr politisch sein. Das Motto des letzten Sommerfestivals lautete „Dein blaues Wunder“ und wir hatten im Eingangsbereich einen Wal aus Plastikflaschen stehen, den der britische Künstler Adam Stubley für uns angefertigt hatte. Der Wal wurde binnen kürzester Zeit das beliebteste Fotomotiv auf dem Gelände – auch weil er ganz toll angestrahlt war in der Dunkelheit. Aber die Botschaft dahinter war sehr ernst: Plastikmüll ist eine der größten Bedrohungen für das Meer und seine Bewohner. Und das ist bei den Besuchern auch so angekommen.

Wie sehen Ihrer Meinung nach die Festivals der Zukunft aus?

Es gibt ja heute schon ganz viele tolle Festivals – ob man den Blick durch Europa schweifen lässt oder sich in Deutschland umschaut – Berlin hat z.B. eine schöne Festivalszene, oder auch im Ruhrgebiet gibt es tolle Events. Die nachhaltige Gestaltung wird immer mehr ein Thema. Wir erhalten immer wieder Anfragen von anderen Festivals, wie wir dies oder jenes umsetzen auf Tollwood. Je mehr Festivals sich mit „grünen Themen“ auseinandersetzen, desto besser. In der Zukunft wird das hoffentlich noch mehr eine Rolle spielen, als es das jetzt schon tut.

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