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Gesellschaft

Solidarität und Hilfsaktionen – Das sind unsere Corona-Helden

Helfen und Unterstützen ist in dieser Zeit sehr wichtig. Wir stellen dazu einige tolle Hilfsaktionen vor, die sich in den letzten Tagen entwickelt haben.  

Helfen und Unterstützen ist in dieser Zeit sehr wichtig. Wir stellen dazu einige tolle Hilfsaktionen vor, die sich in den letzten Tagen entwickelt haben.  

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3.04.2020 - Bild: Symbolbild (Pixabay). Ein Beitrag von Deborah Iber


Die kreativen Unterstützer in der Krise

In dieser ungewöhnlichen Corona-Zeit hat sich bereits einiges in unserem Leben verändert. Jeder ist von den Auswirkungen in irgendeiner Weise betroffen – manche mehr, manche weniger stark. So sind viele Menschen auch auf die Hilfe anderer angewiesen.

In der Nachbarschaft wird sich gegenseitig mit Einkäufen oder Gassi-Gehen geholfen. Dazu wurden schon passende Apps und Online-Dienste entwickelt, die Hilfesuchende und Helfer zusammenbringen. Nebenan oder Wirhelfen sind nur ein Bruchteil der Möglichkeiten, die es mittlerweile zur Nachbarschaftsunterstützung gibt. 

Diesen Beitrag möchten wir allen Unterstützern in dieser schweren Zeit widmen und einige besondere Corona-Hilfsaktionen vorstellen, die in den letzten Tagen entwickelt wurden.
 

Die Maskenplattform

Ein großes Problem in dieser Corona-Zeit: Viel zu wenig Gesichtsmasken in sozialen Einrichtungen. Das möchte eine Gruppe von Studierenden ändern. Zusammen mit einem Team haben sie eine Plattform entwickelt, über die sich Masktaker und Maskmaker anmelden können. Zu den Masktakern zählen soziale Einrichtungen, die ihren Bedarf an Gesichtsmasken auf der Webseite angeben können. Als Maskmaker werden private Leute angesprochen, die im Nähen talentiert sind und gerne freiwillig mithelfen möchten. Die fertiggenähten Masken werden dann an die jeweiligen Einrichtungen gesendet.

 Bild: Maskmaker

Lena vom Maskmaker-Team hat uns zu diesem spannenden Projekt ein paar Fragen beantwortet.

LIFEVERDE: Ihr habt eine Plattform entwickelt, um dem Gesichtsmaskenmangel entgegenzuwirken. Wer steckt alles hinter dieser Idee?

LENA: Durch die Medien und persönliche Kontakte zu Pflegeeinrichtungen war uns das Thema der fehlenden Gesichtsmasken in sozialen Einrichtungen bewusst. So haben wir, drei Studierende, die sich aus der Schulzeit kennen, uns gemeinsam beim Hackathon #wirvsvirus angemeldet und dort mit weiteren Begeisterten unsere Idee für eine Maskenplattform verfeinert und umgesetzt. Jetzt sind wir ein Team von 8 Leuten, das aktiv an Maskmaker arbeitet. 

Wie habt ihr das Maskenkonzept entwickelt und wie lange hat das gedauert?

Die Idee kam am Freitag, den 20. März. Die meisten aus unserem Team haben vorher keine oder sehr wenig Erfahrung im Erstellen einer Website gehabt. Nachdem wir grundlegende Fragen und Probleme geklärt hatten, konnten wir am Dienstag, den 24. März die erste Bedarfsmeldung auf unserer Seite veröffentlichen. 

Wie finanziert ihr das Ganze?

Das Maskmaker-Team arbeitet ehrenamtlich und ohne Profit. Die Server bezahlen wir privat. Wir bitten die Näher und Näherinnen, dass sie die Stoffe, ihre Zeit und die Versandkosten spenden. Wir wissen, dass das eine sehr wertvolle Spende ist, aber wir denken, dass wir so den dringenden Bedarf von sozialen Einrichtungen erfüllen können. Viele Näherinnen und Näher verschicken ihre Masken zusammen oder nähen für eine Einrichtung in ihrem Ort und bringen die Masken persönlich vorbei. Das geht auch mit Corona-Sicherheitsabstand. Andere freiwillige Helfer und Helferinnen haben selbst zu Stoffspenden aufgerufen um aus denen Masken zu nähen. 

Wer diese Idee genauso toll findet wie wir und mithelfen möchte, oder wer dringend Masken benötigt, ist hier an der richtigen Adresse. 
 

Kinderhaus Kunterbunt

Auch die Erzieher*innen des Kinderhauses Kunterbunt in Ansbach möchten bei der Maskenknappheit aushelfen. Die freie Zeit nutzen die Mitarbeiter*innen im Kinderhaus, um Masken zu nähen und diese dann an Einrichtungen zu spenden, die von der Maskenknappheit betroffen sind. Das Material bringen die fleißigen Näher*innen von zu Hause mit und im Kinderhaus selbst entstand nach und nach eine Produktionskette.
 

Kochen für Helden

Kochen für Helden ist eine wohltätige Aktion, die unsere Alltagshelden unterstützt: Und zwar diejenigen, die als Ärzt*innen und Pfleger*innen in ihrer Arbeit gerade extrem gefordert werden sowie diejenigen, die als Mitarbeiter*innen in Supermärkten und Apotheken arbeiten. Die Gastronomen hinter dem Projekt kochen und versorgen diese Leute mit Mahlzeiten. Ilona und Max haben dieses Projekt ins Leben gerufen und uns ein paar Fragen dazu beantwortet.

LIFEVERDE: Wer steckt alles hinter dem Kochen für Helden Konzept?

ILONA UND MAX: Wir, Sternekoch Max Strohe und seine Partnerin Ilona Scholl, beschlossen, nach dem "Shut-Down" den Inhalt unseres Kühlhauses einem sinnvolleren Ende zuzuführen als der Gewerbetonne. Seither kochen wir kostenlos und mit Sponsorware oder solcher, die wir von den Spendengeldern einkaufen, die wir sammeln, für Leute in Funktionsberufen. Wir haben uns, als das Projekt größer wurde, mit den zwei Betreibern des 21Gramm-Cafés in Neukölln zusammengetan, weil Logistik, Crowdfunding, Website, Sponsoring, 500 Emails am Tag und Buchhaltung sehr schnell zu viel für nur zwei Leute wurden ...

Wann habt ihr die Aktion gestartet und wie hat sie sich bisher entwickelt?

Kochen für Helden ist eine gemeinnützige Aktion, die Ihre Geburtsstunde Mitte März im Restaurant Tulus Lotrek in Berlin hatte. Allerdings wurde sehr schnell eine deutschlandweite Aktion daraus. Gastronomen in anderen Städten – allen voran Hamburg, wo sich schnell ein paar richtig engagierte Gastronomen um Tim Mälzer zusammenfanden – zogen nach und kochen seither eigeninitiativ für ihre Helden. Mittlerweile sind es über 80 Restaurants in ganz Deutschland

Wie viele Restaurants in welchen Orten sind bereits beteiligt und wer kann alles mitmachen?

S.O.: auf www.kochen-fuer-helden.de gibt es eine tolle Deutschlandkarte, wo man sehen kann, wer mitmacht. Auch unsere Crowdfunding-Kampagne findet sich auf dieser Seite. Mitmachen kann im Prinzip jeder, der sich an die "Regeln" hält, sprich, der personalarm (wir wollen möglichst wenige Leute von der Couch holen), nach HCCP-Hygienestandards und unter kontaktarmen Lieferungs- / Abholungsbedingungen arbeitet und bereit ist, sich selbständig um Sponsoring zu kümmern.
 

Hilfe für wohnungslose Menschen in Bonn

Derzeit sind viele Organisationen wie die Tafel geschlossen oder das Essensangebot ziemlich eingeschränkt. Das trifft wohnungslose oder bedürftige Menschen sehr stark. Eine Gruppe privater Personen in Bonn hat sich das zu Herzen genommen und sich etwas überlegt: Über Instagram haben sie einen Aufruf gestartet, Geld auf ihre privaten Paypal-Konten zu spenden, mit dem sie Wertgutscheine von Discountern im Wert von jeweils 10 Euro kaufen konnten. Diese Gutscheine wurden dann an Wohnungslose in Bonn verteilt. Diese waren extrem dankbar, Unterstützung in dieser Zeit zu erhalten. Eine wirklich tolle Sache!
 

Soli-Küche – Mahlzeiten für Bedürftige

Auch das Kitchen Guerilla Team setzt sich für wohnungslose und bedürftige Menschen ein. Eigentlich kocht Kitchen Guerilla unter anderem für Events und Kantinen. Da dies derzeit nicht möglich ist, haben sich die Leute etwas überlegt, um gleichzeitig ihre Existenz sichern zu können und bedürftigen Menschen zu helfen: Die SoliKüche. Sie bereiten nun einzelne Essenspakete vor, die aus einer warmen Mahlzeit und Obst bestehen und von Privatpersonen für 7 Euro gekauft werden können. Anschließend werden die Mahlzeiten an Initiativen für Wohnungslose und Bedürftige gespendet und ein kleiner Teil der Einnahmen kommt Kitchen Guerilla´s Existenzerhaltung zugute.

 Bild: SOLIKÜCHE

Caroline von der Goltz, Pressesprecherin von Kitchen Guerilla, stand uns zu einem Mini-Interview zur Verfügung.

LIFEVERDE: Wer steckt alles hinter diesem Konzept, das gleichzeitig Bedürftige und eure Existenz unterstützt?

CAROLINE: Hinter der #SoliKüche stehen wir, die Kitchen Guerilla aus Hamburg. Als mobile Kocheinheit veranstalten wir normalerweise kulinarische Events und beliefern Kantinen großer Technologieunternehmen mit gutem gesundem Essen. Wegen der Pandemie wurden nun all unsere Veranstaltungen abgesagt und Kantinen bleiben bis auf Weiteres geschlossen. In Zeiten wie diesen gilt es, schnell kreative Lösungen zu entwickeln, um die eigene Existenz zu sichern. Gleichzeitig ist es uns wichtig, in der Krise jenen beizustehen, die womöglich am meisten unter ihr leiden – und das sind vor allem obdachlose Menschen. Durch die #SoliKüche können wir ihnen helfen – und auch uns selbst ein klein wenig.

Seit wann genau läuft sie SoliKüche und wie viele Mahlzeiten konntet ihr bereits spenden? Zu welchen Einrichtungen in welchen Orten werden die Essens-Pakete geliefert?

Die #SoliKüche läuft seit knapp zwei Wochen; bisher haben wir rund 4000 Essens-Pakete verkauft, knapp 3000 davon wurden bereits an Obdachlose verteilt. Dafür arbeiten wir mit verschiedenen Institutionen zusammen, zum Beispiel dem Arbeiter-Samariter-Bund Ortsverband Hamburg-Mitte e.V., dem Alimaus Speisesaal und dem Bürger helfen Bürgern e.V. Wir übergeben die frischgekochten, einzeln verpackten Mahlzeiten kontaktlos an die Institutionen, die wiederum geben sie – ebenfalls kontaktlos – an Obdachlose weiter. 

Übrigens haben wir beschlossen, die #SoliKüche auch nach Ende der Krise weiterzuführen. Im Austausch mit den Institutionen haben wir festgestellt, dass es bei der Verpflegung von Bedürftigen noch viel Luft nach oben gibt. Wir finden: Jeder Mensch hat eine warme, leckere und liebevoll zubereitete Mahlzeit verdient. 

Mit einem Mahlzeitkauf Obdachlose und die Guerilla Küche unterstützen kannst du hier.
 

Die Corona School

Der Schulausfall macht einigen Eltern und auch Schüler*innen zu schaffen. Für die Schüler*innen ist es schwierig, ohne richtigen Unterricht auf dem neuesten Stand zu bleiben und den Eltern ist es nicht immer möglich, ihre Kinder bei Problemfächern angemessen zu unterstützen. In diesem Fall möchte die Corona School eingreifen: Sie bringt Nachhilfegeber und Nachhilfenehmer zusammen. Kompetente Studierende und auf Hilfe angewiesene Schüler*innen können sich dort anmelden. Je nach Problemfach werden den Schüler*innen die passenden Studierenden zugewiesen und sie erhalten kostenlose Online-Nachhilfe. Eine sinnvolle und tolle Sache für beide Seiten!

Alina Stricker hat uns ein paar Fragen zur Corona-School beantwortet. Sie ist seit Beginn mit dabei und kümmert sich um Social Media-Angelegenheiten, die Webseite und Presseanfragen. Auch Alina betreut zusätzlich noch eine Nachhilfeschülerin über die Corona School.

LIFEVERDE: Ihr habt eine „virtuelle Lernbetreuung“ für Schüler*innen entwickelt. Wer steckt hinter diesem Konzept und wie wurde es entwickelt?

ALINA: Chris, einer der Gründer, kam mit ein paar Bekannten über die Schul- sowie Universitätsschließungen ins Gespräch. Schnell war klar, dass Studierende nun viel Zeit haben werden und diese sinnvoll für schulische Nachhilfe nutzen könnten. Doch die klassische Nachhilfe, bei der man am selben Schreibtisch sitzt, ist in der Corona-Krise natürlich keine so gute Idee. Chris hatte dann die zündende Idee: Online-Nachhilfe! Mit drei weiteren Freunden entwickelte er dann die Website und ein Team an Unterstützern der Corona School wuchs heran.

Seit wann ist die Corona School aktiv und wie finanziert ihr das Ganze?

Die Corona School wurde am 15. März ins Leben gerufen und schon eine Woche später wurden die ersten Schüler*innen und Studierenden vernetzt. Finanziert wurde sie bisher aus eigener Tasche der Gründer, wobei das ehrenamtliche Engagement des Corona School Teams das „teuerste Gut“ ist. Ohne das inzwischen vierzigköpfige Corona School Team aus größtenteils Studierenden und weiteren 3200 Studierenden, die sich registriert haben um kostenlose Nachhilfe zu geben, würde das Konzept der Corona School nicht funktionieren.

Welche Qualifikationen sollten die Studierenden mitbringen, um bei dem Projekt teilzunehmen?

Die Studierenden sollten in erster Linie motiviert sein, Schüler*innen zu unterstützen. Als Studierende*r kann man in der Registrierung angeben, in welchen Fächern man helfen möchte. Ihre fachlichen Qualifikationen schätzen die Studierenden auf diese Weise selber ein. In den allermeisten Fällen haben Studierende da eine gute Selbstwahrnehmung und können die Schüler*innen im weiteren Verlauf gut bei ihren schulischen Aufgaben unterstützen.

 Bild: Gründer Chris, Corona School

Wer motiviert ist, Corona-School Unterstützer zu werden und Online-Nachhilfe zu geben, oder wer Nachhilfe für sein Kind sucht, kann sich hier melden. Macht mit!
 

Krisentelefon in Corona-Zeiten

In dieser eingeschränkten Zeit kann einem schon mal die Decke auf den Kopf fallen, frustrierende Gedanken oder auch Angst können sich breitmachen. Auch Einsamkeit kann vielen Leute in dieser Zeit die Tage erschweren. Das kann schnell negative psychische Auswirkungen haben. Damit von Angst, Einsamkeit und Frustration betroffene Leute auch professionelle Hilfe erhalten können, bieten Psychologie-Studenten aus Kassel seit dem 31. März eine Telefon-Seelsorge an. Diese ist von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr zu erreichen und erstmal für 6 Wochen geplant. Mehr Infos zum Corona-Telefon findest du hier.

In unserem Artikel Tipps von A-Z gegen die Corona Depression findest du außerdem ein paar Beschäftigungs-Inspirationen für zu Hause, die den Frust der Corona-Tage vertreiben sollen.
 

Zusammenhalten und unterstützen

Diese und noch viele viele weitere Hilfsaktionen sind bereits gestartet und bringen Hoffnung und Unterstützung in dieser für viele sehr schwierigen Zeit. Gerade jetzt sind wir Menschen aufeinander angewiesen. Viele brauchen Hilfe und viele haben die Möglichkeit, die notwendige Hilfe zu leisten. Zusammenhalt und Einsatz ist nun wichtig. Also hilf, wo du kannst, und nimm die Hilfe an, die du bekommst.

Wenn du noch weitere tolle Hilfsaktionen kennst, oder selbst bei einer mitwirkst, dann melde dich gerne bei uns unter kontakt@lifeverde.de – wir möchten dazu beitragen, diese Aktionen bekannter zu machen!



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