Aufklärung der Generation Smartphone über nachhaltigen Konsum
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Aufklärung der Generation Smartphone über nachhaltigen Konsum

THEMENWOCHE FAIRE HANDYS | Diplom-Geologin Britta Bookhagen ist wichtig, dass auch die Jüngsten darüber informiert werden, aus welchen Rohstoffen unsere Smartphones bestehen, wie schwierig es ist diese zu beschaffen und wie selten sie sind. In rund 100 Schulen hat sie mit Schülern und Lehrern darüber gesprochen.

THEMENWOCHE FAIRE HANDYS | Diplom-Geologin Britta Bookhagen ist wichtig, dass auch die Jüngsten darüber informiert werden, aus welchen Rohstoffen unsere Smartphones bestehen, wie schwierig es ist diese zu beschaffen und wie selten sie sind. In rund 100 Schulen hat sie mit Schülern und Lehrern darüber gesprochen.

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01.03.2017 - © Terimahasih0, www.pixabay.com

LifeVERDE: Frau Bookhagen, Sie sind verantwortlich für das Handy-Rohstoffbox Projekt gewesen. Dafür haben Sie viele Schulen in Österreich besucht. Was war das Ziel dieses Projekts?

Britta Bookhagen: Ziel war es, Jugendliche auf unseren rohstoffreichen Lebensstil aufmerksam zu machen und dafür zu sensibilisieren, dass sie mit diesen nachhaltig umgehen müssen. Dazu muss man erst einmal das Bewusstsein schaffen, dass tatsächlich alle Metalle einmal aus Gesteinen gewonnen werden müssen. Genauso, wie wir für alles andere in unserem Leben Rohstoffe benötigen, egal ob für die Kaffeetasse, den Wasserhahn, das Auto, sogar für Kosmetika – überall stecken mineralische Rohstoffe drin. Viele Menschen vergessen das, weil man es den Stoffen einfach nicht mehr ansieht und Bergbau in Deutschland und Österreich vielleicht höchstens noch mit Straßen- oder Häuserbau in Verbindung gebracht wird, aber nicht mit Hightech-Produkten wie Handy, Laptop und Tablet. Damit die Lehrer einen einfachen Zugang zu einem Alltagsgegenstand der Schüler haben, entwickelte ich die Handy-Rohstoffbox, mit der die Schüler experimentell ein aktuelles Thema, das auch Spaß machen soll, bearbeiten können. Es ging keinesfalls darum, mit erhobenem Zeigefinger zu sagen, dass sich keiner mehr ein neues Handy kaufen darf, das bringt nichts. Letztendlich ging es mir darum, ein Unterrichtsmodul zu entwickeln, in welchem man sich damit beschäftigt, woher unsere Konsumgüter eigentlich kommen – und darum zu zeigen, dass Rohstoffe eben nicht nur „Steine“ sind, sondern auch wertvolle Metalle wie Gold und Silber enthalten und es nicht unendlich viele Rohstoffe gibt.

Sie haben zu diesem Thema auch das Buch „Die Rohstoff-Expedition. Entdecke, was in (d)einem Handy steckt“ veröffentlicht. Aus welchen Rohstoffen besteht denn unser Handy genau?

Zur Herstellung eines Handys benötigt man sehr viele verschiedene Rohstoffe. Es stecken über 30 verschiedene chemische Elemente in einem Handy, die meisten davon sind Metalle. Diese werden als Erze und Gesteine weltweit abgebaut und aufbereitet, um in einem weiteren Verarbeitungsschritt aus ihnen die wertvollen Metalle zu gewinnen. Ganz am Anfang steckt also viel Geologie in einem Handy! Die meisten Metalle können zwar durch Recycling wiederverwendet werden, aber ein Abbau von Rohstoffen ist unerlässlich, um unseren Bedarf an Metallen weltweit zu decken. Wir brauchen die Metalle ja nicht nur für Handys, sondern auch für Autos, Maschinen, Fernseher usw. Zusätzlich zu den über 30 Elementen eines modernen Mobiltelefons können auch noch bis zu 20 verschiedene Kunststofftypen in einem Handy stecken. Alle diese Stoffe sind in sehr vielen, höchst komplexen Bauteilen verbunden und – das ist das wichtigste – kommen fast alle nur in sehr geringen Mengen vor. Je nach Handymodell und Hersteller hat Kupfer mit rund 10 –15 Gramm von den Metallen den größten Anteil pro Handy. Zusätzlich können noch wenige Gramm Aluminium und Magnesium enthalten sein. Für die Mikrochips und das Display benötigt man noch Silizium. Aber fast alle anderen Metalle liegen bei unter einem Gramm pro Handy. Trotz der geringen Menge sind hier die Technologiemetalle von besonderer Bedeutung für die Funktion: Geringe Mengen von Tantal für die Kondensatoren, Spuren von Indium für die Touchscreens, minimale Mengen an Gold für die Bonddrähte und sehr geringe Mengen an Seltenen Erden für die Magnete der Lautsprecher und in den Displays werden benötigt.

Ihre Schüler wissen es jetzt schon, aber was passiert mit den Handys, wenn wir diese zurückgeben und gegen ein neues eintauschen? 

Wenn das Handy an einem Recyclinghof oder einer Sammelstelle zurückgegeben wird, sollten idealerweise die noch guten Handys auf Funktionalität getestet und evtl. weiterverwendet werden. Nur die alten und kaputten Handys sollten in die Recyclinganlage kommen. Wichtig ist, dass Handys niemals auf den Müll geworfen werden dürfen. Insbesondere der Akku enthält giftige Stoffe, aber die Rohstoffe sind auch viel zu wertvoll zum Wegwerfen! Je nach Recyclinganlage werden standardmäßig Kupfer, Gold, Silber, manchmal auch die geringen Mengen an Platin und Palladium zurückgewonnen, die ebenfalls enthalten sind. Fast alle anderen Metalle sind zu komplex verbaut und in zu geringen Mengen vorhanden – bisher werden Indium, Tantal und die Seltenen Erden beim Recycling des Handys noch nicht zurückgewonnen. Das kann sich aber ändern, wenn weiter an den Recyclingverfahren geforscht wird und vor allem genug Handys in die Sammlung kommen, damit sich die Prozesse wirtschaftlich lohnen. Handys in den Schubladen sind daher keine gute Lösung. Und je mehr Personen ihre Althandys zurückgeben, desto größer ist die Chance, dass es bessere Recyclingprozesse geben wird. In Deutschland gibt es so gut wie keinen Abbau von Metallen mehr, so dass Unternehmen komplett auf Importe angewiesen, da kann das Recycling nicht nur von Handys, sondern auch von Toastern, Laptops, Tablets usw. zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Aber nochmal zur Verdeutlichung: So wichtig Recycling ist, wir werden langfristig nicht auf den Abbau von primären Rohstoffen verzichten können. Da die Metalle langfristig in unseren Gütern gebunden sind kann Recycling den Bergbau auch langfristig nicht ersetzen.

Auf www.die-rohstoff-expedition.de gibt es Lern- und Arbeitsmaterial für Lehrer und Interessierte. Damit können im Unterricht Themen wie Handy-Produktion, -Recycling und Wiederverwertung von Smartphones anschaulich und interessant mit den Schülern behandelt werden.

Mehr zum Thema Faire Handys: Faire Handys statt "Blut-Handys"



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