Segen oder Fluch: Vernetzung von Autos macht das Fahren sicher und den Fahrer transparent
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Segen oder Fluch: Vernetzung von Autos macht das Fahren sicher und den Fahrer transparent

Bis zu achtzig Computerchips sorgen in den vernetzten Autos der neuesten Generation dafür, dass die Insassen gesund, komfortabel und möglichst energiesparend ans Ziel kommen.

Bis zu achtzig Computerchips sorgen in den vernetzten Autos der neuesten Generation dafür, dass die Insassen gesund, komfortabel und möglichst energiesparend ans Ziel kommen.

Bildquellenangabe: Bernd Deschauer / pixelio.de

Bis zu achtzig Computerchips sorgen in den vernetzten Autos der neuesten Generation dafür, dass die Insassen gesund, komfortabel und möglichst energiesparend ans Ziel kommen. Doch neben den sicherheitstechnischen und ökologischen Vorteilen erfüllen die Connected Cars noch einen anderen Zweck: Sie sammeln, speichern und übermitteln Daten. Gefahrensituationen (wie Unfälle oder Staus) werden anderen Fahrzeugen gemeldet, Autos kommunizieren außerdem mit ihrer Umgebung (zu Beispiel mit Verkehrsleitsystemen oder mit dem Stromnetz). Dabei werden zwangsläufig auch Wegbeschreibungen und Ortsangaben abgespeichert. Diese wiederum dienen nicht nur der Verkehrssicherheit, sie nutzen auch Unternehmen, die wirtschaftliche Interessen vertreten.

Überwachung bei Nissan und Renault

Wenn James Bond im Aston Martin unterwegs ist, wissen seine Auftraggeber stets, wo er sich aufhält. Verantwortlich sind Mikrochips, die sowohl in 007 als auch in seinem Auto eingepflanzt wurden. Das Superagenten-Szenario aus Hollywood ist dabei viel näher an der Realität, als sich so mancher Autobesitzer denken würde. So verfügt beispielsweise der neueste Nissan Leaf über ein Navigationsgerät, welches dauerhaft Standortdaten an den Hersteller übermittelt – egal, ob das Navi ein- oder ausgeschaltet ist. Beim japanischen Fahrzeughersteller ist man also stets darüber im Bilde, wohin die elektrischen Kompaktklassen gerade fahren und wo sie schon überall waren.

Ein weiteres Beispiel ist Renault. Auch hier werden von den firmeneigenen Elektroautos ständig Positionsdaten übermittelt – und nicht nur das: Zahlt ein Autobesitzer seine Leasingraten nicht, kann Renault das betreffende Fahrzeug im Fall mancher Modelle sogar aus der Ferne stilllegen.

Autohersteller, Versicherungsgesellschaften und die Regierung sehen hier zahlreiche Möglichkeiten, Verkehrsteilnehmer zu regulieren und den Verkehr in gewünschte Bahnen zu lenken. So könnte zum Beispiel das datensendende Navi dazu genutzt werden, in strittigen Rechtsangelegenheiten ein Alibi zu überprüfen. Gleiches gilt für Streitfälle mit der Versicherung: Gespeicherte Fahrzeuginformationen (wie Flüssigkeitsstände oder Zuladungsmenge) könnten dafür sorgen, dass im Fall eines Schadens die Versicherung eine Kostenübernahme aufgrund von Nutzungsfehlern ablehnt.

Vernetzung macht den Verkehr sicherer

Bei all der Kritik dürfen jedoch auch die Vorteile der intelligenten Fahrzeugvernetzung nicht aus den Augen verloren werden. So sind mehr als 80 Prozent aller Autounfälle auf menschliche Fehler zurückzuführen. Da liegt es nahe, zukünftig dem Fahrzeug das Fahren zu überlassen. Verschiedene Autohersteller haben schon voll funktionsfähige Selbstfahr-Systeme vorgestellt. So präsentierte Mercedes auf der IAA 2013 einen S 500 Intelligent Drive, der sich völlig autonom im Straßenverkehr zurechtfindet. Feuertaufe des Forschungsfahrzeugs war eine Fahrt von Mannheim nach Pforzheim, welche die selbstfahrende Luxusklasse im August 2013 absolvierte. Ähnliche Jungfernfahrten wurden auch schon von Testfahrzeugen anderer Hersteller wie Audi oder BMW absolviert.

Noch weiter ist man bei Volvo. In einem Feldversuch sind derzeit 100 selbstfahrende Fahrzeuge in und um Göteborg unterwegs, wo sie echte Kunden auf inner- und außerstädtischen Pendlerstrecken völlig autonom transportieren.

Bislang allerdings muss noch stets ein Fahrer hinter dem Steuer sitzen, der im Zweifelsfall eingreifen kann. Entscheidend ist hierbei die Haftungsfrage: Laut deutscher Straßenverkehrsordnung ist bei einem Schadenfall stets der Fahrzeugführer verantwortlich. Ein Computersystem allerdings kann nicht haftbar gemacht werden. Entsprechende Gesetzesänderungen sind jedoch schon in der Planung. Sobald diese gültig werden, steht einer völlig neuen Fahrzeug-Generation (und damit einem grundlegend veränderten Mobilitätsverständnis) nichts mehr im Wege.



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