Gelebte Nachbarschaft für Vielfalt, Inklusion und Zusammenhalt
Gesellschaft

Gelebte Nachbarschaft für Vielfalt, Inklusion und Zusammenhalt

INTERVIEW | Die nebenan.de-Stiftung setzt direkt in Vierteln und Nachbarschaften an, um durch Projekte und Initiativen ein solidarisches Umfeld zu schaffen. Denn Nachbarschaften sind mehr als gemeinsames Wohnen.

INTERVIEW | Die nebenan.de-Stiftung setzt direkt in Vierteln und Nachbarschaften an, um durch Projekte und Initiativen ein solidarisches Umfeld zu schaffen. Denn Nachbarschaften sind mehr als gemeinsames Wohnen.

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05.10.2017 Ein Interview von Sandra Gehle

LifeVERDE: Herr Vollmann, wie muss man sich die Arbeit der nebenan.de Stiftung im Allgemeinen vorstellen?

Unsere Arbeit ist eng verknüpft mit dem Engagement, welches über eine halbe Million Nachbarn in mehr als 4.600 lokalen Nachbarschaftsnetzwerken bundesweit miteinander leisten. Da passieren jeden Tag tausende tolle Geschichten, von kleinen Gefälligkeiten (wie die drei fehlenden Eier für den Kuchen) über Nachbarschaftshilfe (z.B. beim Aufbau eines Ikearegals) bis hin zu größeren gemeinsamen Aktionen (wie z.B. Spendensammelaktionen, Flüchtlingshilfe, aber auch Straßenfesten und Hofflohmärkten). Wir verknüpfen besonders engagierte Nachbarn deutschlandweit miteinander, bilden sie weiter und bringen sie zu gemeinsamen Themen zusammen.

Darüber hinaus zeichnen wir einmal im Jahr die wirkungsvollsten Initiativen und Projekte mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis aus. Dieser war dieses Jahr mit 55.000€ dotiert, gibt engagierten Teams eine Bühne und hilft guten Modellen bei der Verbreitung in andere Regionen.

Welche Vision haben Sie dabei und wie sind Ihre Schritte um sie zu verwirklichen?

Aktive Nachbarschaften stecken voller Potenzial für die sozial und ökonomisch gerechte Entwicklung unserer Städte und Dörfer. Sie entwickeln sich jedoch nicht immer von selbst. Die nebenan.de Stiftung hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, funktionierende lokale Gemeinschaften zu erforschen und Handlungs­empfehlungen abzuleiten. Wir initiieren und fördern zugleich Projekte, die erfolgreich Barrieren für lebendige Nachbarschaften abbauen und so örtliche Vielfalt, Inklusion und Zusammenhalt schaffen. Die wirkungsvollsten Ansätze unterstützen wir bei der Verbreitung in andere Städte und Regionen. So entsteht ein bundesweites Netzwerk besonders engagierter Nachbarn, die mit viel Engagement gute Ideen in ihrem Viertel umsetzen.

Basis für die Wirkung unserer Arbeit ist die Zusammenarbeit mit unserer Mutterorganisation nebenan.de. Als Deutschlands größtes soziales Netzwerk für Nachbarn bietet die Plattform eine einmalige digitale Infrastruktur zur  Realisierung und Unterstützung nachbarschaftlicher Initiativen. Der Deutsche Nachbarschaftspreis 2017 ist der Startschuss unserer programmatischen Arbeit und wird ab jetzt jährlich vergeben.

 Warum ist eine starke nachbarschaftliche Gemeinschaft so wichtig?

Individualisierung, Zuwanderung, Pluralisierung der Lebensstile – all das hat unsere Gesellschaft verändert und sie vielfältig gemacht. Öffentliche Orte, an denen sich Menschen verschiedener Generationen und Herkunft zufällig begegnen können, sich kennenlernen und auch lernen, einander zu vertrauen, braucht es unverändert. Die Nachbarschaft ist genau ein solcher Ort. Nachbarschaften sind mehr als nur gemeinsames Wohnen Tür an Tür. Sie sind Gemeinschaft und Begegnung – ganz gleich, ob als kurzer Plausch, gemeinsamer Kaffee oder als Austausch von Rat und Tat. Starke Nachbarschaften schaffen Zusammenhalt, sie ermöglichen gesellschaftliche und demokratische Teilhabe, formen die Bürgergesellschaft und sind Teil einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Stadtentwicklung.

Doch all das entsteht nicht von selbst, sondern muss aktiv gestaltet und fortwährend gelebt werden. Um das enorme gesellschaftliche Potential unserer Nachbarschaften zu nutzen, brauchen wir engagierte Menschen und neue Formen des lokalen Miteinanders. Hierfür bieten gerade neue digitale Instrumente enorme Chancen, die es geschickt einzusetzen gilt.

In welchen Arbeitsbereichen sind Sie tätig und wie sieht die jeweilige Arbeit aus?

Wir sind tätig in folgenden Arbeitsbereichen:

  • Gesellschaftlicher Zusammenhalt durch lokale Begegnung: Persönliche Begegnung verschiedener Kulturen, Generationen und sozialer Hintergründe findet durch Kunst, Kultur, Sport, Heimatkunde und traditionelles Brauchtum statt.
  • Unterstützende Umfelder durch solidarische Gemeinschaften: Jungen und alten Menschen, die Unterstützung im Alltag benötigen, wird durch nachbarschaftliches Engagement geholfen sich selbst zu helfen.
  • Inklusion und Integration durch Soziales Kapital: Neuankommende Nachbarn und Menschen mit Behinderungen wird Zugang zu ihrer Nachbarschaft ermöglicht. Sie lernen Nachbarn kennen und sind ein aktiver Teil der lokalen Gemeinschaft.
  • Nachhaltige Ressourcenschonung durch lokale Kreisläufe: Teilen, Leihen, Schenken gehört ebenso zur gelebten nachbarschaftlichen Alltagskultur wie gemeinschaftliches Gärtnern, Reparieren und lebenslanges Lernen.
  • Lokale Demokratie durch Bürgerbeteiligung: Anwohner interessieren und engagieren sich für die gesellschaftlichen und politischen Themen ihres Viertels und ihrer Stadt, bringen sich aktiv ein und werden gehört.

Welche Projekte und Organisationen fördern Sie außerdem und wie sieht jeweils Ihre Arbeit dort aus?

Wir unterstützen vor allem lose, nachbarschaftliche Initiativen, Projekte für Nachbarn von Vereinen und Organisationen und etablierte Institutionen in Nachbarschaften.

Wie finanziert sich die nebenan.de Stiftung und wie kann man sie unterstützen?

Wir werden hauptsächlich von nebenan.de unserer Mutterorganisation finanziert. Darüber hinaus haben wir Projektpartner, wie z.B. der Diakonie Deutschland, der Fernsehlotterie oder der Montag Stiftung für Urbane Räume.

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