Nachhaltiger Käse mit traditioneller Rezeptur
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Nachhaltiger Käse mit traditioneller Rezeptur

UNTERNEHMENSVORSTELLUNG | Was den Beemster-Käse besonders macht? Unverwechselbarer, nuancenreicher und cremiger Geschmack, der heute noch so erzeugt wird, wie die niederländischen Goudas von damals. Dabei setzt die gesamte Produktion auf Nachhaltigkeit.

UNTERNEHMENSVORSTELLUNG | Was den Beemster-Käse besonders macht? Unverwechselbarer, nuancenreicher und cremiger Geschmack, der heute noch so erzeugt wird, wie die niederländischen Goudas von damals. Dabei setzt die gesamte Produktion auf Nachhaltigkeit.

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25.07.2017

LifeVERDE: Frau Langen, Beemster Käse gewann zuletzt 2016 den deutschen CSR-Preis. Was glauben Sie war ausschlaggebend für diese Auszeichnung und worauf sind Sie besonders stolz?

Christa Langen: Man hat unsere Käserei mit diesem Preis ausgezeichnet, da wir schon sehr lange nachhaltig und dazu auch sehr umfassend auf allen Ebenen der Erzeugung arbeiten – von unseren Bauernhöfen über den Milchtransport bis in unsere neue „grünste“ nachhaltige Käserei. Genau darauf sind wir stolz – bei uns gehört Nachhaltigkeit einfach komplett immer dazu! Der Juryvorsitzende Jens Nagel, Hauptgeschäftsführer der AVE (Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels e.V.) erklärte bei der Preisübergabe in seiner Laudatio: „An der Bewerbung hat uns insbesondere der ganzheitliche Ansatz begeistert, denn: Die nordholländische Genossenschaftskäserei setzt mit ihren 460 Bauern ganz auf Nachhaltigkeit: Von der Kuh bis zum Käse. Rücksichtsvoll mit Tier, Mensch und Umwelt umgehen – das ist das Leitbild des Unternehmens. Zu den Pionierprojekten zählen unter anderem die Implementierung des ersten systematischen Nachhaltigkeitsmanagementsystems der Milchbranche sowie die Inbetriebnahme der neuen, komplett „grünen“ Käserei. Wir gratulieren den Preisträgern herzlich zu dieser wichtigen Auszeichnung.“

Wofür steht Beemster Käse und was machen Sie anders oder eventuell besser als andere Käse-Hersteller?

Beemster-Käse ist köstlicher Premium-Gouda aus Nordholland. Was Beemster besonders macht, ist sein unverwechselbarer Geschmack, der besonders nuancenreich und cremig ist. Früher wurden die meisten niederländischen Goudas so erzeugt, wie heute nur noch Beemster. Wir setzen in der Erzeugung noch viele handwerkliche und traditionelle Schritte ein, die die anderen Hersteller schlicht wegrationalisiert haben. Daraus jedoch entsteht der typische, leckere Geschmack. Handwerk ist bei uns also ein echtes Unterscheidungskriterium. Last not least natürlich ist es auch unser umfassender, nachhaltiger Ansatz, der sich von den anderen Herstellungsmethoden unterscheidet, angefangen bei 100% Weidemilch der Kühe bis hin zum Produktionsprozess in unserer nachhaltigen Käserei.

Königin Maxima der Niederlande eröffnete 2014 die neue Beemster Käserei, die Sie sogar als „Grünste Käserei der Welt“ bezeichnen. Wieviel gelebte Nachhaltigkeit steckt in diesem Konzept, können Sie ein paar Beispiele geben?

Die „grünste Käserei der Welt“ ist läuft derzeit CO2 neutral. Sie ist besonders nachhaltig durch die Verwendung besonders wartungsarmer, haltbarer, nachhaltiger Baustoffe, durch eine besonders gute Isolierung, durch konsequente Energierückgewinnung, Wasseraufbereitung und –Wiederverwertung sowie die Erzeugung erneuerbarer Energien wie Solarzellen, Windräder etc. Die eigenen Bauern werden darin unterstützt, weitere Energien zu erzeugen, z.B. Biogasanlagen auf den Höfen. Ziel ist die Einsparung von 75% Wasser und 25% Energie (Gas/Strom). 2020 soll das Gebäude klimaneutral betrieben werden. einige Beispiele sind natürliche Wärmeregulation durch extrem isolierte Außenhaut, mit Hohlraum aus Glas sowie Sandwichpaneele mit einem hohen Abstrahlungswert, das teils unterirdisch liegende Käselager sorgt für konstante Temperatur, das Gebäude ist vollständig Tageslicht gesteuert.

Was verbirgt sich hinter der Initiative „Happy Cows, Happy People, Happy Planet?

Unter dem Namen “Caring Dairy” verbirgt sich das sehr breit angelegte Nachhaltigkeitsmanagementsystem, welches Beemster-Cono Kaasmakers seit 2008 auf seinen Milchhöfen betreibt. Es ist das erste derartige System in der Milchwirtschaft überhaupt. Das System ist in drei Nachhaltigkeitsbereiche gegliedert, Kühe, Menschen, Umwelt und zielt darauf ab, alle Bereich konsequent und kontinuierlich nachhaltiger zu gestalten. Dies erfolgt in Form von Workshops für die Bauern und individuellen Nachhaltigkeitsberichten für die Höfe, die auf Messen und Verbessern beruhen. Es wurde ursprünglich von der US-amerikanischen Eiscreme-Marke Ben & Jerrys und der Agraruniversität Wageningen wissenschaftlich fundiert entwickelt.

Wissen Sie, ob sich ein Großteil Ihrer Kunden bewusst und aus Nachhaltigkeitsgründen für Beemster Käse entscheidet?

Nein, das wissen wir nicht. Was wir jedoch sehen ist, dass die Menschen Beemster gerne kaufen, weil er ihnen sehr lecker schmeckt. Wenn sie dann auch noch erfahren, dass der Käse mit Rücksicht auf die Milchkühe, die Bauern und die Umwelt erzeugt wird, bestärkt sie das oft in ihrer Einkaufsentscheidung. Hauptgrund scheint jedoch der gute Geschmack des Käses zu sein.

Vor welche Herausforderungen stellt Sie die Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist ein immerwährender Prozess. Mit Nachhaltigkeit ist ein Unternehmen – im Gegensatz zur Erfüllung von Bio-Richtlinien beispielsweise – niemals fertig. Ist ein Ziel erreicht, wird das nächste angegangen. Die Anforderungen aus dem Markt, seitens Handel und Verbraucher werden immer höher. Die Kosten, welche dadurch auf die Milchbauern und so auch auf die gesamte Genossenschaft zukommen und welche ständig nur ansteigen, stoßen nur noch sehr schwierig auf Verständnis bei den Verbrauchern. Hier drohen die Anforderungen an Nachhaltigkeit mit der Bereitschaft, sie aus dem Markt auch zu entlohnen, zu kollidieren.

Welche Trends verfolgen Sie aktuell in Ihrer Branche mit Spannung?

Tierwohl und der Blick auf Weidehaltung ist ein aktueller Trend in der Milchwirtschaft in Deutschland. Handel und Verbraucher erwarten immer mehr valide Daten sowie Beweise, für alles, was ein Hersteller macht – das geht vom Nachweis, wie lange jede einzelne Kuh auf der grünen Wiese gestanden hat und an welchem Tag bis hin zu welches Futter sie gefressen hat. Der Trend zu gewünschter Beweisbarkeit wird immer stärker.

Verraten Sie uns, was es künftig Neues von Ihnen geben wird?

Wir arbeiten derzeit daran, alle Ställe der Genossenschaft mit Kuhbürsten auszustatten. Diese Form der Fellpflege ist für die Tiere eine Wohltat und ein Kriterium für gutes Tierwohl. In den Niederlanden steht Weidegang im Fokus für Tierwohl. Wir arbeiten daran, unsere Weidegangquote von 92% zu erhalten oder zu erhöhen. Landesweit liegt in NL die Quote bei ca. 70%, Tendenz fallend, und in D liegt sie bei ca 42%. In Zeiten der Automatisierung durch beispielsweise Melkroboter ist es für die Bauern umso schwieriger geworden, Weidegang der Milchkühe zu ermöglichen. Wir unterstützen sie darin, denn wir denken, nur eine glückliche Kuh, die auf der Weide laufen darf und dort ihr Herdenverhalten ausleben darf, kann gute Milch geben.

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